Die Fans aus der Muttenzerkurve sind nicht zufrieden mit der FCB-Führung. (Bild: Keystone)
Basel

«Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen»

Die Treuesten der treuesten Fans fordern die FCB-Führung öffentlich zum Rücktritt auf. Die ganze Sache grenzt an Zynismus.

Der Geduldsfaden der Muttenzerkurve ist gerissen. Die Treuesten der treuen Fans des FC Basel fordern in einem offenen Brief den Rücktritt der gesamten FCB-Führung um und mit Präsident Bernhard Burgener. Sie liefern damit das nächste, aber nicht abschliessende Kapitel, rund um das Theater beim FCB.

Die Muttenzerkurve sitzt im Glashaus

Das Problem: Der Fokus der Fans verschiebt sich urplötzlich vom Sportlichen ins Politische. Man spricht von Tiefschlägen. Mangelndem Vertrauen. Von Teufelskreisen und mehr Transparenz. Vermeidung von Chaos. Man verneint persönliche Abrechnungen und «fordert» gleichzeitig Rücktritte. Sogar Mitspracherecht beim Übergang zu einer neuen Führung. Die Fans überschreiten damit eine klare Grenze: Es lässt sich kaum in Worte fassen, wie zynisch das Bild ist, das dadurch gezeichnet wird.

Transparenz? Vertrauen? Keines dieser Kriterien erfüllen die Fans selbst. Chaos? Teufelskreis? Tiefschläge? Auch diese Begriffe sind auf die Muttenzerkurve selber anwendbar. Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. So plump und abgedroschen der Satz klingt. Er passt leider perfekt. So gross und peinlich die Liste der Verfehlungen der aktuellen FCB-Führung effektiv ist. So lang ist auch die Liste an Verfehlungen, die auf das Konto der Fans geht.

Forderungen sind anmassend

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bewundere die Muttenzerkurve seit eh und je für ihre Treue. Ihre Kreativität. Ihre Sturheit. Ihre Hingabe. Ihre Liebe für Rotblau. Das Joggeli ohne Muttenzerkurve hat genauso wenig mit Fussball zu tun, wie die Geisterspiele, die wir allesamt in den kommenden Wochen und Monaten über uns ergehen lassen müssen.

Natürlich sind die Fans aus der Muttenzerkurve beunruhigt aufgrund der Geschehnisse und Versäumnisse. Natürlich ist ihre Meinung in der rotblauen Welt wichtig. Natürlich wollen sie gehört werden. Aber sie können und dürfen nicht entscheidend sein. Sie dürfen druckvoll, aber nicht anmassend sein.

Die Forderung nach Rücktritten und Mitspracherecht ist aber genau das: anmassend. In anderen, also meinen, Worten: die Forderungen aus der Muttenzerkurve sind jenseits von Gut und Böse und hoffentlich nur ein böser Ausrutscher. Ihrem Kredo «Erfolg ist nicht alles im Leben» werden die Fans auf die Weise jedenfalls nicht mehr gerecht.

Fakt ist: Am Ende drehen die Fans ihrem Verein im verwundbarsten und kritischsten Moment den Rücken zu. Genau dann, wenn man die Unterstützung der Fans eigentlich am meisten bräuchte – nicht nur moralisch, sondern auch finanziell. Am Ende darf jeder seine Meinung haben. Der FCB ist mehr als nur Fussball in Basel. Forderungen zu stellen, ist aber eine ganz andere Geschichte.

Diese ganze Eskapade wird ihre Spuren hinterlassen. Der Graben zwischen den Sektoren D und A im Stadion wird noch tiefer. Die Muttenzerkurve, die das Theater rund um Rotblau beenden wollte, hat nun selber eine Statisten-Rolle darin übernommen. 

0 Kommentare

  1. Danke Neil McKay, sie sprechen mir und auch vielen langjährigen FCB-Fans aus dem Herzen.
    Es muss mittelfristig eine Basler Lösung gefunden werden. Burgener wie auch Heri und der Verwaltungsrat können nicht mehr Teil der Lösung sein.Report

  2. Da kann sich der Journalist natürlich gut fühlen und auf den Pöbel herunterspucken der da ist die Muttenzerkurve.
    Gratuliere Herr Stoeckli sie stehen natürlich über dem gemeinem Fcb Fan aus Sektor D. Was sie nicht verstehen so scheint es mir, geht es der Muttenzerkurve nicht um die fehlenden Erfolge sondern um die fehlende Transparenz, Die Blindheit der Führung besonders des Präsidenten. Herr Burgener führt diesen Verein wie eine Aktiengesellschaft und nicht wie einen Fußballclub. Und wer jetzt kommt und sagt ohne Wirtschaft gehts nicht im Modernen Fußball: Bei Burgeners Vorgängern gab es nie ein solches Defizit. Unnötige Investitionen im Esport Bereich oder in Indien gehören ebenso zum Problem, der Fcb ist keine Weltmarke und sollte deshalb nicht in diese Sachen Investieren als diese Themen aktuell waren suchte die Muttenzerkurve das Gespräch weil es gegen die Club Philosophie geht, trotzdem stand man da noch hinter der Führung doch irgendwann ist Schluss.
    Aber los los Spucken sie weiter auf den Pöbel aber Viel Spaß wenn die Muttenzerkurve dann keine Stimmung mehr macht dann reklamiert Ihr auch wieder.Report

  3. Lieber Herr Stoecklin
    So wie Sie im Grundsatz Recht haben mit Ihrem Kommentar, so verstehe ich die Muttenzerkurve bis zu einem gewissen Grad. Es sind bei Weitem nicht nur die MK’ler die solche Gedanken hegen, Wie schon Erni Maissen sagte: Man kann jedoch nicht nur Änderungen / Rücktritte fordern, ohne selbst eine Lösung in der Hand zu haben. Kommt ein Investor wie der Dosenfabrikant ist’s (begreiflicherweise) auch nicht recht. Die Führung des FCB trägt ein gerüttelt Mass an Verantwortung für solche Reaktionen (Informationspolitik, Schönrederei von Fakten etc). Die Forderung der MK kommt mir irgendwie übertrieben vor – um halt etwas zu erreichen. Unter dem Motto: Willst Du sicher einen Apfel erhalten, so verlange deren zwei, wie beim orientalischer Bazar (hoffentlich ist das nicht rassistisch)Report

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