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Sibel Arslan wurde beim Frauenstreik in Basel von Polizisten festgehalten. (Video: zVg)
Basel

Raffaela Hanauer: «Die Polizei wollte ein Exempel statuieren»

In Basel war am Sonntag Frauenstreik. Auf der Johanniterbrücke hielten Polizisten Sibel Arslan und Raffaela Hanauer fest. 300 Personen wurden kontrolliert.
Raffaela Hanauer: «Wollten uns auflösen, aber der Weg war abgesperrt»

In der ganzen Schweiz kursierten die Bilder, die zeigen, wie Nationalrätin Sibel Arslan erst zwischen Polizisten und Demonstranten zu vermitteln versucht und danach von zwei Polizisten festgehalten wird. «Lassen Sie los», rufen viele der umstehenden Demonstrantinnen schockiert. Die Polizisten halten Arslan weiter fest. Die Kantonspolizei Basel-Stadt hatte in einer Medienmitteilung  bekannt gegeben, dass am Sonntagabend 300 Personen wegen einer Strassenblockade auf der Johanniterbrücke kontrolliert wurden. «Den kontrollierten Personen droht ein Rapport an die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt», schreiben die Behörden.

Die Grünen, das junge grüne bündnis, BastA!, die Juso, die Demokratischen Jurist*innen Basel (DJS Basel) und Vertreter*innen der SP melden sich in einer Gemeinsamen Stellungnahme. «Wir fordern eine öffentliche Entschuldigung, keine Bussen und einen Verzicht auf die Weiterleitung der Personendaten an die Staatsanwaltschaft», so die Mitteilung. Das Eingreifen der Polizei sei «gewaltvoll, unnötig, unprofessionell und in keiner Weise zu rechtfertigen.»

«Die Demonstration war friedlich»

Grossrätin Raffaela Hanauer (jgb) erzählt gegenüber Telebasel, wie Sie die Demonstration erlebt hat:Auch sie wurde von Polizisten körperlich festgehalten und auf ein Trottoir geführt. Der Vorfall hinterliess bei Hanauer keine körperlichen Spuren – im Gegensatz zu Sibel Arslan. «Sie hat blaue Flecken, die Bilder hat sie mir auf Whatsapp geschickt», so Hanauer.

«Das harte Durchgreifen der Polizei war absolut unangebracht. Es gab keinen Grund. Die Demonstration war friedlich», so Hanauer. «Dieses harte Durchgreifen, die Kontrolle und die Drohung der Meldung bei der Staatsanwaltschaft, das alles geschah ohne Vorwarnung. Es geht mir nicht nur darum, wie wir Parlamentarierinnen als Vermittlerinnen behandelt wurde. Der eigentliche Skandal ist die Kontrolle all der Frauen, die friedlich demonstriert hatten, und nun mit solch harten Konsequenzen rechnen müssen», so Hanauer. Mehr zum Thema lesen Sie hier.

Polizei-Kontrolle am Frauenstreik: mittendrin Nationalrätin Sibel Arslan

Neu aufgetauchte Bilder zeigen eine aufgeheizte Stimmung zwischen den Demonstrantinnen und der Polizei am Frauenstreik vom Sonntag. Die Polizisten stellen sich in schwerer Sturm-Montur in einer Reihe vor den Demonstrantinnen auf. Einige Schreie sind zu hören. Die Basler Nationalrätin (Grüne) Sibel Arslan versucht, zu schlichten und die Situation zu beruhigen.

In einem weiteren Video-Ausschnitt ist zu sehen, wie Arslan von Polizisten festgehalten wird. Sie windet sich – an jeder Seite wird sie von einem Polizisten festgehalten und die Beamten lassen nicht los. «Nicht anfassen», bitten Sibel Arslan und mehrere Demonstrantinnen. Es sind schockierte Rufe zu hören. Die Polizisten halten Arslan weiter fest. «Kommen Sie mit», sagen sie. «Jetzt kommen Sie alle weg».

(Video: zVg)

Update folgt…

Basler Polizei kontrolliert 300 Personen

Die Basler Polizei hat am Sonntagabend im Zusammenhang mit dem Frauenstreik rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer unbewilligten Kundgebung kontrolliert. Dies teilen die Behörden mit. «Der Kundgebungszug hatte in der Innenstadt den öffentlichen Verkehr wiederholt und teilweise längere Zeit blockiert und den Verkehr gestört.»

