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Der Telebasel Report vom 10. Juni 2020.
Baselland

Report: Baselbieter Feuerwehren im Umbruch

Immer weniger Leute leisten freiwilligen Feuerwehrdienst. Wer kommt also künftig, wenn es brennt?

«Die Frage lautet heute nicht mehr: ‹Was kann ich für die Gemeinschaft tun?›, sondern: ‹Was kann die Gemeinschaft für mich tun?›», bringt Feuerwehr-Kommandant Daniel Schären die Problematik auf den Punkt. Immer weniger Menschen im Baselbiet sind bereit, freiwilligen Feuerwehrdienst zu leisten. Gleichzeitig steigt aber die Anspruchshaltung: Wenns brennt, soll selbstverständlich möglichst schnell gelöscht werden. Die Frage stellt sich künftig: Ja, von wem denn?

Die Baselbieter Feuerwehr demonstriert ihr Können der Bevölkerung. (Bild: Telebasel)

Technologie beeinflusst Feuerwehrarbeit

Waren 1931 noch über 7‘000 Männer Teil der Baselbieter Feuerwehr, sind es 2020 noch knapp über 2‘000, inklusive Frauen. Diese reine Zahl sei aber nicht massgebend, sagt Feuerwehr-Inspektor Werner Stampfli: «Dank modernster Technologie können heute vier bis fünf Feuerwehrleute an einem Tanklöschfahrzeug dasselbe erreichen, wie früher 40 Mann an einer Handdruckspritze». Viel wichtiger sei daher die sogenannte Tagesverfügbarkeit: «Immer weniger Menschen arbeiten dort, wo sie wohnen und sind daher tagsüber nicht verfügbar».

Der Telebasel News Beitrag vom 10. Juni 2020.

Problem «Tagesverfügbarkeit»: Immer weniger Menschen sind innerhalb von 10 Minuten ab Alarm im Magazin. (Bild: Telebasel)

Gesellschaft im Wandel

Genau dann passieren statistisch gesehen jedoch die meisten Einsätze. 1990 arbeiteten immerhin gut 41 Prozent der Arbeitstätigen in der Wohngemeinde. Heute sind es noch 29 Prozent. Die geforderten zehn Minuten zwischen Alarm und Ankunft im Magazin können immer häufiger nicht eingehalten werden. Zudem habe sich das Freizeitangebot für Jugendliche derart ausgeweitet, dass nur wenige Junge sich in der Feuerwehr engagieren würden, sagt Kommandant Daniel Schären.

Feuerwehrübung im Verbund Wildenstein: Zur Not dient auch ein Container als Brandherd. (Bild: Telebasel)

Umstrittener Lösungsvorschlag

Wie die Baselbieter Regierung letzte Woche bekannt gegeben hat, wurden an einem runden Tisch nun Massnahmen definiert, wie man den Brand künftig löschen möchte: Neu sollen nicht mehr die Gemeinden, sondern der Kanton für die Feuerwehren zuständig sein. Anstatt der 42 Orts- und Verbundfeuerwehren soll es künftig nur noch drei grosse Regionalfeuerwehren geben. Unglücklich: Aufgrund der Corona-Krise musste der geplante Informationsanlass für die Gemeinden und Kommandanten vom Frühjahr abgesagt werden. Entsprechend überrascht ist man in den Magazinen nun über die Kommunikation der Regierung. In Stein gemeisselt ist jedoch noch nichts: Geplant ist die Reorganisation ab 2025 – hitzige Diskussionen im Baselbiet dürften folgen.

Mehr Hintergründe zum Thema gibt es im Telebasel Report vom 10. Juni 2020 ab 19:45 Uhr und stündlich in der Wiederholung.

0 Kommentare

  1. Als Offizier einer Ortsfeuerwehr hat mich der Bericht ein wenig irritiert. Es gibt Gemeinden welche sicher ein Problem haben genügend Feuerwehrpersonal zur Verfügung zu stellen. Es wird aber leider nicht erwähnt, dass es sich hierbei vorwiegend um kleinere Gemeinden im Oberbaselbiet handelt. Da die Inspektionen mittlerweile nur noch als genügen oder ungenügend bewertet werden, werden manche Feuerwehr plötzlich in einem schlechteren Licht dargestellt. Es gibt Feuerwehren welche sehr gut funktionieren und die Schutzziele zu jeder Zeit einhalten. Die Feuerwehr wird hier leider viel zu fest als ein „Plauschverein“ dargestellt. Wir sind eine Organisation welche Leben rettet. Das Gesellige hat einen wichtigen Bestandteil sollte aber keine Begründung oder Daseinsberechtigung für eine Feuerwehr sein. Die Tagesverfügbarkeit könnte mit Hilfe von Gemeindearbeitern sicher optimiert werden. Leider wird im Bericht nicht erwähnt, dass die Schutzziele sicher nach oben gesetzt werden müssen. Das heisst, dass die Feuerwehr nicht schneller vor Ort sein wird. Ich habe das Gefühl, dass die BGV Kosten sparen will welche die Gemeinden am Schluss tragen müssen. Die BGV ist eine Gebäudeversicherung, Schutzziele wurden jedoch für die Rettung von Menschen gemacht. Eine Wohnung ist nach einem Brand ein Totalschaden…. die Kosten also gleich. Bei Grösseren Naturereignissen wird die Kapazität sicher nicht ausreichen wenn es noch weniger Feuerwehren gibt.
    Liebes Tele Basel es wäre schön, wenn Ihr euch dieser Problematik widmen würdet und nicht ob das Gesellige verloren geht.Report

  2. wenn man von Politikern liest, es ist noch nicht in Stein gemeisselt, dann ist es schon auf dem Papier unterzeichnet und wird auch durchgesetzt. zirka 8Mio kann die BGV damit sparen, wenn die die Feuerwehrmagazine, Material und Mannschaft auf das Minimum zusammen streicht. Und die Schutzziele entsprechend anpasst. Es brennt ja kaum noch, und wenn, ist es vermutlich günstiger als 10 Mio jedes Jahr für die FW und Sicherheit im Dorf auszugehen.Report

  3. Passt gut in die jetzige Zeit. Bei meiner Ehefrau wurde die Feuerwehrpflicht nach vorheriger Aushebung abgelehnt, obschon meine Frau Freude daran fand. Angeblich Überzählig!!! Meine Frau stammt von Kenya!!Report

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