Featured Video Play Icon
Der Telebasel News Beitrag vom 4. Juni 2020.
Basel

Basler Soziologe: «Das Rassismus-Problem muss gelöst werden»

Der Tod von George Floyd war Auslöser für eine der massivsten Protestbewegungen in den USA der vergangenen Jahre. Auch in Basel beschäftigt der Vorfall.

Diese Bilder gingen um die Welt. Ein Polizist in der Stadt Minneapolis im Bundesstaat Minnesota hatte sein Knie fast neun Minuten lang in den Hals des am Boden liegenden George Floyds gedrückt. Der 46-Jährige war festgenommen worden, weil er verdächtigt wurde, mit einem gefälschten 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben. Anwälte der Familie von George Floyd legten am Montag einen Autopsiebericht vor, der vorläufigen Erkenntnissen der Behörden widerspricht und die Polizei schwer belastet. Unabhängige Gerichtsmediziner seien zu der Erkenntnis gekommen, dass Floyd bei dem brutalen Polizeieinsatz am Montag vergangener Woche in Minneapolis erstickt sei.

Seit Tagen kommt es in Washington, New York und anderen US-Metropolen zu Demonstrationen gegen Polizeigewalt, Rassismus und soziale Ungerechtigkeit. Der Basler Historiker und Soziologe Henri-Michel Yéré beobachtet das Geschehen in den USA genau. Er sagt, es sei kein Zufall, dass genau jetzt so eine massive Reaktion kommt: «Die wirtschaftliche Krise gepaart mit der gesundheitlichen Krise, war für viele Menschen in den USA einfach zu viel.»

Die Reaktion, die folgte, zeige laut Yéré aber auch, wie gravierend die Problematik ist. Nicht nur Schwarze würden auf die Strasse gehen. Auch Weisse und Latinos haben sich der Black Lives Matter-Berwegung angeschlossen. Es sei nun endlich an der Zeit das Rassismus-Problem in den USA anzupacken, so Yérré. «Man muss nicht einfach sagen: Ja, es gibt ein paar böse Polizisten. Die gibt es sicher. Aber wir sprechen von der Struktur der Organisation.»

(Video: Telebasel)

Trump als Hüter von Recht und Ordnung

2020 ist ein Wahljahr in den USA. Trump wirbt seit Tagen für einen Einsatz des Militärs, um Ausschreitungen am Rande der Proteste zu unterbinden. Auf Trumps Befehl hin sind Soldaten in die Hauptstadt Washington verlegt worden. Am Dienstag hatte sich auch der frühere Generalstabschef Mike Mullen entsetzt gezeigt und Trumps Regierung scharf dafür kritisiert.

Yérré sieht dahinter eine Taktik. «Er spricht immer von Law and Order (Recht und Ordnung). Die Idee dahinter ist, als Vertreter der Ordnung die konservativen Schichten in den USA zu sich zu ziehen». Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt: Diese Strategie kann aufgehen. Während des Vietnam-Krieges kam es in den USA zu heftigen Protesten mit viel mehr Toten. Damals wählten die Amerikaner als Reaktion den sehr konservativen Richard Nixon und das gleich zweimal hintereinander.

Rassismus von Polizisten gegenüber Schwarzen betrifft aber nicht nur die USA. Laut einem Bericht der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus sind letztes Jahr in der Schweiz 23 Fälle von Racial-Profiling bei den kantonalen Beratungsstellen gemeldet worden. Henri-Michel Yéré kennt diese Situation leider zu gut. Auch er sei schon willkürlich kontrolliert worden. Am Flughafen, im Zug, im Tram. «Das ist nicht ok. Ich bin Vater. Und ich denke an meine Kinder, die nur weil sie meine Söhne sind, das erleben werden». Die komplexe Thematik beschäftigt auch die Basler.

Für Samstag ist eine Kundgebung im St. Johanns-Park angekündet.

Mehr zum Thema sehen Sie in den Telebasel News ab 18:30 Uhr und ab 19:00 stündlich in der Wiederholung.

1 Kommentar

  1. Sie haben ja leider so recht. Unsere Gesellschaft in der Schweiz, vor allem die Alten sind rassistisch geprägt !!!
    Aber nicht nur; ich habe fast 4 Jahre in Kenya gelebt und kaum etwas anderes als, koloniales Verhalten der Weissen, gegenüber den Gastgebern erlebt !!! Für mich waren das unhaltbare Zustände der weissen Herrenrase !!!Report

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*