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Der Telebasel Report vom 27. Mai 2020.
Basel

Report: Basler Rotlichtszene vor dem Abgrund

Happy End für die Erotikbranche: Sex-Dienstleistungen sind ab 6. Juni wieder erlaubt. Die Rotlichtszene entgeht so knapp der Katastrophe.

«Wenn das passiert, bin ich obdachlos. Dann weiss ich nicht mehr weiter…», sagte Lisa vor wenigen Tagen tief betrübt. Lisa ist Escort-Girl und bietet in einem Erotikstudio Sex gegen Geld. Genauer gesagt: «bot» in einem Erotikstudio Sex gegen Geld. Denn: Seit Mitte März ist Prostitution in der Schweiz verboten. Bliebe das auch über den 8. Juni hinaus so, dann sähe sich Lisa auf der Strasse stehen.

Escort-Girl «Lisa» zeigt im Report, dass Sex mit Schutzmaske auch erotisch sein kann. (Bild: Telebasel)

Bundesrats-Lockerung im letzten Moment

Zum Glück von Lisa und rund 40‘000 weiteren Vertretern der Erotik-Branche hat der Bundesrat am heutigen Mittwoch, 27. Mai 2020, das Berufsverbot jedoch aufgehoben und Erotik- sowie Prostitutionsdienstleistungen explizit wieder erlaubt. Der Entscheid kam jedoch um fünf vor Zwölf, sagt Lisa: «Ich bekomme weder Arbeitslosengeld noch Kurzarbeitsentschädigung: Ich muss meine Stammkunden fragen, ob sie mir 20 Franken fürs Einkaufen geben.» Die letzten Monate seien für sie der Horror gewesen.

Dürfen die Sex-Arbeiterinnen nicht wie hier an der Theke der Bermuda Bar sitzen, verlagert sich das Milieu automatisch in den Untergrund, sagt Bar-Betreiberin Rebekka Emmenegger im Report. (Bild: Telebasel)

Rückkehr zur Illegalität

Nicht nur Lisa, sondern hunderten von Prostituierten in Basel ging es gleich. Die Folge: Die Dienstleistungen rutschten vermehrt in den Untergrund, sagt Rebekka Emmenegger von der Bermuda Bar in Basel: «Was sollen die Frauen auch tun? Irgendwo her müssen sie Geld kriegen.» Entsprechend fehle den Damen aktuell auch jenes Mindestmass an Schutz, das ihnen Etablissements wie die Bermuda Bar normalerweise bieten würden: «Was sollen sie tun, wenn ein Kunde nicht zahlt? Der Polizei anrufen und erzählen, dass sie illegal arbeiten?»

Not macht erfinderisch: Dank der Coronakrise ist es Kevin Schweizer aus Frenkendorf gelungen, rund 600 Vertreter der Branche von den Vorteilen eines Branchenverbands zu überzeugen. (Bild: Telebasel)

Der Report zeigt, wie die Erotikbranche monatelang vergessen wurde und nur dank einem gewaltigen Kraftakt am Ende doch noch jenes Gehör erhalten hat, welches ihr nun kurz vor knapp doch noch eine Zukunft schenkt.

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