«Wir sehen klar positive Anzeichen für eine nachhaltige und sehr hohe Kundennachfrage, und zwar in allen Preissegmenten», sagte Swatch-CEO Nick Hayek am Dienstag. (Bild: Keystone)
Schweiz

Swatch erwartet starke Erholung nach Einbruch im ersten Halbjahr

Swatch wurde durch den Covid-19-Lockdown heftig getroffen. Der Uhrenkonzern hat mit Kostensenkungen und Ladenschliessungen reagiert.

In der Schweizer Produktion sind viele Mitarbeitende in Kurzarbeit. Nach den Lockerungen zieht die Nachfrage auch bereits wieder deutlich an und im Gesamtjahr soll ein Betriebsgewinn erzielt werden.

«Wir sehen klar positive Anzeichen für eine nachhaltige und sehr hohe Kundennachfrage, und zwar in allen Preissegmenten», sagte Swatch-CEO Nick Hayek in einer Video-Botschaft am Dienstag. Das zeige die Entwicklung in den Ländern, in denen der Lockdown bereits überwunden sei. So habe etwa Festland-China im Mai und Juni gegenüber Vorjahr wieder ein zweistelliges Wachstum erreicht. Im Monat Juni habe der Gesamtkonzern wieder ein positives Betriebsergebnis erzielt, wird weiter betont.

Entsprechend positiv ist der Ausblick für den Rest des Jahres und Swatch rechnet mit einem «starken zweiten Halbjahr». Das Betriebsergebnis wird im Gesamtjahr positiv erwartet. «Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir im Gesamtjahr einen Gewinn erreichen können», sagte Hayek. «Das wird aber nicht mit dem Vorjahr vergleichbar sein.»

Umsatzeinbruch um 43 Prozent

Die staatlichen Covid-19 Massnahmen haben den Bieler Uhrenkonzern ab Februar mit voller Wucht getroffen und das erste Halbjahr geprägt. «Zeitweise waren bis zu 80 Prozent unserer Vertriebskanäle weltweit geschlossen», betonte Hayek. Entsprechend schrumpfte der Nettoumsatz von Swatch in den ersten sechs Monaten um 43 Prozent auf 2,20 Milliarden Franken. Der starke Schweizer Franken habe den Umsatz um 113 Millionen Franken reduziert. Teilweise sei einzig der Onlinehandel möglich gewesen, was hier zu hohen Wachstumsraten geführt habe.

Hayek verwies auf den unterschiedlichen Verlauf in Ländern mit komplettem und teilweisem Lockdown. Während der Absatz etwa in China im Februar um mehr als 80 Prozent eingebrochen sei, wurde in Korea im März nur ein Minus von 10 Prozent verbucht. «Leider hat sich auch die Schweiz zu dem Weg der kompletten Schliessungen entschieden», sagte er.

Die fehlenden Verkäufe schlugen direkt auf das Ergebnis durch. Auf Stufe EBIT resultierte ein Betriebsverlust von 327 Millionen Franken nach einem Plus von 547 Millionen im Jahr zuvor. Und am Ende der Erfolgsrechnung blieb ein Reinverlust von 308 Millionen nach einem Gewinn von 415 Millionen.

Kurzarbeit in der Produktion

Als Reaktion hat Swatch die Produktion von Uhren, Schmuck und Komponenten auf ein Minimum reduziert und für einen bedeutenden Teil des Personalbestandes wurde Kurzarbeit beantragt. Derzeit würden sich rund 6’000 Mitarbeitende in Kurzarbeit befinden. An staatlichen Mitteln für dieses Instrument habe Swatch bisher rund 170 Millionen Franken in Anspruch genommen, davon rund 150 Millionen in der Schweiz, wie es weiter hiess. Entlassungen in der Schweizer Produktion seien keine geplant, sagte ein Sprecher.

Hayek erwartet eine Normalisierung in der Produktion im Verlauf des zweiten Halbjahres. «Wir rechnen damit, dass wir die Kurzarbeit im dritten Quartal beenden können und wieder die volle Kapazität erreichen. Das wird in einigen Bereichen schneller gehen als in anderen.»

Kostensenkungen und Ladenschliessungen

Auch die Kosten bei Einkauf, Produktion, Marketing und Mieten wurden deutlich gesenkt. Forschung und Entwicklung sowie Ausbildung seien hingegen unverändert weitergeführt worden. Die bereits im Vorjahr gestartete Straffung des Retail-Netzes wurde beschleunigt.

Im ersten Halbjahr wurden rund 260 Geschäfte definitiv geschlossen und die Zahl der Mitarbeiter im Ausland reduziert. Von Ende 2019 bis Ende Juni verringerte sich der Personalbestand um 6,5 Prozent auf rund 33’700 Personen. Neben Hongkong, wo die politisch unsichere Lage einen grossen Einfluss habe, wurden vor allem auch in den USA Läden geschlossen. Hier verwies Hayek auf die 2021 auslaufende Kooperation mit Calvin Klein als Grund.

Der Umsatzeinbruch und der Betriebsverlust waren von den Analysten erwartet worden, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt. Die erwartete starke Erholung und der positive Ausblick stützen den Aktienkurs und Swatch verlieren am Dienstagmittag mit -0,4 Prozent auf 194,60 Franken weniger stark als der Gesamtmarkt.

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