Der rasche Klimawandel soll doch nicht für das Aussterben der Neandertaler verantwortlich sein. (Bild: Keystone)
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Neandertalern wurde in Süditalien nicht zu kalt

Klimaschwankungen galten bisher als Grund für das Verschwinden der Neandertaler. Ein Forscherteam schliesst dies nun als Ursache aus.

Rund 3000 Jahre lang lebten Neandertaler und moderne Menschen in Südeuropa zusammen, ehe erstere vor rund 42’000 Jahre verschwanden. Klimaschwankungen galten bisher als möglicher Grund dafür. Im Fachjournal «Nature Ecology & Evolution» schliesst ein Forscherteam die Klimaschwankungen als Ursache nun aus.

Unter der Fülle von Hypothesen zum Aussterben der Neandertaler wird der rasche Klimawandel während des Übergangs vom Mittel- zum Jungpaläolithikum als einer der wichtigsten Faktoren angesehen. Das schreiben die Wissenschaftler um den Geologen Andrea Columbu von der Universität Bologna in der Studie.

So zeigten etwa vor zwei Jahren deutsche Forscher anhand von Stalagmiten aus zwei rumänischen Höhlen, dass es vor etwa 44’000 und vor 40’000 Jahren extreme Kälteperioden gab und diese mit Zeiträumen zusammenfallen, aus denen keine Neandertaler-Nachweise bekannt sind. Sie schlossen daraus, dass während der Kälteperioden – die stets auch mit grosser Trockenheit einhergingen – die Neandertaler-Population erheblich zurückging.

Tropfsteine als Klimaarchive

Für einen grossen Lebensraum der Neandertaler, die Region Apulien in Süditalien, konnten die neuen Erkenntnisse diese Hypothese nicht bestätigen: «Dort herrschten im Übergang vom Mittel- zum Jungpaläolithikum stabile Klima- und Umweltbedingungen», erklärte Christoph Spötl vom Institut für Geologie der Universität Innsbruck. Das fanden die Forscher mit Hilfe eines etwa 70 Zentimeter langen Stalagmiten heraus, den Andrea Columbu in der Höhle Pozzo Cucu südöstlich von Bari gefunden hat.

Tropfsteine können als Klimaarchiv genutzt werden. Die Stalaktiten und Stalagmiten wachsen über Tausende Jahre in Höhlen, schliessen dabei verschiedene Elemente wie Kohlenstoff, Sauerstoff oder Uran ein und zeichnen somit die Klima- und Umweltbedingungen sowie deren Veränderungen auf. Mithilfe geochemischer Untersuchungen können die Wissenschaftler diese Informationen auslesen.

Klima spielte wohl nicht Schlüsselrolle

Der von Columbu entdeckte Tropfstein wurde vor 106’000 bis 27’000 Jahren abgelagert, ein überaus langer Zeitraum. «Mir ist in Europa kein anderes Beispiel bekannt, in dem ein Tropfstein über so einen langen Zeitraum durchgehend gewachsen ist», erklärte Spötl. Der Stalagmit lieferte robuste Klimadaten für diese für die Menschheitsgeschichte interessante Phase.

Während der ersten 50’000 Jahre des Stalagmiten-Wachstums gab es demnach grosse Klimaschwankungen. Die Daten für den jüngeren Abschnitt des Tropfsteins zeigten aber ein anderes Bild: «Apulien war im Übergang vom Mittel- zum Jungpaläolithikum, als moderne Menschen und Neandertaler gleichzeitig dort lebten, von keinen starken Klimaschwankungen betroffen.

Mit anderen Worten: Das Klima spielte in dieser Region keine Schlüsselrolle für das Aussterben der Neandertaler, hier müssen andere Faktoren als Ursache gefunden werden», so Christoph Spötl.

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