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Balthasar Glättli zu seiner Wahl als Grünen-Präsident. (Video: Keystone-SDA)
Schweiz

Glättli neuer Parteipräsident der Grünen

Die Grünen haben einen neuen Parteipräsidenten: Balthasar Glättli wurde an einer digitalen Delegiertenversammlung zur neuen Spitze gewählt.

Mit dem Zürcher Nationalrat Balthasar Glättli haben die Grünen am Samstag als erste Partei ihren Parteipräsidenten live im Internet gewählt. Dies passt zu Glättli, der selber während Jahren im IT-Bereich gearbeitet hat und sich für den Schutz der Bürgerrechte im Netz einsetzt.

Der 48-jährige Glättli hatte nach dem Abbruch seines Studiums eine eigene Internet-Beratungsfirma gegründet. Für Aufsehen sorgte er, als er 2014 für eine Visualisierung der Vorratsdatenspeicherung in der Schweiz seine Metadaten aus sechs Monaten Überwachung zur Verfügung stellte.

Glättli war auch der erste Politiker, der nach der Aufdeckung der Geheimdienst-Affäre um die Zuger Crypto öffentlich eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) forderte. Gewarnt hat Glättli zudem vor den möglichen negativen Folgen für die Demokratie durch das E-Voting.

Ein anderes Thema Glättlis ist der Umweltschutz, konkret die Sorge um das Klima. So ist etwa die Einführung einer Flugticketabgabe für ihn ein zentraler Punkt im neuen CO2-Gesetz gewesen: Tief im Portemonnaie wehtun soll sie den Vielfliegern, wie Glättli im Vorfeld der Nationalratsdebatte sagte.

Schon als Jugendlicher politisch aktiv

Politisches Handeln habe schon immer sein Leben geprägt, heisst es im Porträt auf seiner Homepage. Bereits in der Kantonsschule war er politisch aktiv und in seiner Gemeinde gründete er als Jugendlicher den Verein «wum – welt umwelt mitwelt», später in den 90-er Jahren die Junge Grüne Alternative als Vorreiterin der Jungen Grünen oder als Sprecher der Initiativgruppe «Zaf! Züri autofrei».

Glättli studierte Philosophie und Germanistik und arbeitete danach je sieben Jahre im IT-Bereich und als Geschäftsführer der migrationspolitischen Organisation Solidarité sans frontières. Zudem engagierte er sich seit Jahren für den Mieterinnen- und Mieterverband, derzeit als dessen Präsident.

Seine politische Karriere begann er als Mitglied im Stadtzürcher Gemeindeparlament. Er wurde dort als jüngstes Mitglied gewählt und war später jahrelang Fraktionspräsident der Grünen/Alternativen Liste. Er engagierte sich auch gewerkschaftlich.

Nach seiner Wahl in den Nationalrat 2011 nahm er in der Staatspolitischen Kommission Einsitz und engagierte sich stark in der Asyl- und Ausländerpolitik. Er profilierte sich im Parlament insbesondere in der Netzpolitik. So forderte er als erster nationaler Politiker die Festschreibung der Netzneutralität.

Ende 2013 wählte ihn die Grüne Fraktion der Bundesversammlung zu ihrem Präsidenten. Ein Amt, das Ende Mai nach dem Rücktritt Glättlis der Berner Nationalrätin Aline Trede übertragen wurde.

(Bild: Keystone-SDA)

Ehefrau machte ihm Platz

Dass er als Mann für die Nachfolge der Bernerin Regula Rytz für das Parteipräsidium kandidierte, umschiffte er zusammen mit seiner Frau elegant. Ehefrau Min Li Marti, die für die SP im Nationalrat sitzt und dort ebenfalls als Parteipräsidentin gehandelt wurde, nahm sich selber aus dem Rennen und ebnete ihm damit den Weg: «Die Chancen sind intakt, dass mein Mann Balthasar Glättli demnächst Präsident der Grünen wird», hatte sie den Verzicht auf eine eigene Kandidatur für das SP-Präsidium unter anderem begründet.

Als ehrenamtlicher Co-Wahlkampfhelfer der Grünen hat Glättli den historischen Erfolg der Partei bei den letzten Wahlen mitgeprägt. Und so sieht er auch den Anspruch seiner Partei auf einen Sitz in der Landesregierung nach wie vor intakt: «Wenn wir frei entscheiden könnten, würden wir den Sitz schon morgen nehmen», sagte Glättli nach dem Wahlerfolg in einem Interview. «Aber es sind die anderen Parteien, die uns den Zutritt zur inneren Kammer der Macht geben müssen.»

Geboren wurde Glättli 1972 als erster Sohn eines Lehrers und einer Lehrerin. Er kam zwei Jahre vor seinem Bruder Kaspar, der heute als Cellist in Österreich lebt, zur Welt. Die Familie lebte damals in Wolfhausen im Zürcher Oberland. Ein prägendes Erlebnis war eine Leukämiekrankheit im Kindesalter. «Das Geschenk eines zweiten Lebens bringt ihm das Gefühl, eine Verpflichtung zu haben», wurde seine Ehefrau Min Li Marti kürzlich in der «NZZ am Sonntag» zitiert. Mit ihr und der gemeinsamen zweijährigen Tochter lebt er seit vergangenem Jahr in einer Eigentumswohnung in Zürich-West.

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