Andreas Widmer ist stellvertretender Chefarzt der Abteilung Infektiologie und Spitalhygiene am Universitätsspital Basel. (Archivbild: Keystone)
Basel

Basler Infektiologe warnt – Corona gefährdet auch die nächste Fasnacht

Andreas Widmers Prognosen für die Zukunft mit Corona sind alles andere als rosig. Die Durchführung der Fasnacht 2021 sei nicht sicher, so der Virologe.

Die «Basler Zeitung» hat mit Andreas Widmer, dem stellvertretenden Chefarzt der Abteilung Infektiologie und Spitalhygiene am Universitätsspital Basel über die aktuelle Corona-Situation gesprochen. Seine Prognosen sind düster.

Zur Maskenpflicht

«Sie kommt eindeutig zu spät», sagt Andreas Widmer. Natürlich sei die Maske kein Allheilmittel, aber: «Bis wir einen Impfstoff haben, hilft die Maske, die kumulative Menge zu reduzieren». Er plädiert dafür, dass in allen geschlossenen Räumen eine Maskenpflicht eingeführt wird. Und er geht davon aus, dass die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr «bis Weihnachten oder länger» gelten wird.

Zu Grenzschliessungen

Andreas Widmer befürwortet Grenzschliessungen grundsätzlich: «Die Situation ist vergleichbar mit einem See: Damit der Wasserspiegel stabil bleibt, also die Covid-19-Fallzahlen nicht steigen, muss man entweder den Zufluss oder den Abfluss regeln, sonst kommt es zu Überschwemmungen».

Auch innerhalb der Schweiz könne das sinnvoll sein: «Es macht durchaus Sinn, Hotspots abzuriegeln, um einen weiteren landesweiten Lockdown, der verheerende sozioökonomische Folgen hätte, zu verhindern. Das können einzelne Gemeinden, aber auch ganze Kantone sein».

Zur aktuellen Situation

Andreas Widmer: «Man geht davon aus, dass ein Stillstand der Pandemie erst erreicht ist, wenn 70 Prozent der Bevölkerung eine Infektion mit Covid-19 überstanden haben und immun sind. In der Nordwestschweiz liegt die Zahl der Seropositiven wahrscheinlich bei rund vier Prozent – Wir sind noch noch lange nicht über den Berg».

Der Virologe betont: «Es hängt fast ausschliesslich vom Verhalten der Bevölkerung ab, in welche Richtung die Schweiz mit Covid-19 steuern wird».

Die Lage am Unispital sei aber zur Zeit sehr ruhig, niemand müsse auf der Intensivstation behandelt werden.

Zur zweiten Welle

Anhand der aktuell steigenden Fallzahlen in der Schweiz von einer zweiten Welle zu sprechen, sei völlig übertrieben, sagt der Virologe. Es komme aber zu einer zweiten Welle. Allerdings: «Diese wird aber wie bei der Spanischen Grippe vor 100 Jahren kommen – voraussichtlich im Spätherbst oder Winter».

Die Erfahrung aus stark betroffenen Regionen zeige, dass die Temperaturen vor dem Ausbruch auf dem Niveau lagen, wie das in der Schweiz im November und Dezember der Fall sei. Die zweite Welle werde vermutlich heftiger ausfallen, dafür sei man nun auch besser vorbereitet: «Man kann auf Knopfdruck alles wieder hochfahren. Mit Remdesivir ist zudem ein Medikament auf dem Markt, mit dem Corona-Patienten behandelt werden können. Es bleibt nur zu hoffen, dass Donald Trump bis dahin nicht alle Bestände für die USA aufgekauft hat».

Zur Fasnacht

Ganz so sicher wie das Fasnachts-Comité ist sich Widmer betreffend Durchführung der Fasnacht 2021 nicht: «Ich habe leider keine Kristallkugel, um die Zukunft voraussagen zu können. Aber wenn die zweite Welle zusammen mit der Grippe kommt, dann ist eine Absage sehr wahrscheinlich. In einem solchen Fall käme auch das Schweizer Gesundheitssystem an seine Grenzen. Im Durchschnitt können Spitäler auf ihren Intensivstationen zwischen 40 und 80 Patienten aufnehmen. Das könnte sehr knapp werden, wenn man bedenkt, dass bei der starken Grippewelle vor drei Jahren am Universitätsspital Basel an einem Tag bis zu 64 Patienten stationär behandelt wurden», sagt er. Eine doppelte Belastung durch die Grippe und Covid-19 könne das Gesundheitssystem kaum bewältigen.

Zur Leistung des Baselbiets während der Krise

Der Landkanton sei aus seiner Sicht schlechter vorbereitet gewesen, als der Kanton Basel-Stadt, sagt Andreas Widmer. Das zahlenmässige Verhältnis von Patienten und medizinischem Personal war schlechter als im Stadtkanton.

Es habe ausserdem weniger Masken gegeben und auf der Intensivstation mussten die Angestellten Zwölfstunden-Schichten einlegen. Und: viele Menschen aus dem Baselbiet seien in Basel getestet worden.

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