Kurz vor 15:30 Uhr hatten rund 300 Personen die Mittlere Brücke blockiert und Ansprachen gehalten. Gegen 16:15 Uhr mahnte die Kantonspolizei die Teilnehmenden der unbewilligten Kundgebung ab und forderte sie auf, die Brücke innerhalb von zehn Minuten zu verlassen.

«Dieser Aufforderung folgten sie und zogen vereint durch den Blumenrain zur Spitalstrasse», wie die Behörden mitteilen. Dort hielten die Demonstrantinnen eine kurze Ansprache und blockierten erneut den Verkehr und die Buslinien. Dann bewegte sich der Zug zur Johanniterbrücke weiter. Dort stoppte ihn die  Polizei und kontrollierte die Personen. Die Behörden haben die Brücke kurz nach 19 Uhr wieder freigeben. Den kontrollierten Personen droht ein Rapport an die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt.

Frauenstreik in Basel endet in Polizeikontrolle

Zahlreiche Frauenstreik-Aktionen in Schweizer Städten

Ein Jahr nach dem historischen Frauenstreik haben am Sonntag in zahlreichen Schweizer Städten Kundgebungen stattgefunden. Hunderte von Frauen demonstrierten in Lausanne, Genf und, Bern.

(Video: Keystone / sda)

Ein bisschen Rebellion musste sein

In diesem Jahr war der Frauenstreik aufgrund der Corona-Pandemie nicht in einem so grossen Rahmen wie 2019 möglich. Trotzdem demonstrierten in Basel-Stadt Frauen an fünf festgelegten Orten und besetzten für kurze Zeit sogar die Mittlere Brücke. Telebasel hat mit Franziska Stier, einer Organisatorin, über das Schutzkonzept gesprochen und auch Laetitia Block Präsidentin der Jungen SVP Basel-Stadt zum Streik befragt.

(Video: Telebasel)

Gewerkschaften wollen Taten sehen

Die Gewerkschaften kritisierten am Sonntag, dass trotz einem «überwältigenden» Frauenstreik im letzten Jahr, sich in Sachen Gleichstellung in der Schweiz kaum etwas verbessert habe. Die Frauen würden immer noch tiefere Löhne und Renten bekommen als Männer und mehr Betreuungsarbeit übernehmen, teilte der Schweizerische Gewerkschaftsbund mit.

Die Gewerkschaft Unia prangerte die Lohndiskriminierung, Doppel- und Dreifachbelastung sowie die Respektlosigkeiten im Alltag der Frauen in der Schweiz an.

Langstrasse war einige Zeit gesperrt

In Zürich starteten die Teilnehmerinnen entsprechend in kleinen Gruppen von verschiedenen Orten aus. Daraus hat sich eine Kundgebung von über 1000 Menschen in der Langstrasse gebildet.

Die Teilnehmerinnen sperrten die Strasse mit einer Wäscheleine und sammelten daran Forderungen und Aufrufe. «Nie mehr unpaid work», war etwa als Forderung zu lesen.

Die Langstrasse zwischen Helvetiaplatz und Limmatplatz musste vorübergehend für den Verkehr gesperrt werden, wie die Kantonspolizei Zürich auf Twitter mitteilte. Im Verlaufe des Nachmittags löste sich die Kundgebung auf, und die Langstrasse wurde von der Polizei wieder für den Verkehr freigegeben. Die Stadtpolizei forderte die Teilnehmerinnen mit Dialogteams und auf Twitter auf, den Bereich Langstrasse zu verlassen.

«Frauen sollen kämpfen»

Telebasel hat im Baselbiet Spaziergänger zum stattfindenden Frauenstreik befragt. Die meisten stehen hinter den Forderungen, die die Demonstrantinnen stellen.

(Video: Telebasel)

Demonstration in der Bundesstadt

In Bern hat das Komitee Frauenstreikkoordination auf der Demo-Route vom Vorjahr einen Postenlauf zu feministischen Themen organisiert. Um 15:24 Uhr haben die Frauen und Männer auf dem Bundesplatz Lärm gemacht, um die Zeit einzuläuten, wo Frauen wegen der Lohnungleichheit gratis arbeiten. In der Schweiz verdienen Frauen einen Fünftel weniger als Männer. Ein Jahr nach dem Frauenstreik ziehen verschiedene Frauen im Interview mit Keystone-SDA Bilanz und sagen, wo weiterhin gekämpft werden muss.

