Eine Luftaufnahme vom TCS Campingplatz in Samedan, Graubuenden. (PPR/TCS Camping)
International

Schweizer füllen die Lücken auf heimischen Campingplätzen

Campingplätze kompensieren fehlende ausländische Gäste fast komplett durch Schweizer Kunden. Die Umsatzeinbussen können trotzdem nicht wettgemacht werden.

Gut 6 Millionen Franken beträgt laut TCS-Vizedirektor Oliver Grützner der Umsatzausfall bei den Campingplätzen des TCS, nachdem diese rund 10 Wochen geschlossen hatten. Seit Samstag dürfen die 24 Plätze des grössten Schweizer Campingplatzbetreibers, der gemäss Angaben des Branchenverbandes Parahotellerie Schweiz 17 Prozent der Marktanteile hält, nun aber wieder Gäste empfangen.

Das erste Wochenende nach der Wiedereröffnung sei aufgrund des schlechten Wetters zwar eher langsam angelaufen. «Doch seit Mitte Mai die Lockerungen bekannt wurden, sind die Buchungen für die Sommermonate in die Höhe geschnellt», sagte Grützner im Rahmen einer gemeinsamen Telefonkonferenz von TCS, Sorell Hotels sowie den Tourismusregionen Zermatt und St. Moritz vom Montag.

Bis Mitte August seien die Campingplätze des TCS schon wieder grösstenteils ausgebucht. Und das, obwohl fast alle Gäste aus dem Ausland wegfallen. Laut Angaben des Branchenverbands Parahotellerie Schweiz kommt üblicherweise knapp ein Viertel der Gäste der TCS-Campingplätze aus dem Ausland, in erster Linie aus Deutschland und den Niederlanden. «Wir kompensieren den Wegfall unserer ausländischen Gäste fast vollständig durch Schweizer Kunden», sagte Grützner.

Faktoren für die Campinglust der Schweizer seien neben dem Wetter auch die weiteren Einschränkungen an den Grenzen, die viele Schweizer verunsichern und zu Ferien in der Heimat verleiten. Aber auch der bereits seit längerem anhaltende Trend zu mehr Campingferien trage zu den guten Buchungszahlen bei.

«Wir erwarten für 2021 wieder Umsätze auf dem Niveau von 2018/19», sagte Grützner und fügte an, dass das Budget für 2020 nun auf das kommende Jahr verschoben werde. Operativ habe man keine Kürzungen vornehmen müssen. Die Angestellten seien in Kurzarbeit gewesen und gewisse Marketingaktivitäten eingefroren worden, sagte der Vizedirektor, aber man werde «mit einem blauen Auge davonkommen.»

Noch keine Erholung bei Sorell Hotels

Eine etwas schwierigere Situation erlebt Thomas Kleber, operationeller Leiter der Sorell Hotels. «Die Umsatzausfälle sind enorm», sagte er und ergänzte: «Obwohl Hotels grundsätzlich offen bleiben durften, mussten wir innert kürzester Zeit 17 unserer 18 Sorell Hotels schliessen – es war schlicht keine Nachfrage mehr vorhanden.»

Im Laufe dieser Woche folge nun die schrittweise Eröffnung der Hotels. Doch die Buchungen seien noch sehr verhalten, was auch an den fehlenden Geschäftsreisen liege. Bis alle Sorell Hotels wieder ihre Pforten geöffnet haben, dürfte es laut Kleber August oder September werden. Sobald man sehe, dass die Nachfrage gross genug sei und man nichts drauflegen müsse, würden die Hotels wieder öffnen.

Allerdings dürfte es noch länger gehen, bis die früheren Zahlen wieder erreicht werden. «Wir erwarten noch für die nächsten eineinhalb bis zwei Jahre Auswirkungen», sagte Kleber. Dies auch mit Blick auf die Airlines, die erst für 2022 oder sogar 2023 wieder Passagierzahlen auf Vorkrisenniveau erwarten. Denn auf den Flugverkehr ist man bei den Sorell Hotels angewiesen, da rund die Hälfte der Gäste aus dem Ausland kommen.

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