Seit Mittwoch verkauft Migros keine «Mohrenköpfe» mehr. Ein Entscheid, den nicht alle verstehen. (Bild: Keystone)
Basel

«Jetzt spinnt die ganze Welt» und «Bravo Migros» – Umstrittener «Mohrenkopf»-Entscheid

Die Entscheidung der Migros, die Dubler «Mohrenköpfe» aus dem Sortiment zu nehmen, sorgt für unterschiedliche Reaktionen. Die Telebasel Community ist gespalten.

Nach Rassismus-Vorwürfen entschied sich die Migros, die Süssigkeit «Mohrenköpfe» von Dubler aus dem Sortiment zu nehmen. Der Entscheid fiel, nachdem eine Twitter-Userin anlässlich der weltweiten Black Lives Matter-Bewegung die Migros auf den rassistischen Namen der Süssigkeit aufmerksam machte, und die Genossenschaft aufforderte das Produkt aus dem Regal zu nehmen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Migros dieser Kritik ausgesetzt wird, bisher hatte man die Bedenken aber zur Seite gewischt.

«Die aktuelle Debatte hier hat uns dazu bewegt, die Situation neu zu beurteilen. Dass dieser Entscheid ebenfalls zu Diskussionen führen wird, ist uns bewusst», schreibt die Migros auf Twitter. Zumindest in der Telebasel Community hat die Migros mit dieser Vermutung Recht behalten.

So sorgt der Entscheid für viele rote Köpfe. Eine Umfrage von Telebasel zeigt: Rund 90 Prozent der Leserinnen und Leser halten die Bezeichnung «Mohrenkopf» für nicht rassistisch. Wie viele von den Teilnehmenden weiss sind, selbst schon von Rassismus betroffen waren oder sich eingehend mit Rassismus auseinandergesetzt haben, konnte mit einer Frage nicht abgedeckt werden,

Kontroverse Diskussion

In der Facebook-Community wird das Thema derweil kontrovers diskutiert.

Viele Leser schlagen sich die virtuelle Hand auf die Stirne ab der Neuigkeit. «Geht’s noch?», schreiben einige. «Lächerlich», «Ohne Worte» und «Jetzt spinnt die ganze Welt», heisst es da etwa. Andere Userinnen und User finden die Änderung übertrieben, auch andere Lebensmittel hätten Bezüge zu Menschen. So schreibt etwa eine Userin, ob dann Berliner, Hamburger und «Schnägg» nicht auch problematisch seien. «Dann wird es ja ganz schräg!», so der Kommentar.

Viele sprechen sich derweil für den Entscheid der Migros aus. «Bravo Migros», heisst es da etwa. «Väter, Mütter, Töchter, Söhne, egal welcher Hautfarbe und Herkunft wollen nicht länger diskriminiert werden.»

Ähnlich sieht es Claudia Müller. Das Problem liege nicht im Namen, sondern darin, wie man miteinander umgeht. Auch Sandra Daniela Schellenberg erinnert daran, dass man das Positive vorleben soll.

Einige Nutzer führen an, dass genau im Namen das Problem liege. Der Begriff sei klar rassistisch. Das Wort geht ursprünglich sowohl auf das griechische «moros» zurück, das «töricht», aber auch «dumm» bedeutet. Auch auf das  lateinische «maurus», das für «schwarz», «dunkel» und «afrikanisch» wird das Wort zurückgeführt.

Bei der Süssspeise gehe es aber nicht um die negativen Gedanken mit dem Wort, argumentieren andere. «Mohrenkopf bleibt Mohrenkopf», schreiben einige. Argumentiert wird auch damit, dass der Name schon lange besteht. «Nicht jeder Buchstabe muss auf die Rassismus-Waage gelegt werden», schreibt etwa Lotti Wagenbrenner.

Die Entscheidung der Migros sorgt bei vielen für Unverständnis. Ihre Produkte wollen sie nun bei kleineren Detailhändlern kaufen. «Das heisst, wenn ich ab jetzt schwarze Schokolade essen muss, ich damit rechnen muss, als Rassist verurteilt zu werden», schreibt eine Userin. Sie kann den Entscheid der Migros nicht nachvollziehen. Auch sie will beim kleineren Händler weiterhin die «Mohrenköpfe» kaufen.

Was die einen peinlich finden, loben die anderen: «Migros hat Rückgrat!», schreibt etwa Matthias Bichsel. «Die schmecken gleich gut, auch wenn sie anders heissen.»

10 Kommentare

  1. Wegen einer blöden Person, würde sie auch anders nennen, wird so ein Wirbel gemacht.
    Ich bin Übrigen ein hellhäutiger und kein weisser. Weisser= rassismus?Report

  2. Es ist ja schon traurig dass eine Person welche nicht mal Ihre wahre Identität bekannt gibt, soetwas auslösen kann und die Migros sofort kuscht.Report

  3. Wie kann man einen Mohrenkopf diskriminierend finden, wo er doch so gut schmeckt?-Ist das nicht eher ein Kompliment?-das möchte ich gern dunkelhäutige fragen. Es gibt doch auch weisse M…köpfe, die könnte man aus Ausgleich zb. Bleichgesichtkopf nennen?Report

  4. Die heuchlerischen Dauerempörten sind schon lange unterwegs. Und in vorauseilendem Gehorsam zittern und beugen sich Firmenoberste und gehören inzwischen zu einer Generation die sich vermutlich wegen… wegen was eigentlich? … die leicht erpresspar geworden ist. Die Welt ist wirkliche irre geworden.Report

  5. Ich sehe ein einziger Grund zum Rassismus und zwar die die sich gegen die Lebensmittelindustrie erheben. SAGT MAL GEHTS NOCH?? Das ist nur Schokolade und nichts anderes. Wenn es so weiter geht wird die CH noch weiter im Sumpf verschwinden. Da sind mir die Amerikaner viel lieber. Wird zeit auszuwandern von dieser dämlichen CH und idiotischen mitbewohnern. AdiosReport

  6. Und was ist mit der sogenannten Schwedenbombe??????? Kann man auch umbenennen, denn da kann sich der / die Schwede / Schwedin sich als DICK angesprochen fühlen und vorallem wenn sie noch von DICKmanns sind!!!
    Lasst endlich den MOHRENKOPF Mohrenkopf sein, schließlich sind wir keine Kannibalen, wenn wir unsere heißgeliebten Mohrenköpfe essen!!!!Report

  7. Und was lassen wir uns in der Schweiz als nächstes vorschreiben? Wir nehmen alles hin, siehe Sutter mit Meitlibei!
    Als Weltenbürger kann ich nur den Koof schütteln und frage mich, ob wir keine grösseren Probleme haben.Report

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