(Symbolbild: Keystone)
Baselland

Nach Fake-Gesuch wurde IV-Rente gestrichen

Aufgrund eines gefälschten Briefs an die Sozialversicherungsanstalt Basel-Landschaft wurde einer Bezügerin die IV-Rente gestrichen.

Seit einem schweren und unverschuldeten Autounfall im Jahr 1995 bezieht Pia Clavadetscher eine volle Invalidenrente. Dies hat nun aufgrund eines gefälschten Schreibens an die Sozialversicherungsanstalt (SVA) Basel-Landschaft ein Ende. In dem Brief an die IV-Stelle wurde in Ich-Form erklärt, dass die Bezügerin sich «sehr positiv entwickelt» habe, schreibt die «bzBasel». Die Stelle beurteilte den Brief mit gefälschter Unterschrift als echt und arrangierte eine Neubeurteilung.

Obwohl sich Clavadetscher per Einschreiben gegen den Brief wehrte, den die SVA als «Gesuch» interpretierte, wurde sie neu beurteilt. Das Ergebnis: Frau Clavadetscher soll wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt einsteigen. Mit einem 80-Prozent-Pensum. Dies könnte sich als sehr schwer gestalten für die 59-Jährige, die 25 Jahre lang eine IV-Rente bezog. Ausserdem leide sie immer noch an Kopf- und Nackenschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten und weiteren Symptomen, erklärt sie der «Schweiz am Wochenende». Manchmal komme es gar zu Lähmungserscheinungen, wie ihr Mann mit einem Video belegt.

Gutachten stützte sich auf falschen Brief

Die Familie bleibt von Schicksalsschlägen nicht verschont. Ihr Haus in Pratteln wurde 2016 vom Talbach überschwemmt, heisst es weiter. Sie verkauften das Haus und leisteten sich vom Erlös ein Wohnmobil. Damit fuhr die Familie im März 2019 nach Spanien, die Wärme sei erholsam für Pia Clavadetscher. Doch eben genau das Reisen habe nun wohl jemanden dazu bewogen, der SVA mitzuteilen, dass es ihr nun wieder gut ginge. In dem Brief stehe sogar deutlich: «Ich bin mir bewusst, dass mein Anspruch auf eine weiterführende IV-Rente somit erlischt.» Die Rente wurde im Juli letzten Jahres abgesprochen, schreibt die «bz». Dies nach einem Gutachten des Universitätsspitals Basel, welches sowohl den Brief wie auch die Reise als Anhaltspunkte nahmen. Durch den Brief erfuhr Clavadetscher per Zufall bei einer Untersuchung im Spital.

Die SVA Baselland erhalte häufig solche Schreiben, diese entsprächen der normalen Meldepflicht von Rentenbezügerinnen und -bezügern. Es habe somit «keinerlei Grund» gegeben, das Schreiben als verdächtig einzustufen, zitiert die «bz».

Druck wurde zu gross

Im Februar 2020 tritt Clavadetscher aus der IV aus. Der Druck sei zu gross geworden. Auch einen Rekurs wolle die Familie nicht einlegen, die Prozesskosten könnten die restliche Summe der Rente übersteigen. Die Familie, die nun von ihrem Ersparten lebe, habe eine Anzeige wegen Urkundenfälschung und Verleumdung eingereicht. Die Erfolgschancen wurden von einem Anwalt aber als beinahe aussichtslos bewertet. Die IV vernichtet alle Briefe, die sie erhält, nach dem einscannen. Die gefälschte Unterschrift sei eigentlich auf den ersten Blick erkennbar gewesen, heisst es im Artikel der «bz». Da die Neubegutachtung sowieso eine Verbesserung von Clavadetschers Zustand belegte, würde dies auch gar keine Rolle spielen.

Verzweifelt wandte sich die Familie auch an Bundesrat Alain Berset und das Bundesamt für Sozialversicherungen, aber auch dort fanden sie keine Hilfe. Nun warten sie auf die Auszahlungen der AHV.

0 Kommentare

  1. Die Aussage der SVA-BL, dass Zitat „Die SVA Baselland erhalte häufig solche Schreiben, diese entsprächen der normalen Meldepflicht von Rentenbezügerinnen und -bezügern. Es habe somit «keinerlei Grund» gegeben, das Schreiben als verdächtig einzustufen.“ entspricht nicht den Tatsachen.

    Der stellvertretende Leiter teilte mir, Andreas Clavadetscher, am 09.07.2020, also am Tag an dem die Untersuchung im asim statt fand und meine Frau Kenntnis (durch ein Versehen der asim) vom ominösen Schreiben erhielt, am Telefon mit, dass diese Form auch für die SVA-BL erher aussergewönlich ist – warum also nicht bei der Wahrheit bleiben???? In diesem Sinne, wehrt Euch wo es geht, setzt diesen Menschen unwürdigen Spielen ein Ende, denn IV-Bezüger lifes matter… (auch!!!)Report

  2. Beim IV, wo tausenden Dokumente vorweisen muss überhaupt zu erhalten, wird ein Brief als Absage oder Rücktritt nach etliche Jahren bezogene Lebensunterhalt einfach und ohne Nachfrage bzw. Persönliche Gespräch akzeptiert? Seltsam.Report

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