Bei der Novartis wird aktuell eine klinische Studie zu Hydroxychloroquin durchgeführt. (Bild: Keystone)
Schweiz

Gängige Corona-Behandlung soll Sterblichkeitsrate erhöhen

Das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin gilt als Hoffnung im Kampf gegen das Coronavirus. Forscher beobachten nun eine erhöhte Sterblichkeitsrate.

Alle Welt sucht fieberhaft nach einem Mittel gegen das Coronavirus. Viele glaubten, in Hydroxychloroquin die Lösung gefunden zu haben: Die Novartis setzt ihre Hoffnungen in das Malaria-Medikament – eine klinische Studie ist im Gang. «Präklinische Studien mit Tieren sowie erste Daten aus klinischen Studien zeigen, dass es das Coronavirus tötet», sagte Novartis-CEO Vasant Narasimhan Ende März. Für die klinische Weiterentwicklung von Hydroxychloroquine ist dann im April mit der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA ein entsprechendes Abkommen abgeschlossen worden. US-Präsident Donald Trump nimmt die Medizin prophylaktisch, um sich gegen das Virus zu schützen. 

Eine Studie belegt nun, dass Hydroxychloroquin sowie auch das Medikament Chloroquin keine Wirkung gegen das Coronavirus haben. Die Behandlung könnte die Krankheit sogar verschlimmern: Covid-19-Patienten, die mit den Medikamenten behandelt wurden, weisen eine höhere Sterblichkeitsrate und insbesondere ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen auf, so das Ergebnis der Forscher.

Keine Wissenschaftliche Belege für Wirksamkeit

Ein Forschungsteam des Brigham and Women’s Hospital der Harvard Medical School in Boston hat in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Kardiologie am Herzzentrum des Universitätsspitals Zürich die Daten von 96’000 Patientinnen und Patienten ausgewertet. 11,1 Prozent der Patienten, die mit einem der beiden Medikamente behandelt worden waren, verstarben im Spital. Bei einem Vergleich mit einer Kontrollgruppe unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Risikofaktoren lag die Sterblichkeitsrate bei 9,3 Prozent. Zwischen vier und acht Prozent der Patenten litten zudem an einer neuen Herzrhythmusstörung, bei der Kontrollgruppe waren es nur 0,3 Prozent.

Frank Ruschitzka, Leiter der Abteilung Kardiologie am Herzzentrum des Universitätsspitals Zürich sagt: «Für die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin und Chloroquin bei Covid-19 gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Im Gegenteil, insbesondere bei Covid-19-Patienten mit Herzerkrankungen beobachteten wir schwere Nebenwirkungen, vor allem lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen. Hydroxychloroquin und Chloroquin sollten deshalb bei COVID-19 nicht mehr eingesetzt werden, bevor uns die Ergebnisse von weiteren, aktuell noch laufenden randomisierten klinischen Studien vorliegen».

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift «The Lancet» veröffentlicht. In der Schweiz nehmen zur Zeit 17 Spitäler an einer weltweiten Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) teil, bei der unter anderem auch die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin getestet wird.

Es sind aber nicht die ersten Warnungen in Zusammenhang mit der Behandlung: Auch Frankreichs Arzneimittelbehörde ANSM hatte auf mögliche gefährliche Nebenwirkungen bis hin zu Todesfällen hingewiesen.

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