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Manuel Battegay ist Chefarzt des Unispitals Basel in den Bereichen Infektiologie und Spitalhygiene. (Bild: zVG/Telebasel)
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Corona-Gefahr: Sind wir über dem Berg, Herr Battegay?

Wir haben es gut! Seit einem Monat sind die Ansteckungszahlen konstant tief. Der Bundesrat hat die Regeln massiv gelockert. Sind wir deshalb über dem Berg?

Antwort: nein! Israel verzeichnete im Mai teilweise tiefere Ansteckungszahlen als wir in der Schweiz aktuell: manchmal nur fünf Neuinfizierte pro Tag. Erreicht wurde dieser tiefe Wert mit Hilfe strenger Ausgangsbeschränkungen und geschlossener Grenzen. In der vergangenen Woche aber registrierten die Behörden plötzlich wieder 300 Fälle täglich. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu forderte die Bevölkerung auf, «ihr Verhalten zu ändern». Wenn nicht, müsse das Land zurück in den Lockdown, berichtete das Magazin «Spiegel».

Öffnungen im Eiltempo

Nach den tiefen Werten habe sich das Land im «Eiltempo» geöffnet. Schon bald sei von Corona nichts mehr zu spüren gewesen. «Die Menschen hatten das Gefühl: Es ist vorbei», sagt Prof. Cyrille Cohen, Vizedekan der Fakultät für Biowissenschaften der Bar-Ilan-Universität bei Tel Aviv. «Sie vergassen, dass sie das Virus ja immer noch weitergeben können».

Kommt uns diese Geschichte nicht bekannt vor? Der oberflächliche Augenschein in Basel zeigt dichte Menschenansammlungen wie zu Zeiten vor Corona.

Die Zahlen steigen wieder an

Auch in der Schweiz hat der Bundesrat nach und nach Lockerungen beschlossen. Zuletzt fiel sogar die Abstandsregel von zwei Metern. Nötig seien nur noch 150 Zentimeter. Einzig grosse Veranstaltungen über 1’000 Menschen sind noch verboten. Eine Maskenpflicht – wie etwa in Israel? Nur im Coiffeur-Salon oder in der Physiotherapie.

Im Gewühl der Medienartikel zu den Lockerungen ging eine Meldung beinahe unter: Dass die Fallzahlen wieder steigen. Anfangs Juni stieg die Reproduktionszahl erstmals nach zwei Monaten wieder über 1. Grösser als 1 heisst: Jede infizierte Person steckt mehr als eine weitere an.

Zu schnelle Lockerungen?

Bereits äusserten Wissenschaftler und Fachleute Bedenken: Die Schweiz sei nicht bereit für die jüngsten Lockerungen der Corona-Regeln. Das sagte Matthias Egger, Chef der wissenschaftlichen Einsatzgruppe des Bundes zu drei  Sonntagszeitungen der Deutschschweiz.

Beunruhigend wirken auch die Meldungen von Schulkindern, die sich in Basel und in Baselbieter Gemeinden angesteckt haben. Und: Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldete anfangs Woche den weltweit höchsten Infektions-Anstieg innerhalb von 24 Stunden.

Im Talk wird der prominente Virologe Manuel Battegay eine Einschätzung der Lage vornehmen: am Donnerstag, 25. Juni 2020, ab 18:45 Uhr.

0 Kommentare

  1. Es wird jeden Tag irgendwo Talkshows mit Experten zu sehen, schön brav in Abstand, ohne Masken, Pro und Kontra. Dabei versucht man irgendwie die zu frühe Lockerungen zu verteidigen. Schnell, die verpassten nachzuholen, was die Lockdown unmöglich machte, Industrie , Restaurants und das ganze Leben wieder hochzufahren als wäre kein Morgen. Reisen, Party, Football Badis…. Und das auch noch ohne Maskenpficht. Die Menschen lernen nie dazu. DIese Virus ist keine Grippe, die nach drei Monate vorüber ist, und wütet noch in den ganzen Welt. Man muss nicht schön reden.Report

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