Christian Drosten produziert mit dem NDR seit Wochen einen Corona-Podcast. (Bild: Keystone)
International

Swiss-Covid-App könnte Superspreader entlarven

Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité, empfiehlt, die Strategie gegen Covid-19 anzupassen. Helfen könnte dabei die Swiss-Covid-App.

Experten rechnen nicht zwingend mit einer zweiten Covid-19-Welle in der Schweiz. Aber falls sie kommt, könnte das für die Schweiz 5’000 Todesopfer durch den Virus bedeuten, hat die ETH berechnet. Dieses Szenario sei auch ohne Impfstoff verhinderbar, sagt der Leiter der Virologie an der Berliner Charité, Christian Drosten.

Superspreader ausfindig machen

In seinem neusten Podcast erklärt er, wie wichtig sogenannte Superspreader für die Verbreitung des Virus sind. Basierend auf der Beobachtung, dass manche Infizierte niemanden anstecken, andere handkehrum massenweise Menschen, ist dieser Begriff entstanden.

Und genau auf diese Superspreader solle man sich zukünftig bei der Bekämpfung des Virus konzentrieren, so Drosten. Es gelte,  Anhäufungen von Infektionen so schnell wie möglich als Superspreading-Ereignis zu erkennen. Die Virenschleuder sei im Prinzip die rote Murmel zusammen mit neun gelben Murmeln in einem Kasten, aus der man blind eine nach der anderen herausnimmt. Sie könne als Erstes, aber auch als Letztes gezogen werden.

Schulen und Kindertagesstätten als Cluster

Auch einem Superspreader sehe man nicht an, dass er eine Virenschleuder ist. Deshalb müsse man bei einem positiven Test sofort dessen Umgebung anschauen. Man müsse hinsichtlich der Kontakte dieser Person überprüfen, ob sie Teil eines Superspreading-Ereignisses sein könnten. Ein wichtiger Faktor könnte dabei eine Tracing-App darstellen, wie sie in der Schweiz zurzeit getestet wird.

Sollten im Umfeld des potentiellen Superspreaders Testergebnisse positiv ausfallen, dürfe man keine weiteren Tests abwarten, sondern müsse alle beteiligten Personen sofort als infiziert betrachten und isolieren, so Drosten. «Wir müssen unsere Strategie ändern und wir müssen das vor allem auch in der Situation berücksichtigen, die jetzt zwangsläufig auf uns zukommt, in der wir bei einem entdeckten Fall immer ein Cluster-Risiko haben: In Schulen und Kindertagesstätten.»

Die Aufdeckung dieser Ansteckungs-Cluster sei in Japan von Anfang an angewendet worden und habe sehr gut funktioniert.

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