Featured Video Play Icon
Der Telebasel News Beitrag von 7. Juni 2020.
Baselland

Knatsch um Aesch-Nord

In einem Flugblatt wird das Prestigeprojekt «Aesch-Nord» als Steuerverschwendung bezeichnet und die abtretende Gemeindepräsidentin als Königin karikiert.

Platz für 1’000 Menschen, Arbeit für 1’500 Personen, ein See und ein neues, schmuckes Holz-Stadion für den Volleyball Top-Club Sm’Aesch Pfeffingen. Das Infrastruktur-Projekt «Smart City Aesch Nord» soll die Agglomerations-Gemeinde Urbaner machen, Hochhäuser inklusive. Je grösser und ambitionierter das Bauprojekt, desto heftiger und intensiver der Widerstand gegen dieses Vorhaben.

So auch in Aesch. Am Pfingstwochenende landete in den Aescher Briefkasten ein Flugblatt, welches gross mit «Fehlplanung!» getitelt ist. Kritisiert wird insbesondere, dass auf dem Areal Wohnungen und Hochhäuser gebaut werden sollen. Mehrausgaben für den Steuerzahler werden befürchtet und es wird die Vermutung in den Raum gestellt, die nach 16 Jahren abtretende Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger (FDP) wolle sich in ihren letzten Wochen noch ein Denkmal setzen.

Wenig ist definitiv

Die abtretende Gemeindepräsidentin hat wenig Verständnis für das Flugblatt. «Ich habe es direkt in den Papierkorb geworfen», erklärt Hollinger. Insbesondere der Vorwurf, dass das Projekt eine Steuererhöhung für Aesch bedeute, kann sie nicht verstehen. «Das ist eine dieser Fehlinformationen, die ich überhaupt nicht nachvollziehen kann», Aesch Nord würde den Steuerzahlern eher zugutekommen.

Vieles sei zudem noch gar nicht sicher. Die Parzellen sind zwar vom Kanton umgezont, aber solange es keine Investoren gibt, wird es keinen See und auch keine Hochäuser geben. Denn: «Die Gemeinde Aesch geht mit Aesch-Nord kein Risiko ein, denn alle Bauprojekte werden von Privaten gezahlt.» Diese fehlen jedoch noch.

Einzig der «Holz-Dom» der bereits in absehbarer Zeit gebaut werden soll, wird von der Gemeinde finanziert. «Es handelt sich um eine Mehrzweckhalle», erklärt Hollinger. Zwar sei die Halle bereits weitgehend geplant, in Stein gemeisselt ist jedoch noch nichts. Am Ende entscheiden die Einwohner über den Sport und Kultur «Dom».

Gegner auf Tauchstation

Urheber des Flugblattes ist «PlanBasel». Der Blog setzt sich zum Ziel auf «Fehlentwicklungen in der Raum- und Mobilitätsplanung in der Region Basel» hinzuweisen und will «Verbesserungsvorschläge im Sinne der Bevölkerung durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise» machen. Mit 122 Followern auf dem Blog, keinen 500 Facebook Freunden und zwölf Followern auf Twitter ist es schwierig, für sich in Anspruch zu nehmen, die Sichtweise der Bevölkerung zu vertreten.

Betreiber des Blogs ist Oliver Bippus. Er stört sich insbesondere am Überschuss der Büroflächen beim Projekt. «Leere Büroflächen führen durch sich erhöhende Zinsen, zu Abschreibungen bei den Pensionskassen», dadurch würde der Steuerzahler leiden.

Der andere Punkt für Bippus sei, dass keine Büroflächen nach Aesch gehören würden, sondern grosse Firmen. Jedoch sei das ein Wunschgedanke. «Man sieht es nicht, dass grosse Firmen, gute Steuerzahler, sich im äusseren Gürtel von Basel ansiedeln.» Bippus‘ Mitstreiter ist unter Anderem der ehemalige Landrat und Margarethenstichgegner Roger Moll.

Die Namen der Mitstreiter findet man zwar schnell, einen Kontakt herzustellen ist dann schwieriger. Dies ist auch die irritierende Seite dieser Geschichte: Eine öffentliche Aktion – in dem Falle das Verteilen der Flugblätter – kritisiert ein Projekt. So weit so gut, aber weshalb sind die Exponenten dieser Aktion kaum auffindbar oder haben wenig Interesse, ihre Anliegen in der Öffentlichkeit zu vertreten?

1 Kommentar

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel