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Der Telebasel News-Beitrag vom 15. Juni 2020.
Basel

Sieht so die Zukunft der Landwirtschaft aus?

Nach mehreren Monaten Bauzeit ist die erste Vertical Farm auf dem Wolf-Areal produktionsbereit. Dort sollen künftig regionale Produkte wachsen.

Die Erdbevölkerung wächst. Das heisst, es müssen immer mehr Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden. Gleichzeitig gibt es dafür aber immer weniger Anbaufläche. Abhilfe soll nun eine neue Methode schaffen: Vertical Farming.

Unter diesem Begriff versteht man ein landwirtschaftliches Konzept, bei dem die Produktion in Hochhäusern oder Lagerhallen stattfindet, um so den urbanen Raum nachhaltig landwirtschaftlich nutzen zu können.

Eine solche Halle gibt es nun auf dem Wolf-Areal. Dort soll auf einer Fläche von 400 Quadratmetern Gemüse angebaut werden, dass in der Natur eine Fläche von 1’500 m2 benötigen würde. Vergangenen Herbst lancierte das Start Up Unternehmen Growcer gemeinsam mit der Migros die schweizweit erste «Robotic Vertical Farm». Das Versprechen: 90 Prozent weniger Wasserverbrauch, keine belastenden Pestizide und weniger CO2-Ausstoss. Klingt ja eigentlich unproblematisch, oder?

Keine Pestizide, dafür Pilzbefall?

Am Ebenrain-Zentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung sieht man durchaus die Vorteile dieser Methode, äussert aber auch gewisse Bedenken. Denn: In solchen Hallen ist das Mikroklima für Pilze paradiesisch. «Das ist die Frage, ob die Pflanzen gesund bleiben oder nicht. Diese Problematik haben wir heute bereits in den Gewächshäusern», sagt Pascal Simon, Abteilungsleiter Ebenrain-Zentrum.

Damit aber nicht genug. Kritiker bemängeln auch, dass durch die sterilen Anbaumethoden natürliche Bakterien und Mikroorganismen fehlen und so das Immunsystem der Konsumenten schwächen könnten.

Das Start Up nimmt solche Kritik relativ gelassen. «Man kann es nicht allen recht machen. Wir arbeiten daran, dass alles möglichst sauber ist. Uns ist es lieber, dass man von unseren Pflanzen nicht krank wird, und dann kann man auch den einen oder anderen Joghurt essen, wenn man Bakterien braucht», so Marcel Holden, Business Development Manager bei Growcer.

Bisher sechs Produkte im Sortiment

Vertical Farming soll nicht in direkter Konkurrenz zu den regionalen Bauern stehen, betont die Migros Genossenschaft auf Anfrage. Ihnen sei es von Anfang an wichtig gewesen, die lokalen Produzenten mit ins Boot zu holen. «Das war auch der Grund, warum wir uns für diese Produkte entschieden haben, weil keines in direkter Konkurrenz zu unseren lokalen Produzenten steht», sagte Reto Böhner, Product Manager von Migros Basel.

Und so sollen auf 400 m2 Pak Choi, Wasabi, Rucola, Federkohl, Mangold und rote sowie grüne Schnittsalate angebaut werden. Erhältlich sind die ab Dienstag, 16. Juni 2020, in der Migros am Dreispitz.

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