(Video: Keystone-SDA)

Mittlere Brücke wieder frei

Die Demonstration auf der Mittleren Brücke hat sich wieder aufgelöst. Kurz vor 16:30 Uhr haben Demonstrantinnen die Brücke wieder freigelassen. Zuvor hatte die Polizei keine Passanten mehr auf die Brücke gelassen «um sie zu schützen», wie Augenzeugen berichten. Die Polizei hätte wohl bald eingegriffen und man hätte sich strafbar gemacht, wenn man auf der Brücke gewesen wäre.

Die Versammlung löste sich aber friedlich auf und die Polizei hat die Leute ziehen lassen.

Blockierung der Mittleren Brücke

Seit 15.23 Uhr ist die Mittlere Brücke durch eine feministische Demonstration blockiert. Aktuell liegt der Verkehr flach. 15.24 Uhr sei der Zeitpunkt des Tages, an der erwerbstätige Frauen wegen der Lohnungleichheit gratis arbeiten.

Langsamer Start in Basel

Seit 14 Uhr finden in Basel auf fünf verschiedenen Plätzen Aktionen unter dem Motto «Frau*lenzen und queerstellen» statt. Mehr dazu hier.

Zumindest am frühen Nachmittag gestaltete sich die Situation dem Motto getreu sehr ruhig, wie ein Augenschein vor Ort von Telebasel zeigte:

So versammelten sich um 14.00 Uhr rund 150 Personen auf dem Basler Theaterplatz, um gemeinsam zu picknicken und zu tanzen. Um 15.10 Uhr haben die Organisatorinnen ein «lautes Joggen» vom St. Johanns-Park bis zum Museum Tinguely angekündigt.

Von dort aus möchten die Teilnehmerinnen dann in den Rhein steigen und ihren Protest schwimmend fortsetzen. Zudem soll um 15.23 Uhr ein Streik auf der Mittleren Brücke stattfinden. Die Polizei ist vor Ort und verteilt Corona-Flyer des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).

Sie haben auch Fotos rund um den Frauenstreik 2020? Wir freuen uns, wenn Sie sie uns schicken:

Unfall in Winterthur

In Winterthur sei ein Mann absichtlich in eine feministische Velo-Demo gefahren, heisst es auf Twitter. Dabei sei eine Person verletzt worden.

Auf Nachfrage von Telebasel sagt Michael Wirz, Sprecher der Winterthurer Stadtpolizei, dass es tatsächlich zu einem entsprechenden Vorfall gekommen sei. Ein 72-jähriger Autofahrer touchierte demnach im Kontext der Demonstration eine 24-Jährige. Der 72-Jährige werde derzeit vernommen und es sei entsprechend unklar, ob es sich beim Unfall um Absicht handle oder nicht. Ob und wie schwer die 24-Jährige verletzt wurde, wusste die Polizei nicht genau.

In Lausanne hat der Streik begonnen
JUSO fordert verbindliche Geschlechterquote bei Professuren der Uni Basel

Die Uni macht nicht vorwärts in Sachen Gleichstellung, die Untervertretung von Frauen sei unhaltbar, findet die JUSO Basel-Stadt. Jessica Brandenburger, JUSO-/SP-Grossrätin reichte heute deswegen eine Motion ein, welche die Uni dazu verpflichten will, bei den Professuren einen Frauenanteil von 50 Prozent zu erreichen. Die Quote soll für jede Fakultät einzeln gelten, betont Brandenburger. Gerade in den MINT-Bereichen gebe es viel zu wenig Frauen, was in der Gesamtstatistik aber durch andere Fakultäten kaschiert werde. Die gleiche Motion wird Miriam Locher (SP) auch im Baselbiet einreichen. So sollen die beiden grossen Geberkantone Einfluss auf die Uni nehmen, wenn es nach dem Plan der Politikerinnen verläuft.

