Mehr Aufklärung im Zusammenhang mit den Qurantäne-Massnahmen nach den Ferien sei nötig, so der oberste Kantonsarzt Rudolf Hauri. (Bild: Keystone)
Schweiz

Mehr als die Hälfte der Schweizer hält sich nicht an die Quarantäne

Viele Schweizerinnen und Schweizer halten sich nach den Ferien nicht an die Quarantäne-Massnahmen. Der oberste Kantonsarzt Rudolf Hauri fordert mehr Proben.

Der oberste Kantonsarzt Rudolf Hauri hat Stichproben bei Passagieren in allen Flugzeugen und Bussen gefordert, die aus einem Corona-Risikoland in die Schweiz kommen. Zudem verlangte er in einem Interview vom Bund eine Aufklärungskampagne für betroffene Reisende.

Wer aus einem Risikoland in die Schweiz einreist, muss sich bei den kantonalen Behörden melden und in Quarantäne begeben. Gemäss Recherchen der «NZZ am Sonntag» hält sich jedoch weniger als die Hälfte der Betroffenen daran.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hatte am Freitag angekündigt, die Einhaltung der Quarantänepflicht stichprobeartig zu kontrollieren. Pro Woche werden die Passagierlisten von 20 bis 30 in der Schweiz ankommenden Flugzeugen überprüft.

Die Stichproben hätten eine wichtige Signalwirkung, sagte Hauri, der Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und -ärzte, in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». «Aber der Bund muss noch systematischer aus jedem Flugzeug und Bus eine Stichprobe ziehen. Die Reisenden müssen merken, dass es jeden treffen kann.» Deshalb brauche es eine nationale Aufklärungskampagne.

Bund zählt auf Eigenverantwortung

Damit stösst er beim BAG auf offene Ohren. Es hatte am Freitag eine Informationskampagne für Einreisende angekündigt: Informationen werden neu vor der Einreise in die Schweiz in Linienbussen und auf Flügen abgegeben. An den Grenzen werden Plakate aufgehängt.

Grundsätzlich zählt der Bund aber weiterhin auf die Eigenverantwortung der Reisenden. Diese seien verpflichtet, sich selber zu informieren, betonte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim BAG.

Überlastung droht

Hauri warnte seinerseits vor einer Überlastung des Systems, wenn weitere Länder auf die Risikoliste kommen. «Je mehr Feriendestinationen auf die Risikoliste kommen, desto schneller stösst unser System mit Meldestelle für Rückreisende und Contact-Tracing an seine Grenzen», sagte er. «Können wir diese Arbeit durch einen Anstieg bei den Ansteckungen nicht mehr aufrechthalten, gerät die Situation rasch ausser Kontrolle.»

Aktuell umfasst die Risikoliste 29 Länder. Sie soll jedoch um etwa ein Dutzend Staaten erweitert werden, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) am Freitag ankündigte.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel