Die Corona-Situation ist international sehr unterschiedlich. (Bild: Keystone)
International

So unterschiedlich ist die Corona-Lage weltweit

Beichten trotz Corona, Hilfsgüter, Ausstellungen und Virus-Ausbruch im Flüchtlingslager. So präsentiert sich die Corona-Situation weltweit.

Südamerika hat sich zu einem Hotspot der Coronavirus-Pandemie entwickelt. Ganz vorn: Brasilien. Bei der Zahl der Infizierten liegt es auf Platz zwei nach den USA. Während in dem südamerikanischen Land Fussballstadien zu provisorischen Kliniken umgerüstet werden, lässt sich Präsident Jair Bolsonaro von den USA Millionen Dosen eines Malariamittels liefern – dessen Wirksamkeit bei der Lungenkrankheit Covid-19 noch nicht abschliessend geklärt ist.

Mehr als eine halbe Million Fälle in Brasilien

Die Zahl der Corona-Fälle in Brasilien ist auf über eine halbe Million gestiegen. Mehr als 526 000 Menschen haben sich nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, wie die Universität Johns Hopkins am Dienstag mitteilte. Nach den USA ist Brasilien das Land mit den meisten Corona-Infektionen weltweit. Da im grössten Staat Lateinamerikas relativ wenig getestet wird, dürfte die tatsächliche Zahl der Infizierten allerdings noch wesentlich höher sein.

Rund 30 000 Menschen sind bislang im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Damit liegt Brasilien nach den USA, Grossbritannien und Italien bei der Zahl der Todesopfer der Pandemie an vierter Stelle. In vielen Städten Brasiliens haben die Krankenhäuser bereits ihre Belastungsgrenze erreicht. Die Behörden richten provisorische Kliniken in Fussballstadien ein und lassen auf riesigen Flächen neue Gräber ausheben.

USA liefern Hydroxychloroquin zur Corona-Behandlung nach Brasilien

Die Vereinigten Staaten schicken entgegen medizinischer Empfehlungen zwei Millionen Dosen Hydroxychloroquin zum Einsatz gegen das Coronavirus nach Brasilien. Das Malariamittel soll zur Prävention bei Krankenschwestern und Ärzten sowie zur Behandlung von Infizierten eingesetzt werden, wie aus einer gemeinsamen Erklärung der beiden Länder vom Sonntag (Ortszeit) hervorging.

Um das Medikament zur Anwendung bei Corona-Patienten zu empfehlen, hatte das brasilianische Gesundheitsministerium jüngst seinen Leitfaden für Ärzte geändert. Gesundheitsminister Nelson Teich, selbst ein Mediziner, hatte gar um seine Entlassung gebeten, weil er anders als der rechte Präsident Jair Bolsonaro gegen den Einsatz war.

Hydroxychloroquin wird zur Behandlung von Malaria und bestimmten Autoimmunkrankheiten eingesetzt. Ob sich das Medikament auch zur Behandlung der Lungenkrankheit Covid-19 eignet, ist noch nicht abschliessend geklärt. Die Nebenwirkungen des Präparats hingegen gelten als gut erforscht. Unter anderem kann die Einnahme zu einem erhöhten Risiko für Herzrhythmus-Störungen führen.

300 asymptomatische Corona-Fälle in Wuhan nachgewiesen

Bei Tests von fast zehn Millionen Bürgern in Wuhan sind 300 asymptomatische Infektionen mit dem Coronavirus entdeckt worden. Die angesteckten Personen und 1174 enge Kontaktpersonen seien isoliert worden und stünden unter medizinischer Beobachtung, berichteten die Behörden nach Angaben der Staatsmedien am Dienstag.

Den Anteil der Infizierten ohne Symptome an der Bevölkerung beschrieben die Experten als «äusserst gering». Auch seien keine Ansteckungen durch diese Personen festgestellt worden. Die Tests waren seit Mitte Mai über zwei Wochen vorgenommen worden.

In der zentralchinesischen Metropole war das Sars-CoV-2-Virus im Dezember zuerst entdeckt worden. Die Stadt war in China am stärksten vom Ausbruch des Erregers betroffen. Vom 23. Januar an wurde Wuhan für 76 Tage von der Aussenwelt abgeriegelt. Von den landesweit 4634 amtlich gemeldeten Todesfällen durch die Lungenkrankheit Covid-19 gab es allein 3869 in der Provinzhauptstadt.

Sünden auf Blatt Papier gegen Corona-Ansteckung in Russland

Lange hat die orthodoxe Kirche die Corona-Epidemie ignoriert, und viele Geistliche in Russland sind mit dem Virus gestorben. Am kommenden Samstag öffnen nach wochenlanger Schliessung die Gotteshäuser wieder. Die Hauptkirche im Land, die Erlöser-Kathedrale in Moskau, ist bereits seit Dienstag geöffnet. Viele Gläubige traf es hart, dass sie zum Beispiel zu Ostern nicht in der Kirche beten durften. Gottesdienste wurden allenfalls heimlich gefeiert. In der Hauptstadt Moskau waren im Kampf gegen das Virus selbst die Friedhöfe für Besucher geschlossen worden.

Gottesdienste sind nun unter Auflagen wieder möglich. Jeder muss Mund- und Nasenschutz sowie Handschuhe tragen und reichlich Abstand halten. Vier Quadratmeter sind pro Person vorgeschrieben. Markierungen auf dem Boden sollen daran erinnern. Damit die Ansteckungsgefahr beim Beichten nicht so gross ist, sollen die Gläubigen ihre Sünden auf einen Zettel schreiben und dem Pfarrer dann überreichen.

Kirill musste Machtwort sprechen

Viele Geistliche und Gläubige hatten sich bis zuletzt den Auflagen der Behörden widersetzt. Während Massenveranstaltungen bereits verboten waren, wurden weiter Gottesdienste gefeiert und Ikonen geküsst. Konservative Kirchenvertreter behaupteten sogar lange, dass es unmöglich sei, sich in einem Gotteshaus anzustecken.

Patriarch Kirill sprach dann ein Machtwort: Alle Geistlichen, die die Einschränkungen nicht akzeptierten, würden zur Verantwortung gezogen und könnten sogar aus dem Priesterstand entlassen werden.

Hilfsgüter für Menschen in Venezuela

Inmitten der grassierenden Corona-Pandemie ist ein Flugzeug mit rund zwölf Tonnen Hilfsgütern in Venezuela eingetroffen. Die von der deutschen Bundesregierung gecharterte Maschine landete am Freitag auf dem Hauptstadtflughafen Maiquetía, wie die Vereinten Nationen mitteilten. Die Lieferung umfasste unter anderem 127 000 Tabletten zur Wasseraufbereitung, 18 Wassertanks und 40 000 Pakete mit Nahrungsergänzungsmitteln. Seit Beginn der Corona-Krise haben die UN über 100 Tonnen Hilfsgüter in das krisengeschüttelte südamerikanische Land gebracht.

«Die lebensnotwendigen Güter werden die Versorgungslage und den Zugang zu sauberem Wasser für Tausende Familien verbessern», sagte der UN-Koordinator für humanitäre Angelegenheiten in Venezuela, Peter Grohmann.

Venezuela steckt seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise, die zuletzt durch die Corona-Pandemie noch einmal verstärkt wurde. In dem einst reichen Land fehlt es an Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff. Millionen Venezolaner haben ihre Heimat verlassen.

Erster Corona-Toter in Rohingya-Flüchtlingslager in Bangladesch

In Bangladesch gibt es in einem der grössten Flüchtlingslager weltweit erstmals einen Toten in Zusammenhang mit dem Coronavirus. Der 71-jährige Rohingya sei in der Nacht auf Dienstag gestorben, sagten die zuständigen Behörden der Deutschen Presse-Agentur. Er sei einer von 30 Menschen im Lager, die bisher positiv auf das Virus getestet worden seien.

Das südasiatische Bangladesch gehört zu den am dichtesten besiedelten und am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Im Kampf gegen das Virus ist die Region, in der mehr als eine Million Rohingya-Flüchtlinge leben, nun seit Wochen abgeriegelt.

Im ganzen Land mit seinen 160 Millionen Einwohnern gebe es schätzungsweise gerade einmal 2000 Beatmungsgeräte, hiess es kürzlich von Save the Children. In Bangladesch sind inzwischen nach offiziellen Zahlen mehr als 49 000 Infektionen bekannt, knapp 700 Menschen sind im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben.

Mundschutz in der Kunst – Ausstellung in Riga

In Lettland haben sich Künstler eines der sichtbarsten Zeichen der Coronavirus-Pandemie vorgenommen. In der Sonderausstellung «Schutzmasken» zeigt die Galerija Istaba in der Hauptstadt Riga noch bis mindestens Ende Juni rund 170 kreative und fantasievolle Varianten und Abwandlungen der Mund-Nase-Bedeckung. Zu sehen sind echte Masken, aber auch thematische Gemälde, abstrakte Skulpturen und andere künstlerische Ausdrucksformen.

«Die Arbeiten dokumentieren die gegenwärtigen Beobachtungen und Gefühle der Künstler. Sie zeigen, wie sie die Lage auffassen, und sollen auch einen positiven Blick auf die traurige Situation werfen», sagte Galerie-Inhaberin und Kuratorin Linda Luse der Deutschen Presse-Agentur in Riga. «Kunst reagiert immer auf aktuelle Ereignisse.»

Mexiko beginnt trotz mehr als 10 000 Toten «neue Normalität»

Mexiko hat seine Wirtschaft weiter geöffnet und zugleich bei der Zahl der Todesopfer infolge der Corona-Pandemie die Marke 10 000 überschritten. Wie das Gesundheitsministerium am Montagabend (Ortszeit) informierte, stieg die Zahl der Corona-Toten im Vergleich zum Vortag um 237 auf 10 167, die Zahl der bestätigten Infektionen lag bei 93 435. Das waren 2771 mehr als am Sonntag.

Der erste Fall in Mexiko war im März registriert worden. Inzwischen hat das Land mit der zweithöchsten Bevölkerungszahl – 130 Millionen Einwohner – in Lateinamerika auch die zweithöchste Zahl der Todesopfer in der Corona-Pandemie nach Brasilien erreicht.

Trotz der steigenden Opferzahlen infolge der Pandemie begann in Mexiko am Montag die sogenannte neue Normalität: Je nach Region und Situation in der Corona-Krise können weitere wirtschaftliche Aktivitäten zusätzlich zu den für essenziell befundenen beginnen. «Dies ist ein sehr besonderer Tag», hatte Präsident Andrés Manuel López Obrador gesagt. Er hält den Prozess der Normalisierung für die Reaktivierung der Wirtschaft für notwendig. López Obrador selbst nutzte den Tag, um eine einwöchige Reise in den Südosten des Landes zu beginnen, wo die Touristenhochburg Cancún liegt.

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