Die Übersicht über die Sonntagspresse. (Symbolbild: Keystone)
Schweiz

Drohbrief der Migros und ein Vertrag von 1929, der die SBB täglich 2’500 Franken kostet

Gleichstellung, Maskenüberhang, Drohbriefe von Migros und ein Vertrag von 1929, der die SBB Geld kostet: Was die Sonntagszeitungen schreiben.

Hacker haben laut der NZZ am Sonntag ihre Aktivitäten in der Schweiz während des Coronavirus-Lockdown verstärkt. Die Zeitung beruft sich dabei auf Angaben des Nationalen Zentrums für Cybersicherheit (NCSC) in Bern. Während betroffene Firmen und Privatpersonen bei der Fachstelle des Bundes normalerweise rund 100 Vorfälle pro Woche meldeten, sei diese Kennzahl im April auf mehr als 300 Vorfälle je Woche gestiegen. Auslöser für das wellenartige Auftreten von Cyberangriffen sei oft ein bedeutsames Ereignis, wie die Coronavirus-Krise, hiess es diesbezüglich vom NCSC gegenüber der Zeitung.

Da die Schweiz aber keine Meldepflicht für Cyberkriminalität kenne, dürfte die Dunkelziffer noch höher sein, hiess es weiter. Betroffen seien häufig auch private Anwender, die zu Hause arbeiteten beziehungsweise von ihren Arbeitgebern nicht genügend geschützt würden, erklärte Jewgeni Kaspersky, Chef der Cybersecurity-Firma Kaspersky Lab, zudem gegenüber der NZZ am Sonntag. Sein Unternehmen habe im April weltweit 68,7 Millionen Cyberattacken registriert. Im Februar seien es dagegen 57,2 Millionen gewesen.

Drohbriefe der Migros

Der Verband der Markenartikelhersteller Promarca hat laut der SonntagsZeitung eine Anzeige gegen die Migros bei der Wettbewerbskommission Weko erstattet. Dies bestätigte die Promarca-Geschäftsführerin Anastasia Li-Treyer gegenüber der Zeitung. Dabei gehe es um mutmassliche Verstösse gegen das Kartellgesetz wegen des Missbrauchs von Nachfragemacht, sagte sie. Migros setze Hersteller mit Drohbriefen unter Druck, hiess es weiter.

In Preisverhandlungen verlange die Migros derzeit auf Kosten von Lieferanten eine Preisreduktionen von 10 Prozent. Die Weko habe Migros bereits zu einer Stellungnahme aufgefordert, schrieb die SonntagsZeitung weiter. Migros werde darlegen können, dass der Vorwurf nicht zutreffe, sagte zudem eine Migros-Sprecherin der Zeitung. Viele Mitglieder der Promarca seien internationale Multies, die für identische Produkte in der Schweiz höhere Preise als im Ausland verlangten, hiess es in diesem Zusammenhang weiter.

Kandidaten-Karussell der SVP

Die SVP sucht weiterhin verzweifelt nach einem Parteipräsidenten und zeigt sich laut dem SonntagsBlick offen für die Ausweitung des Kandidatenfeldes. Am gestrigen Samstag habe die Findungskommission zwar den Zürcher SVP-Nationalrat Alfred Heer sowie den Nationalrat und Präsidenten der Aargauer SVP-Sektion Andreas Glarner angehört. Neu ins Spiel sei aber zum Beispiel auch der im Oktober neu in den Nationalrat gewählte Lars Guggisberg (SVP/BE) gekommen, hiess es weiter.

Immer mehr Asbestkrebs-Tote

Die Zahl der Menschen, die an Asbestkrebs sterben, nimmt auch 30 Jahre nach dem Verbot der Asbestfasern in der Schweiz immer noch zu. Dies berichtet die SonntagsZeitung unter Berufung auf neuste Zahlen der Unfallversicherung Suva. Jährlich erkrankten bisher 120 Menschen an tödlichem Asbestkrebs. Die Suva prognostiziert nun neu sogar einen Anstieg auf 170 Fälle pro Jahr. Bis 2040 rechnet sie mit insgesamt 3900 Todesfällen. Die Erkrankung trete meist erst 15 bis 40 Jahre nach dem Einatmen der Fasern auf, hiess es. Aufgrund mangelnder Schutzvorrichtungen bei Asbestsanierungen und Gebäudeumbauten gebe es aber auch heutzutage noch neue Fälle kontaminierter Arbeiter, hiess es weiter.

