Die Beziehung zwischen Trainer Marcel Koller und dem FC Basel hat ihren kritischen Punkt längst überschritten. (Bild: Keystone)
Basel

Koller-Abgang ist nur eine Frage des Zeitpunkts

Bleibt Marcel Koller FCB-Trainer oder nicht? Diese Frage scheint sich bald zu erübrigen. Es geht nur noch um den Zeitpunkt der Trennung und deren Kommunikation.

Fussball und Liebe – zwei Sachen von unterschiedlicher Wichtigkeit. Und doch von der Kernessenz her gar nicht so verschieden: Ein Verhältnis getränkt von Emotionen, Leidenschaft und Adrenalin beginnt – meistens ohne Vorwarnung. Schmetterlinge flattern im Bauch. Die rosarote Brille ist aufgesetzt. Alles ist perfekt. Das Gefühl überstrahlt alles. Niemand und nichts kann dich in deiner Blase beeinflussen. Doch das ist nur eine Phase.

Marcel Koller kam als Heilsbringer zum FC Basel. Er sollte Stabilität bringen. Er sollte Erfahrung bringen. Er sollte Rotblau zurück in die Erfolgsspur bringen. Seine Ankunft war geprägt von vielen Emotionen. Der Auftritt seines Teams auf Knopfdruck voller Leidenschaft. Das Adrenalin auf Anhieb zurück im der Runde. Niemand konnte das rotblaue Hochgefühl in diesem Moment greifen. Es fühlte sich an wie der Wiederbeginn von etwas Grossem. Doch es war nur eine Phase.

Scherben aus Glas

In den Wochen und Monaten die da folgen, kratzt man immer mehr an der Oberfläche dieser Emotionen. Immer mehr bemerkt man Makel. Makel an seinem Partner. Makel an sich selber, die durch den Partner hervorgehoben werden. Wie bei einem Glas, das zu Boden fällt. Das Klirren der Scherben reist uns aus dem rosaroten Traum. Die Scherben werden uns immer daran erinnern. Kompromisse werden eingegangen. Niemand ist und wird jemals perfekt sein. Das ist auch gut so. Aber auch das ist nur eine Phase.

Die Beziehung von Marcel Koller zu seinen Spielern beginnt zu bröckeln. Der Erfolg bleibt aus. Die Methoden des Trainers werden vom Team nicht länger hingenommen. Die Makel des Trainers werden öffentlich zur Schau getragen. Umgekehrt werden die Spieler für ihre Makel bestraft. Beide Parteien blicken hinter die Fassade. Widerstand regt sich gegen den Trainer. Am Ende findet man einen Kompromiss. Die Wogen glätten sich. Aber auch das ist am Ende nur eine Phase.

Zeichen stehen auf Trennung

Am Ende kommt man – ob im Fussball oder in der Liebe – stets zur gleichen Kreuzung: Gehen wir zusammen den Weg weiter? Oder geht man getrennte Wege? Die Antwort auf diese Fragen erfolgen natürlich. Man fühlt es. Man weiss es. Der Moment, in dem die Trennung erfolgt, ist nie der Moment, in dem man sich dazu entschlossen hat. Es ist das Ergebnis eines Prozesses. Man kann versuchen, die Entscheidung hinauszuzögern. Man kann abwarten. Hoffen, dass sich noch etwas verändert. Dass es besser wird. Doch in den meisten Fällen wird es das nicht. Das Selbst-Eingeständnis ist immer der schwerste Teil.

Der FC Basel wartet auf die Dinge, die da kommen mögen. Sportlich und personell. Man verschiebt die Entscheidung um Trainer Marcel Koller nach hinten. Vielleicht sogar bis in den Spätsommer. Macht sie abhängig vom Entscheid des Bundesrats und der Liga. Man will das Thema von der Mannschaft fernhalten. Das ist absolut legitim.

Ändern tut es an der eigentlichen Entscheidung nichts mehr. Denn wie bereits gesagt: Der Moment, in dem die Trennung erfolgt, ist nie der Moment, in dem man sich dazu entschlossen hat. Die Beziehung zwischen Marcel Koller und dem FC Basel hat ihren kritischen Punkt längst überschritten. Es geht nur noch um den Zeitpunkt. Der Weg des FC Basel geht in eine andere Richtung als jener von Marcel Koller. Und somit stehen die Zeichen auf Trennung.

4 Kommentare

  1. Ich finde das ein gelungener Artikel und der Vergleich mit der Liebe finde ich spannend.. hoffen wir dass es da dem einen oder anderen Leser nicht gleich geht…!Report

  2. Besonders in eine Krise werden die Baustellen im Management schonungslos Aufgezeigt und wo das hinführt, Wissen nur die Fussballgötter.

    Die desolate Kommunikation um Koller und um den Club widerspiegelt das amateurhafte Management. Ein emotionloser Präsident der keine Führungsrolle übernimmt, ein CEO ohne jegliche Erfahrung in der Führung einer 90 Millionen-Firma ( Einzelfirma, Flüchtlingshelfer, Teilzeitsportchef bei OB, Sportkoordinator beim Jugendfussball FCB) und ein Verwaltungsrat (Burgener, Heri, Cecca der das Bollywoodabendteuer träumt und Zbinden) die sich selber Kontrollieren.Report

  3. das ist absolut nicht überraschend mit marcel koller. was aber überraschend und unverständlich ist, dass herr Burgener und sein gefolge nicht ausgewechselt wird. muss der FCB unbedingt den gleichen weg beschreiten wie in den 80 iger jahren?Report

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