Die Aussichten für die Wirtschaft sind düster: Die Schweiz dürfte 2020 in die schwerste Rezession seit 1975 rutschen. (Symbolbild: Keystone)
Schweiz

Trotz Corona-Lockerungen wird die Rezession heftig

Die Schweiz dürfte 2020 wegen der Folgen der Corona-Pandemie in die schwerste Rezession seit über 40 Jahren rutschen – das trotz der raschen Lockerungsschritte.

Die Prognostiker sind zwar etwas optimistischer geworden. So gehen die Ökonomen des Bundes nun davon aus, dass sich das Bruttoinlandprodukt (BIP) im laufenden Jahr nur um 6,2 Prozent statt der bisher angenommenen 6,7 Prozent zurückbilden wird. Und die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) geht nun noch von einem Rückschlag von 5,1 statt 5,5 Prozent aus.

Bei beiden Instituten lautet die Begründung für die moderate Aufwärtsrevision ähnlich: Der Lockdown sei früher und schneller beendet worden als erwartet.

Zwei Branchen überraschen positiv

Weitere Gründe für den um eine Nuance optimistischeren Ausblick sind laut Ronald Indergand, Leiter des Ressorts Konjunktur beim Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco), die Wirtschaftsentwicklung zwischen Januar und März. Diese sei nicht gar so negativ gewesen wie gedacht, insbesondere hätten die Pharma- und die Bankenbranchen deutlich gestützt.

KOF-Ökonom Ingve Abrahamsen erklärt den etwas positiveren Ausblick zudem damit, dass die Corona-Fallzahlen tief seien und es auch keine Anzeichen für eine zweite Welle gebe.

Zuletzt im 1975

Doch beide betonen, dass sich am eigentlichen Bild wenig verändert habe. Es zeichne sich nach wie vor ab, dass die Schweiz im laufenden Jahr die stärkste Rezession seit 1975 erleben werde.

Auch gehen beide Institute nicht von einer raschen Erholung aus. Das zeigen die prognostizierten Wachstumsraten für 2021, die mit +5,3 Prozent (Seco) und +4,3 Prozent (KOF) in Relation zum Einbruch von 2020 bescheiden sind.

Unterschied bei Arbeitslosigkeit

Relativ gross ist der Unterschied allerdings bei der Prognose für die Arbeitslosenquote: So geht das KOF mit 4,6 Prozent für 2021 von einem deutlich höheren Wert aus als das Seco (4,1%). Es sei davon auszugehen, dass die Zahl der Firmenkonkurse und Restrukturierungen in den kommenden Monaten zunehmen und Entlassungen nach sich ziehen werde, hiess es bei der KOF zur Begründung.

Das Institut stützt sich bei seiner Prognose unter anderem auf eine Befragung von über 3000 Unternehmen. Für gut ein Zehntel der Firmen seien die Folgen der Krise so heftig, dass sie ihre Existenz als stark oder sehr stark gefährdet ansehen würden.

Forderung an Politik

KOF-Chef Jan-Egbert Sturm fordert daher zusammen mit zwei weiteren ETH-Professoren von der Politik, dass diese ihr Unterstützungsprogramm anpasst. Der Bund habe mit seinem Covid-19-Kreditprogramm zwar schnell und effektiv auf den Wirtschaftseinbruch reagiert, doch das Programm habe einen Mangel.

So dürften die Kredite aktuell nur zur Deckung der laufenden Betriebskosten verwendet werden und nicht für Investitionen. Doch nun zeichne sich in der Schweiz eine Investitionsschwäche ab. Eine «gesunde Investitionsdynamik» sei jedoch für die Erholung der Gesamtwirtschaft wichtig, meinen die Forscher.

Deswegen schlagen sie eine Anpassung des Covid-19-Kreditprogramms vor: Alle genehmigten Kredite dürften demnach neu auch für Investitionen verwendet werden, beispielsweise für Ausrüstungen oder Forschung & Entwicklung.

Risiken bestehen weiterhin

Beim Seco werden derweil die Prognoserisiken betont. Sollte es zu einer zweiten Welle mit weitreichenden Gegenmassnahmen kommen, sei ein weitaus pessimistischeres Szenario zu befürchten, so Indergand. In einem solchen Fall sei mit einem Rückschlag von rund 7 Prozent im laufenden Jahr und einem Mini-Wachstum von unter 1 Prozent 2021 zu rechnen. Sollte ein weiterer Lockdown wie im März folgen, wäre die Entwicklung noch schlechter.

Umgekehrt sei es auch denkbar, dass sich der Konsum rascher als erwartet erhole – «wobei ich hier wegen der Unsicherheit und der zunehmenden Arbeitslosigkeit gewisse Zweifel habe», so Indergand. Auch im Ausland verlaufe die Konsumerholung bisher nur stockend. Möglich sei auch eine raschere Erholung des Exports durch eine schnellere Erholung in wichtigen Absatzländern. «Deutschland machte da zuletzt etwas Mut», so der Seco-Ökonom.

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