Vertrag von 1929 zwingt SBB täglich 2’500 Franken ab

Die SBB müssen laut der NZZ am Sonntag eine Strafe zahlen, weil der Sihl-Stausee bei Einsiedeln am 1. Juni nicht den vertraglich vereinbarten Mindestwasserstand aufgewiesen hat. Die SBB als Besitzerin des Etzel-Kraftwerks müsse daher seit Anfang des Monats pro Tag 2’500 Franken als sogenanntes Mückengeld abdrücken. Dieses Entgelt erhalte der Bezirk Einsiedeln – basierend auf einem Vertrag von 1929.

Die SBB pumpen derzeit laut der Zeitung daher Wasser aus dem Zürichsee in den Sihlsee, um in den nächsten Tagen den vorgeschriebenen Mindestpegelstand zu erreichen. Einer SBB-Sprecherin erklärte gegenüber der NZZ am Sonntag, dass das Bahnunternehmen letztmals vor elf Jahren dieses Mückengeld habe bezahlen müssen.

Corona-Impfstudien werden immer schwieriger

Weltweit hoffen die Menschen auf keine zweite Coronavirus-Welle – doch Impfstoffexperten wünschen sich laut dem SonntagsBlick eine solche zweite Ansteckungswelle herbei. «Die Fallzahlen sinken. Das verunmöglicht klinische Tests am Menschen», sagte etwa der Immunologe Beda Stadler zu der Zeitung. Ohne eine zweite Infektionswelle bei dem Coronavirus werde es aber keinen Impfstoff geben, betonte der Wissenschaftler. Zwar könnte man derzeit in Brasilien oder in Russland die Impfstudien durchführen – doch würde es in solchen Ländern politische und soziale Hürden geben, hiess es weiter von dem 69-Jährigen gegenüber dem SonntagsBlick.

Wohin mit all den Masken?

Die Schweiz ertrinkt laut der NZZ am Sonntag förmlich in Schutzmasken. Nach der Beschaffungsaktion sitze die Schweiz auf Millionen von Hygienemasken und wisse nicht mehr, wohin damit. Kaum jemand benutze das Schutzmaterial überhaupt noch, hiess es. Die Zeitung stützt sich dabei auf ein Dossier zum Ablauf der Pandemie in der Schweiz. Rund 250 Millionen Stück haben Behörden und Militär demnach zwischen Ende März und Anfang Juni bestellt. Davon seien rund 40 Millionen Stück zum Selbstkostenpreis an die Kantone und den Detailhandel übergeben worden. Weitere 90 Millionen Masken seien noch in China oder auf dem Weg in die Schweiz. Und rund 120 Millionen Stück befänden sich bereits in den Lagern im Inland. Was mit den überzähligen Masken passieren soll, bleibe offen.

Good News von der Wirtschaftsfront

Die SonntagsZeitung verbreitet in ihrer jüngsten Ausgabe frohe Botschaften zur Wirtschaftsentwicklung. Die Coronavirus-Krise werde weniger schlimm, als bisher gedacht, hiess es. So sei diese Woche bekanntgeworden, dass seit der Öffnung von Läden und Restaurants in der Schweiz bereits wieder so viel konsumiert werde, wie vor der Coronavirus-Krise. Die Besucherzahlen im Detailhandel sowie in Freizeiteinrichtungen hätten zudem bereits wieder das Niveau erreicht, das sie vor dem Lockdown gehabt hatten, hiess es. Ermutigende Zeichen kämen auch vom Arbeitsmarkt: Seit vier Wochen steige die Zahl der neu ausgeschriebenen Stellen, hiess es weiter positiv.

