Hat Daniel Koch wichtige Informationen zur Corona-Krise ignoriert? (Bild: Keystone)
Schweiz

Kritik von Epidemiologen an Daniel Koch nimmt nicht ab

Epidemiologen werfen dem Bundesamt für Gesundheit und damit «Mr Corona» Daniel Koch vor, während der Corona-Krise wichtige Informationen ignoriert zu haben.

Der Streit zwischen dem BAG und Schweizer Wissenschaftlern entstand bereits zu Beginn der Corona-Krise, also noch bevor die Schweiz am 25. Februar die erste Ansteckung verzeichnete. Das BAG sei nicht auf dem aktuellen Stand des Wissens, kritisierte Christian Althaus von der Universität Bern. Auch ETH-Professor Marcel Salathé zeigt sich nicht zufrieden mit der Arbeit von Daniel Koch.

Apell an die Regierung

Jetzt, einige Monate später und nach dem Abschied von Koch, meldet sich Althaus auf Twitter zurück: Er will, dass das Gebaren Kochs von der Geschäftsprüfungskommission des Parlaments «gründlich aufgearbeitet» werde.

Althaus und Salathé veröffentlichten via Twitter ausserdem einen Brief an Gesundheitsminister Alain Berset und dessen Leute im BAG. Sie weisen darin auf die grosse Gefahr hin, die vom Coronavirus ausgeht und bemängeln Kochs Arbeit.

So sagte ETH-Professor Salathé zur «NZZ am Sonntag», dass der Lockdown möglicherweise hätte verhindert werden können. Der Bund hätte intensiver testen, die Versorgung mit Hygienemasken und Testmaterial schon im Januar angehen müssen und die Grenze zu Italien früher schliessen können.

Koch weist Vorwürfe zurück

Daniel Koch sagte gegenüber der BaZ: «Auf die forschenden Epidemiologen sind wir zunächst nicht zugegangen, und sie auch nicht auf uns. Sie bearbeiten ein ganz anderes Feld der Wissenschaft: Die öffentliche Gesundheit und die Bewältigung einer Pandemie gehören nicht zu ihren Fachgebieten.»

Bei dem Streit zwischen Wissenschaftlern und BAG scheint es auch etwas um die Anerkennung des Forschungsgebiets von Althaus und Salathé zu gehen. Diese sind Biologen und berechnen hauptsächlich Verbreitungsmodelle von Epidemien. Koch, der unter anderem in der Ebola-Bekämpfung in Westafrika Erfahrung gesammelt hat, hinterfragte die Aussagekraft der Arbeit der Wissenschaftler.

Informationen habe er jedoch sicherlich nicht ignoriert. «Selbstverständlich standen das BAG und ich immer in Kontakt mit der Wissenschaft», sagt Koch gegenüber der BaZ. «Wir haben uns mit jenen Organisationen ausgetauscht, mit denen wir schon seit Jahren zusammenarbeiten: vor allem mit Swissnoso, klinischen Experten der Spitalhygiene, dem Referenzlabor in Genf sowie klinischen Pädiatern.»

2 Kommentare

  1. Lieber Daniel Koch, ich bin eine zweifach Risikopatientin ( Alter plus COPD ). Ich finde Ihre Kommunikation über Schutzmassnahmen absolut hervoragend !!! Ich habe mich, nach jeder Konferenz mit Ihnen und Herrn Berset, sehr behütet, ohne panische Angstattaken, gefühlt !!! Ihr zwei habt in Eurer beruhigenden, kompetenten Art meine Ängste genommen !!! Vielen Dank !!!Report

  2. Hat Dr. Salathé nicht genug Aufmerksamkeit gekriegt? Jetzt grinst er uns auch noch von den SBB-Plakaten herunter, seine App, die der EPFL wo er lehrt, ist zur Schweizer COVID-App erkoren worden….
    Was will er noch mehr?

    Wir sollten langsam aufhören, Wissenschaftler zu Predigern emporzustilisieren, sondern ihren Input als solchen zu nehmen: als Input und fertig

    Wenn das Volk nicht rebelliert hätte, hätten wir jetzt viel mehr AKWs rumstehen, die ja damals von den Wissenschaftern als „absolut sicher und sauber etc. etc.“ propagiert wurden.Report

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel