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Schweiz

Arbeitslosigkeit könnte sich verdoppeln und Alkoholkonsum rückläufig

Das Thema Corona dominiert auch heute die Schlagzeilen der Sonntagspresse. Die wichtigsten Themen: Arbeitslosigkeit und infiziertes medizinisches Personal.

Verdopplung Arbeitslosigkeit

Die Wirtschaftskrise als Folge der Corona-Pandemie dürfte laut dem Arbeitsmarktexperten Michael Siegenthaler zu einer Verdoppelung der Langzeitarbeitslosigkeit im kommenden Jahr führen. Das sei problematisch, sagte Siegenthaler gegenüber dem «SonntagsBlick». Denn wer länger als ein Jahr ohne Stelle sei, habe es schwerer, wieder einen Job zu finden. Das gelte vor allem für ältere Arbeitslose oder Personen mit schwierigem Lebenslauf. Zunehmen werde als Folge der Krise auch die Unterbeschäftigung, die vor allem Frauen betreffe. Gemeint sind damit Personen, die Teilzeit arbeiten, aber eigentlich ein höheres Pensum möchten.

Grundstückspreise vielerorts verdoppelt

Für junge Leute ist der Traum eines Eigenheims in weite Ferne gerückt. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Preise vielerorts verdoppelt, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Mit einem durchschnittlichen Einkommen habe man in der Stadt Zürich vor 20 Jahren noch eine Wohnung mit 109 Quadratmeter Fläche kaufen können. Inzwischen reiche es gerade noch für 48 Quadratmeter. Zu diesem Ergebnis komme eine Analyse des Immobiliendienstleisters Iazi. Die Analyse berücksichtigt, dass in den letzten 20 Jahren das mittlere Einkommen eines Haushalts von 105’000 auf 121’000 Franken gestiegen ist. In Basel schrumpfte die bezahlbare Fläche von 120 auf 67 und in Bern von 125 auf 79 Quadratmeter.

Alkoholkonsum rückläufig

Während des Lockdown ist der Konsum alkoholischer Getränke in der Schweiz eingebrochen. Laut der Vereinigung Schweizerischer Weinhandel ging der Weinabsatz um 35 Prozent zurück, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Der Verband der Spirituosenhersteller stellte seinerseits einen Umsatzrückgang von 25 Prozent wegen der Coronakrise fest. Und beim Bier wurde bis Ende April 5,9 Prozent weniger abgesetzt als zum gleichen Zeitpunkt des letzten Jahres. Der Sommer dürfte ebenfalls schwierig werden, sind doch umsatzstarke Veranstaltungen wie Festivals abgesagt worden.

Forscher drohen abgehängt zu werden

Die Schweiz droht im Rennen um einen Impfstoff gegen das Coronavirus abgehängt zu werden. Waren auf dem Höhepunkt der Pandemie mehrere Schweizer Forscher noch in der Pole-Position, so blieben viele in der Schweiz entwickelte Impfstoffe in der präklinischen Phase stecken. Keines der Projekte habe bisher ein Gesuch für eine klinische Studie eingereicht. Das bestätigten die zuständigen Zulassungsbehörden Swissethics und Swissmedic gegenüber der «SonntagsZeitung». Im Gegensatz zu den Schweizer Entwicklern seien ausländische Forscherteams laut einer Liste der WHO schon viel weiter.

Infektionsrate medizinisches Personal

Die Spitäler in der Schweiz sind glimpflich durch die Coronakrise gekommen. Wie eine Umfrage der «SonntagsZeitung» bei den grossen Spitälern zeigt, gab es bis Mitte Mai 2100 Coronafälle bei Ärzten, Pflegepersonal und weiteren Angestellten. Die Infektionsrate beim Spitalpersonal betrug etwas mehr als zwei Prozent. Am stärksten betroffen waren Spitäler in der Westschweiz, wo auch die Fallzahlen höher sind. Die Ansteckungen verliefen ohne grosse Komplikationen. Weniger als ein Dutzend Fälle waren derart gravierend, dass die Angestellten längere Zeit im Spital behandelt werden mussten. An der Umfrage nahmen 20 Spitäler mit fast 100’000 Beschäftigten teil.

Viele Spitäler und Sanitätsstellen nutzlos

Der Zivilschutz und die Armee in der Schweiz verfügen zwar über Spitäler und Sanitätsstellen. In der Coronakrise waren diese Einrichtungen jedoch nicht zu gebrauchen. Ein Rapport der Eidg. Finanzkontrolle, den die «SonntagsZeitung» publik macht, dokumentiert den Zustand der 94 geschützten Spitäler, die theoretisch Platz bieten für 22’500 Patienten. Der Zustand zahlreicher Anlagen sei unbefriedigend und die Vorbereitung auf den Katastrophenfall unzureichend. Der Kanton Basel-Stadt wandelte seine geschützte Abteilung des Unispitals gar in Parkplätze um. Mehrere Kantone nutzten die Anlagen zur Unterbringung von Asylsuchenden.

UNO warnt vor neuem Anti-Terror-Gesetz

Fünf Uno-Sonderberichterstatter warnen die Schweiz in einem Brief vor der Umsetzung des neuen Anti-Terror-Gesetzes. Das Gesetz öffne dem willkürlichen Freiheitsentzug Tür und Tor. Es sei weder mit der Europäischen Menschenrechtskonvention noch mit der Uno-Kinderrechtskonvention vereinbar. Die Uno-Sonderberichterstatter schreiben laut einem Bericht des «SonntagsBlick», dass die Anwendung dieses Gesetzes zu erheblichen Verletzungen der Menschen- und Grundrechte führe. Der Nationalrat stimmt Mitte Juni über die Vorlage ab. Der Ständerat hat bereits grünes Licht gegeben.

Lobbyisten wollen Zutritt

Die Lobbyisten sind ausgesperrt, seit das Eidg. Parlament in den Berner BEA-Hallen tagt. Nun verlangt die Schweizerische Public Affairs Gesellschaft in einem Brief an das Parlamentsbüro das Ende der Zutrittsbeschränkung. Während der kommenden Sommersession müssten die Lobbyisten Zugang zum BernExpo-Gelände haben. Zahlreichen Politikern stösst das laut «SonntagsBlick» sauer auf. SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel findet den Brief «unglaublich dreist». Derzeit hätten noch nicht einmal alle Parteisekretäre Zugang. Das Ziel, ab Dienstag Zugang zum Parlamentsbetrieb zu erhalten, können die Lobbyisten vergessen. Die Verwaltungsdelegation lehnt das Anliegen ab.

Rickli zum Unispital Zürich

Die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli hat in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» erstmals zu den Turbulenzen am Zürcher Universitätsspital Stellung genommen. Die Hauptverantwortung für das Spital trage der Spitalrat mit seinem Präsidenten Martin Waser. Der Rat habe seine Verantwortung offensichtlich nicht genügend wahrgenommen. Rickli kritisiert insbesondere das spitalinterne Kontrollsystem. Die Risiken seien zu spät erkannt worden. Zudem sei die Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit und der Gesundheitsdirektion nicht optimal gewesen. In den letzten Wochen waren gleich drei Chefärzte wegen Vorwürfen suspendiert oder beurlaubt worden.

Russischer Oppositioneller kritisiert BA

Der russische Oppositionelle Alexei Nawalny kritisiert in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) scharf. Die BA habe in den letzten Jahren allzu engen, privaten Kontakt zu Vertretern der russischen Generalstaatsanwaltschaft gehabt. Dadurch seien wichtige Ermittlungen in Fällen mutmasslicher Geldwäscherei in der Schweiz behindert oder gar verhindert worden. Nawalny bezieht sich dabei auf einen Bootsausflug von Bundesanwalt Michael Lauber, sowie auf Jagdausflüge des ehemaligen Russland-Experten der Bundespolizei.

FDP unterstützt CO2-Gesetz

Das Eidgenössische Parlament berät in der Sommersession, die am Dienstag beginnt, das CO2-Gesetz. Die FDP wird die Vorlage in der aktuellen Fassung unterstützen. Sie sei ausgewogen und für die Wirtschaft verkraftbar, sagte FDP-Präsidentin Petra Gössi gegenüber der Westschweizer Sonntagszeitung «Le Matin Dimanche». Gössi glaubt, dass die Bevölkerung bereit ist, Anstrengungen für den Klimaschutz zu unternehmen. Sie appellierte jedoch an die Linke, das Gesetz nicht übermässig zu befrachten. Sonst drohe, dass die Vorlage nicht die nötige Mehrheit erhalte.

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