Brandenburger will, dass die Uni bei der Gleichstellung vorwärtsmacht. (Bild: zVg)
Petition für Kinderbetreuung

Der feministische Streik Basel, der auch hinter vielen der heutigen Aktionen zum Frauenstreik steckt, startet heute eine Petition. «Die letzten Monate haben sichtbar gemacht, was uns Frauen und genderqueeren Menschen seit Jahrzehnten klar ist: Die Sorge um andere muss ins Zentrum der Gesellschaft rücken. Leider ist es genau diese Arbeit, die prekär oder gratis – zumeist von weiblich gelesenen Menschen, getragen wird», heisst es in einer Medienmitteilung zur Petition «Kitas sind Service Public».

Die Forderungen der Petition:

  • einen bedarfsgerechten und den wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechenden Betreuungsschlüssel
  • professionell ausgebildete Fachkräfte in der Kinderbetreuung
  • angemessene Löhne für das Personal
  • Vor- und Nachbereitungszeiten für das Personal
  • angemessene Erholungszeiten für das Personal
  • genügend Betreuungsplätze ohne Wartelisten
  • Öffnungszeiten, welche dem Bedarf der Eltern mit Anstellung im Verkauf oder Gastronomie entsprechen
In Basel beginnen die grösseren Veranstaltungen am Nachmittag

In Basel sind die grösseren Events ab 14 Uhr geplant. Bis es losgeht, hier ein Rückblick auf das letzte Jahr, erstellt vom Streik Basel:

Etwa 40’000 Menschen demonstrierten letztes Jahr am 14. Juni in Basel und legten für Stunden die Innenstadt lahm.

Das läuft am Sonntag in Basel

Die historischen Ausmasse – der Frauenstreik 2020 brachte so viele Menschen auf die Strasse, wie seit dem Generalstreik nicht mehr – des letzten Jahres werden wohl nicht erreicht werden. Trotzdem sind in Basel zahlreiche Aktionen unter dem Motto «Frau*lenzen und queerstellen» geplant. Auch wegen Corona wurde der Anlass auf verschiedene Plätze der Stadt verteilt, die Platzbewilligung wurde durch den Kanton erteilt, heisst es beim Organisationskomitee «Feministischer Streik Basel». Eine Übersicht lesen Sie hier.

Sommaruga zieht Bilanz zum Frauenstreik

Was hat der Frauenstreik vor einem Jahr gebracht? Welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf die Debatte? Und wie haben Frauen in Führungspositionen die Krise bewältigt? Darüber hat Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga mit Frauen aus verschiedenen Berufen gesprochen. Alles zum Thema lesen Sie hier.

Der Frauenstreik am Sonntag, 14. Juni

Heute, dem 14. Juni, findet in der Schweiz erneut ein Frauenstreik statt. Alle Informationen und Geschehnisse aus dem Tag finden Sie in diesem Ticker.

6 Kommentare

  1. Macht das amerikanische Vorbild für Beamtengewalt auch bei uns Schule ? die » Opfer » scheinen hier allerdings nicht dunkelhäutige Menschen, sondern weisse Migranten zu sein ! in was für einenr Welt leben wir eigentlich ?Report

  2. Warum geht man eigentlich in High Heels an eine Demo?
    Überhaupt habe ich gedacht, das solche Schuhe die Frauen zu einem Sexualobjekt degradieren würden. Ist diese Ansicht bereits wieder passé?Report

  3. Und so jemand ist Nationalrätin. In der Türkei wäre sie 1 Jahr im Knast. Man kann diese Frau nicht voll ernst nehmen – sie ist eine Lachnummer. / Und jedes Jahr auf der Dreirosenbrücke mit Wasserpistole beim Fest Kleinbasel gegen Grossbasel mitmachen. Dies ist schon sehr tiefes NiveauReport

  4. Demonstrieren ja, aber nicht unbewilligt und schon gar nicht auf Kosten von anderen, damit meine ich die Blockierungen auf den Strassen, damit man nicht weiterkommt. Was ist, wenn man dringendst von A nach B muss wegen einem Notfall?

    Der Narzissmus, der allgemein vorherrscht, geht mir auf den KeksReport

  5. Es gibt etwa 10-15´000 Personen denen man die Fasnacht verboten hat, aber diese ewigen möchte gern Weltverbessern können nichts anderes als zu Demonstrieren.
    Ich bin am nächsten Samstag auch in der Stadt um zu Demonstrieren gegen die Demonstranten.Report

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