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Der Telebasel News-Beitrag vom 5. Juli 2020.
Baselland

Kein Salzabbau in der Rütihard: Gemeinde Pratteln ist besorgt

Die Schweizer Salinen legen ihre umstrittenen Pläne für die Salzförderung in der Rütihard in Muttenz auf Eis. 150 Stellen könnten gestrichen werden.

Das den Schweizer Kantonen und Liechtenstein gehörende Unternehmen Schweizer Salinen gab diesen Entscheid am Dienstag bekannt. Als Grund wurden in einem Communiqué regionalpolitische Unsicherheiten und Verzögerungen bei der Planung für das neue Fördergebiet genannt. Für dieses waren 2019 erste Sondierbohrungen durchgeführt worden.

Gegen das Vorhaben wehrt sich namentlich die Interessengemeinschaft «Rettet die Rütihard», die von der Fondation Franz Weber unterstützt wird. Die Gegner befürchten, dass ein Salzabbau von bis zu 50 Jahren in diesem Landschaftsschutzgebiet irreparable Schäden anrichtet und ein einzigartiges stadtnahes Erholungsgebiet verschandelt. Zudem verweisen die Gegner auf geologische Risiken.

Aufgrund der intensiven öffentlichen Diskussionen über den Salzabbau in der Rütihard hatten der Bürgerrat und der Gemeinderat von Muttenz zudem ein Dialogverfahren lanciert. Ihrer Ansicht nach lagen über das Vorhaben nicht genügend Informationen vor für eine sorgfältige Meinungsbildung.

Auch Importe eine Option

Inzwischen ist den Schweizer Salinen das unternehmerische Risiko für das Rütihard-Projekt zu gross geworden. Der Verwaltungsrat beauftragte daher die Geschäftsleitung aufzuzeigen, wie die Versorgungssicherheit der Schweiz ohne das bisher eingeplante Rütihard-Salz sichergestellt werden kann.

Geprüft werden in den nächsten Monaten verschiedene Szenarien innerhalb und ausserhalb der bestehenden Konzessionsgebiete, wie aus der Mitteilung hervorgeht. In Erwägung gezogen wird auch der Import von Salz. Allerdings sei die Versorgung der Schweiz mit Salz aus heimischer Produktion ökologisch und ökonomisch nachweislich besser, halten die Schweizer Salinen fest.

Nach 20 Jahren allenfalls wieder ein Thema

Deshalb strebt das Unternehmen auch eine Verlängerung der auslaufenden Konzessionsverträge mit den Kantonen Baselland und Aargau an. Die bisherigen Vereinbarungen laufen 2025 aus.

Nach Ansicht des Baselbieter Finanzdirektors Anton Lauber soll die Rütihard im Konzessionsgebiet verbleiben. Frühestens in 20 Jahren solle die kommende Generation die Möglichkeit haben, Vorzüge und Nachteile regionaler Salzgewinnung und -produktion unter neuen Vorzeichen zu beurteilen, hält Anton Lauber im Communiqué fest.

Gemeinde Pratteln besorgt über Sistierung

Die Schweizer Salinen produzieren jährlich bis zu 600’000 Tonnen Salz. An seinen Standorten Riburg, Schweizerhalle und Bex beschäftigt das Unternehmen 200 Mitarbeitende. Kann das Gebiet bei der Rütihard nicht bewirtschaftet werden, gibt es hier in zirka fünf Jahren kein Salz mehr.

Das bedeutet, dass der Standort bei der Schweizerhalle wackelt. Dem Pratteler Gemeindepräsident wird bei diesem Gedanken ganz unwohl. Er sieht das Industrieareal in Pratteln bedroht. «Wir haben einerseits substanzielle Steuereinnahmen von den Salinen hier in Pratteln. Die würden wegfallen. Der andere Aspekt – auch noch sehr wichtig: Die Arbeitsplätze direkt, die allenfalls in Frage gestellt werden. Das sind 150 vor Ort», so Stephan Burgunder.

Ohne Rütihard, könnte Wegzug Realität werden

Ein Wegzug ist ein Szenario, das in den nächsten Jahren zur Realität werden könnte. «Ohne die Sole unter der Rütihard ist die Versorgung der Salinen Schweizerhalle mit Sole nicht gewährleistet. Damit ist die Produktion mittelfristig in Frage gestellt. Kurzfristig heisst das, wird sich bei uns aber nichts ändern», so Urs Hofmeier, Geschäftsführer Schweizer Salinen zu Telebasel.

Kurzfristig wäre zumindest bis 2025. Um die 4,5 Millionen Tonnen Salz von der Rütihard zu kompensieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine wäre, dass bei schon bestehenden Bohrfeldern die Produktion ausgebaut wird. Eine andere: die Erschliessung von neuen Gebieten im Konzessionsgebiet oder ausserhalb. In Pratteln hofft man natürlich auf die erste Lösung.

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