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Sehen Sie hier die Medienkonferenz des Bundes noch einmal an. (Video: Youtube/Der Schweizerische Bundesrat)
Schweiz

BAG-Koch: «Wir müssen jeden einzelnen Fall entdecken»

Das BAG informierte am Nachmittag in Bern über die neusten Entwicklungen der Pandemie und die Tracing-App. Eine Übersicht.

Die epidemiologische Entwicklung in der Schweiz ist weiterhin sehr erfreulich. Die Corona-Fallzahlen, die Hospitalisationen sowie die Todesfälle sinken weiter. Damit das so bleibt, braucht es laut dem Bund aber weitere Anstrengungen – vor allem bei der Rückverfolgung.

Das sogenannte Contact-Tracing funktioniere im Moment nur suboptimal, sagte Daniel Koch, Delegierter des Bundesamts für Gesundheit (BAG) für Covid-19, am Montag vor den Bundeshausmedien. «Wir müssen besser wissen, wer wann wo war.» In Restaurants und Bars ist die Angabe der Kontaktdaten freiwillig. Koch wünscht sich, dass mehr Personen mitmachen. Zudem müssten sich alle Personen mit grippeähnlichen Symptomen testen lassen. «Wir müssen alle Corona-Fälle entdecken», sagte Koch. Er appellierte an den Durchhaltewillen der Bevölkerung. «Wir müssen bis im Herbst durchhalten – und wenn nötig viel länger.» Alles zum Thema erfahren Sie hier.

Sport-Zuschauer nur mit Rückverfolgbarkeit

Das Contact-Tracing spiele auch in Zusammenhang mit Durchführungen von Sportevents eine wichtige Rolle. «Es ist denkbar, dass man ab Juli wieder Fussballspiele mit Zuschauern hat. Wenn nachvollzogen werden kann, wer wo sich aufhält. Alles andere muss im Schutzkonzept erfasst sein. Die Rückverfolgbarkeit im Stadion muss möglich sein – das ist der springende Punkt.» Wenn es einen Corona-Fall gebe in einem Stadion, könne man nicht 10’000 Menschen in Quarantäne stecken. Deshalb müsse man wissen, wer sich wo aufhalte im Stadion. So können die Menschen in der direkten Umgebung in die Quarantäne geschickt werden.

Baldiges Wiedersehen mit den Grosseltern?

Wegen der tiefen Corona-Fallzahlen sind auch bei den Risikopersonen weitere Lockerungen angezeigt. Beispielsweise dürften Grosseltern ihre Enkelkinder bald wieder hüten können. «Wir werden die Empfehlungen überprüfen», sagte Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Eine Lockerung bei der Kinderbetreuung sei absehbar. Die Empfehlungen würden in den nächsten Tagen und Wochen angepasst, sagte Koch am Montag vor den Bundeshausmedien.

Rückverfolgung der Kontakte Infizierter klappt gut

Im Kampf gegen das Coronavirus funktioniert die Rückverfolgung der Kontakte von Infizierten gut. Eine weitere Verbesserung erhoffen sich die Behörden von einer Tracing-App auf dem Mobiltelefon. Über diese muss das Parlament noch entscheiden.

Wie Christos Pouskoulas, Leiter Gesundheitsversorgung und stellvertretender Kantonsarzt des Kantons Luzern, erklärte, sind sich die Kantone ihrer Verantwortung bewusst. Sie hätten zur Rückverfolgung der Infektionswege zum Teil Personal aufgestockt und ausgebildet. Andere hätten das sogenannte Contact Tracing an Dritte vergeben. Im Kanton Luzern sei das etwa die Lungenliga. Weitere Informationen finden Sie hier.

Pilotphase für Tracing-App startet

Die Pilotphase für die Schweizer Tracing-App ist am Montag gestartet. Das sagte Sang-Il Kim, Leiter Abteilung Digitale Transformation im Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Die Pilotphase sei darauf angelegt, eine Person zu sensibilisieren, die mit einer mit dem Coronavirus infizierten Person in Kontakt war. Der Einsatz der App ist freiwillig. Die Informationen werden verschlüsselt auf dem Smartphone und nicht zentral gespeichert. Die App soll das bisherige Contact-Tracing ergänzen.

