Emotionale Rede: Philonise Floyd hielt am Mittwoch eine Rede in Washington. (Bild: Keystone)
International

George Floyds Bruder spricht im Kapitol

«Es liegt an Ihnen, sicherzustellen, dass sein Tod nicht umsonst ist»: George Floyds Bruder hielt im Repräsentantenhaus in Washington eine Rede.

Nach der Beisetzung von George Floyd hat dessen Bruder die Politik zum Handeln gegen Polizeigewalt und Rassismus aufgefordert. «Es liegt an Ihnen, sicherzustellen, dass sein Tod nicht umsonst ist», sagte Philonise Floyd in einer emotionalen Ansprache vor dem Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses am Mittwoch in Washington. Derweil gingen in den USA die Proteste genauso weiter wie die Diskussion über die Zukunft der Polizei. Der Polizeichef von Minneapolis – wo Floyd am 25. Mai bei seiner Festnahme getötet worden war – versprach umfangreiche Reformen.

Floyd war festgenommen worden, weil er mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt haben soll. Sein Tod Ende Mai hat Massenproteste gegen systematischen Rassismus und Polizeigewalt im ganzen Land ausgelöst. Ein weisser Polizeibeamter hatte ihm sein Knie in den Nacken gedrückt, so dass er keine Luft mehr bekam. Der Polizist und drei beteiligte Kollegen wurden entlassen, festgenommen und angeklagt.

Trauerfeier mit politischen Statements

Am Dienstag hatten Hunderte Menschen in Houston (Texas) mit einer kämpferischen Trauerfeier Abschied von Floyd genommen. «Wenn wir dich heute zur Ruhe legen, wird die Bewegung nicht ruhen, bis wir Gerechtigkeit bekommen. Bis wir einen Standard an Gerechtigkeit haben», sagte der prominente Bürgerrechtler Al Sharpton. «Wir werden weiter kämpfen.» Er forderte, die Täter zur Verantwortung zu ziehen.

Der designierte demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden rief mit einer Videobotschaft, die in der Kirche übertragen wurde, zur Überwindung von Rassismus auf. «Wir können die Wunden dieser Nation heilen», sagte der ehemalige Vizepräsident. In einem Meinungsartikel für die Zeitung «USA Today» sprach er sich dagegen aus, der Polizei – wie von vielen Demonstranten gefordert – die Finanzierung zu kürzen und die Gelder umzuverteilen.

«Die bessere Antwort besteht darin, den Polizeibehörden die Ressourcen zur Verfügung zu stellen, die sie für die Umsetzung sinnvoller Reformen benötigen» und weitere Finanzierung von der Umsetzung der Reformen abhängig zu machen, schrieb Biden. Zu den Forderungen gehören etwa das Verbot von Würgegriffen, die konsequente Verfolgung von Verbrechen durch Polizisten und verbessertes Training in Bezug auf ethnische und religiöse Vorurteile.

Der Tod Floyds hat nicht nur Grossdemonstrationen ausgelöst, sondern auch eine breite Debatte über Polizeireformen in den USA angestossen. Die Bürgermeister von Los Angeles und New York kündigten an, der Polizei Gelder streichen zu wollen, um sie anderweitig einzusetzen. Führende Demokraten im Kongress wollen tiefgreifende Reformen durchsetzen, um den Machtmissbrauch von Beamten zu stoppen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel