Vor einer Woche hatten die Lufthansa-Aktionäre auf einer ausserordentlichen Generalversammlung einer 20-prozentigen Kapitalbeteiligung der Bundesrepublik zugestimmt. (Bild: Keystone)
Schweiz

Swiss hat noch kein Geld aus der Nothilfe des Bundes erhalten

Eine Woche nach dem Zustandekommen des Rettungspakets für die Swiss-Konzernmutter Lufthansa ist noch keine Staatshilfe für die Schweizer Airline geflossen.

«Die Details der Ausarbeitung dieses Pakets stehen noch aus, ebenso die Unterschrift des Vertrages», sagte Swiss Kommerzchef Tamur Goudarzi Pour in einem Interview.

Es sei bisher noch kein Geld geflossen, sagte der Kadermann in dem Interview mit dem Branchenportal «Travelnews» vom Donnerstag. Dennoch gebe das Rettungspaket der Swiss Sicherheit, die Liquidität sei gesichert.

Vor einer Woche hatten die Lufthansa-Aktionäre auf einer ausserordentlichen Generalversammlung einer 20-prozentigen Kapitalbeteiligung der Bundesrepublik zugestimmt. Das damit verbundene Hilfspaket über 9 Milliarden Euro kann nun umgesetzt werden.

Dadurch wurde auch der Weg frei für die Schweizer Staatshilfe in Höhe von 1,275 Milliarden Franken, mit der sich die Swiss und ihre Schwesterfluggesellschaft Edelweiss 1,5 Milliarden Franken an Krediten von den Banken besorgen können. Der Bund haftet damit für 85 Prozent der Kredite.

Rückerstattung von Tickets

Die Swiss wolle nun weiter vorankommen mit der Rückerstattung von Tickets für Flüge, die wegen der Coronapandemie ausgefallen seien, sagte Goudarzi Pour. Hier steht die Swiss im Feuer der Kritik von Kunden und Reisebüros, die auf ihr Geld warten.

Die Airline könne die Flugtickets aufgrund der sehr hohen Nachfrage nicht innerhalb der üblichen Fristen erstatten. «Ich möchte mich noch mal ausdrücklich dafür entschuldigen. Wir halten uns an das geltende Recht und haben bis anhin einen dreistelligen Millionenbetrag ausbezahlt, mittlerweile wöchentlich Tickets im Wert von mehreren Millionen Schweizer Franken», sagte Goudarzi Pour.

Mehr als 100 Mio Fr. geschuldet

«Unser Ziel ist es, in den nächsten sechs Wochen die Ansprüche jener Kunden, die am längsten warten, weitgehend abzuarbeiten. Wir halten uns selbstverständlich auch an die Auflagen des Bundes, den Reiseveranstaltern im Rahmen des Pauschalreisegesetzes bis spätestens Ende September die durch Covid entstandenen Forderungen zu erstatten.»

Hotelplan Gruppenchef Thomas Stirnimann pocht auf eine schnellere Erstattung: «Ich erwarte erste Rückzahlungen sobald die erste Tranche der Bankkredite fliesst, nicht erst im September», hatte er Ende Mai gesagt.

Goudarzi Pour sagte nun: «Wir versuchen, dies möglichst schnell zu tun. Die neueren Erstattungsanträge aller Kunden werden innerhalb von zwei bis drei Monaten rollierend bearbeitet und die Wartezeiten sukzessive weiter verkürzt.»

Einen Zeitungsbericht über offene Beträge von 800 Millionen Franken dementierte der Swiss-Manager: «Diese Zahl stimmt nicht. Wir gehen davon aus, dass alle aufgelaufenen und noch entstehenden Rückerstattungsforderungen in Summe einen niedrigen, dreistelligen Millionenbetrag ausmachen. Es ist auch nicht zutreffend, dass wir den Reisebüros noch mehrere hundert Millionen Franken schulden. Der jetzt noch offene Betrag ist ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag.»

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