Die theoretischen Konzepte stammen von der ETH Zürich. Mitbeteiligt an der Pilotphase ist auch die Armee. Apple und Google setzen eine Schnittstelle dafür zu Verfügung. Alles zum Thema lesen Sie hier.

Schweiz nutzt App als erstes Land

Der dezentrale Ansatz steht dabei im Vordergrund, so soll eine Überwachung verhindert und der Datenschutz gewährleistet werden, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mitteilte. Die SwissCovid App kann mit den aktuellsten iOS- und Android-Versionen benutzt werden. Sie enthalten mit der gemeinsam von Google und Apple entwickelten Exposure Notification API neu eine Schnittstelle für die SwissCovid App.

Damit ist die Schweiz das erste Land weltweit, das die Schnittstelle von Google und Apple für das Proximity-Tracing nutzt. Gemäss einer Umfrage begrüssen 70 Prozent der Schweizer Bevölkerung die Einführung der App. Details zum Thema finden Sie hier.

(Video: Keystone-SDA)

Tourismus erholt sich nach Lockerungen nicht so schnell

Ohne negative Überraschungen dürfte es für den Tourismus weitere Lockerungen geben, wie Erik Jakob, Leiter der Direktion für Standortförderung im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), am Montag vor den Bundeshausmedien sagte. Er stellte einen entsprechenden Bundesratsentscheid für Mittwoch in Aussicht. Im Beherbergungssektor sei die Wertschöpfung indessen um 90 und in der Gastronomie um 80 Prozent eingebrochen, sagte er weiter. Nach Schätzungen der ETH-Konjunkturforschungsstelle KOF dürfte der Einbruch im laufenden Jahr 30 Prozent betragen.

Die Erholung werde dauern, denn sie hänge auch von weichen Faktoren wie der Reiselust ab, sagte Jakob. Wichtig sei die Grenzöffnung zu den Nachbarländern am 15. Juni. Namentlich die Deutschen stellten nach den Inländern die wichtigste Touristenkategorie dar.

Vielumworben sind indessen die Inländerinnen und Inländer. Laut Jakob sind die an der Sondersession der eidgenössischen Räte gesprochenen Hilfen für den Tourismus auch an die Bedingung preisgünstiger Angebote geknüpft. Im Allgemeinen gelte jetzt die Devise: Die Angst, herauszugehen, ist unbegründet. Weiter hielt Jakob fest, die etwas langweilige Sauberkeit der Schweiz sei nun auf internationaler Ebene zu einem Trumpf geworden.

Noch 100 Armeeangehörige sind im Einsatz. Bis Ende Wochen werden sie entlassen. Das bedeutet, dass alle Soldaten, die für die Corona-Pandemie 2020 aufgeboten wurden, aus dem Einsatz entlassen werden.

Noch tausend Soldatinnen und Soldaten im Corona-Einsatz

Der Armeeeinsatz während der Corona-Krise wird weiter schrittweise abgebaut. Zurzeit sind noch rund tausend Armeeangehörige im Einsatz – die meisten im Sicherheitsbereich.

Im Sicherheitsbereich seien bei der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) und den Kantonen Waadt und Genf noch 650 Personen im Einsatz, vor allem an der Grenze und für den Botschaftsschutz, sagte Brigadier Raynald Droz, Stabschef Kommando Operationen im Verteidigungsdepartement VBS, am Montag vor den Bundeshausmedien.

Im Gesundheitsbereich wird die Armee bis Ende dieser Woche nur noch rund hundert Berufsmilitärs beim Staatssekretariat für Migration (SEM) und im Kanton Zürich im Einsatz haben. Das Militär will auch Bilanz ziehen und lädt alle in dieser Krise beteiligten Kommandanten zu einer Nachbesprechung im Juli, wie Droz weiter sagte.

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