Ermittlungen gegen Klinikdirektoren des Zürcher Unispitals

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich hat laut der NZZ am Sonntag Vorabklärungen gegen drei Klinikdirektoren des Universitätsspitals Zürich eingeleitet. Die Ermittlungen befassen sich mit der Frage, «ob ein Anfangsverdacht für strafrechtlich relevantes Fehlverhalten vorliegt». Dies bestätigte ein Sprecher der kantonalen Oberstaatsanwaltschaft der Zeitung. Mitte der vergangenen Woche sei ein entsprechender Antrag an die Staatsanwaltschaft II, die Abteilung für besondere Untersuchungen, ergangen, hiess es weiter.

Die laufenden Vorabklärungen beträfen Francesco Maisano, den Chef der Herzchirurgie, Martin Rücker, den Direktor der Kieferchirurgie, sowie Daniel Fink, den Leiter der Gynäkologie. Im Raum stünden Vorwürfe wie Körperverletzung, Verletzung des Heilmittelgesetzes oder Urkundenfälschung.

71 Prozent für Vaterschaftsurlaub

Laut einer Umfrage befürworten fast drei Viertel den Vaterschaftsurlaub. Darüber berichten Le Matin Dimanche und der SonntagsBlick unter Berufung auf eine repräsentative Umfrage des Link-Instituts im Auftrag des Vereins Vaterschaftsurlaub jetzt. Dafür seien rund 1000 Wahlberechtigte zwischen dem 20. und 26. Mai befragt worden. Demnach stimmen 71 Prozent der Befragten einem zweiwöchigen bezahlten Urlaub für Väter zu. Nur rund 16 Prozent lehnten das Projekt komplett ab. Als die beiden Hauptargumente für ein Ja nannten die Befragten die Unterstützung der Mütter und die Gleichberechtigung der Geschlechter. Umgekehrt sind bei rund 20 Prozent die Kosten das Hauptargument für ein Nein.

Gleichstellung von Frauen in besseren Positionen habe sich verbessert

Die Gleichstellung von Frauen hat sich laut einer Meldung der NZZ am Sonntag ein Jahr nach dem Frauenstreik verbessert. So sei der Frauenanteil im Nationalrat von 32 auf 42 Prozent und im Ständerat von 15 auf 26 Prozent gestiegen. Frauen seien zudem in den Chefetagen der Wirtschaft auf dem Vormarsch – wenn auch noch auf tiefem Niveau. Obendrein sei das Parlament neu für weiche Quoten für Verwaltungsräte sowie Geschäftsleitungen und bei der Revision des Sexualstrafrechts habe eine Umdenken stattgefunden. Und nicht zuletzt sei sogar im Bundeshaus eine neue Frauenlobby am Werk, wie etwa die FDP-Präsidentin Petra Gössi der Zeitung bestätigte. «Frauen greifen vermehrt auf ein eigenes Netzwerk zurück, welches sich nicht nach einer Parteifarbe richtet», sagte sie.

Bei den Krisenstäben zur Coronavirus-Bekämpfung gebe es noch Potenzial für mehr Frauen, schrieb dagegen der SonntagsBlick.

Weiterer Stellenabbau in der Reisebranche

Zahlreiche Firmen denken laut der SonntagsZeitung über einen Stellenabbau nach beziehungsweise planen im Hintergrund bereits einen Sozialplan für Personalreduktionen. So kündigte der Kuoni-Chef Dieter Zümpel in einem Interview mit der Zeitung umfangreiche Veränderungen an. «Leider musste ich meinen Mitarbeitenden letzte Woche sagen, dass eine Restrukturierung unvermeidbar ist. Wir hinterfragen alles – das Filialnetz, die Produktion der Reisen, aber auch die Kosten der Zentrale», sagte er. Zümpel rechnet für das laufende Jahr mit einem Umsatzeinbruch von bis zu 70 Prozent und könne sich daher auch eine Kooperation mit Konkurrenten vorstellen.

Zudem verhandelt laut der SonntagsZeitung der Bodenabfertiger Swissport seit Mittwoch über einen neuen Sozialplan für den Standort Zürich. Bei Gategroup sei ausserdem die Erarbeitung eines Sozialplans ein Thema. Und auch der Technikdienstleister SR Technics fasse mittelfristig einen Abbau von bis zu einem Drittel der 1300 in Zürich verbliebenen Stellen ins Auge, hiess es.

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