Seit Montag können die Schweizer Schülerinnen und Schüler wieder in die Schule. (Bild: Keystone)
Schweiz

Positive erste Bilanz für die Schulöffnung nach dem Lockdown

Seit 11. Mai 2020 haben die Schweizer Schulen wieder geöffnet. Eine erste Bilanz fällt positiv aus.

Der Wiederbeginn der Schulen nach dem Lockdown ist gut gestartet. Zu diesem Schluss kommen Lehrerverbände und die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren nach der ersten Woche mit erneutem Unterricht seit Mitte März.

«Die erste Aufregung hat sich gelegt. Schülerinnen und Schüler wissen nun, welche Schutz- und Hygienemassnahmen sie einhalten müssen, da spielt sich schon ziemlich schnell die erste Routine ein», sagte Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), am Freitag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Grundsätzlich seien die Schulen gut gestartet und man mache aus der Situation nun einfach das Beste.

Von einem Normalbetrieb wie vor dem 13. März will Rösler jedoch nicht sprechen. Zuviel sei zurzeit nicht möglich, was sonst selbstverständlich wäre. So dürften Schulreisen, Klassenlager oder Projektwochen noch nicht stattfinden. Auch der Sportunterricht sei eingeschränkt und Schwimmunterricht finde an vielen Orten gar nicht statt. «Also auf vieles, was die Schule zusätzlich lebendig, spannend und abwechslungsreich macht, muss verzichtet werden.»

«Erster Schritt zur Normalität geglückt»

Für Silvia Steiner, Präsidentin der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) und Bildungsdirektorin des Kantons Zürich, ist es noch zu früh, um eine Bilanz zu ziehen. Bereits feststellen könne man jedoch, dass «das Engagement in den Schulen enorm gross» sei.

«Die Lehrerinnen und Lehrer bemühen sich sehr, den Kindern wieder einen möglichst normalen Schulalltag zu ermöglichen, trotz Schutzbestimmungen und Hygienevorschriften. In diesem Sinne ist der erste Schritt zurück zu einer neuen Normalität geglückt», teilte Silvia Steiner auf Anfrage mit.

Distanz halten nicht immer einfach

Einige Kantone starteten mit halben, andere mit ganzen Klassen. Für Thomas Minder, Präsident des Verbandes Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz (VSLCH), funktioniert auch die Arbeit in ganzen Klassen bestens.

Je jünger die Kinder seien, desto schwieriger sei es, die Distanz einzuhalten, sagte Thomas Minder. Das entspreche auch den Erwartungen und lasse sich mit dem Schutzkonzept und den Rahmenbedingungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) für die Schulen vereinbaren. Auch in Halbklassen sei es nicht immer einfach, die Distanz einzuhalten.

In der Romandie starteten die Schulen in allen Kantonen mit Halbklassen. Dieses schrittweise Vorgehen und mit Schutzmassnahmen habe die Lehrerinnen und Lehrer offenbar beruhigt, sagte Gregory Durand, Präsident des Waadtländer Lehrerverbands SPV (Société pédagogique vaudoise), der Keystone-SDA.

Dagmar Rösler wies darauf hin, dass laut BAG Kinder unter zehn Jahren nicht gefährdet sind und sich deshalb untereinander möglichst normal verhalten sollen. Für das Abstandhalten zwischen Kindern und Erwachsenen gebe es in speziellen Fällen auch Lösungen wie Masken, Gesichtsvisiere oder Plexiglasscheiben. Laut BAG sei jedoch das generelle Tragen von Masken an Schulen nicht sinnvoll. Zu den Hygienemassnahmen zähle zudem Händewachsen, mehrmals täglich.

Fast alle Kinder in der Schule

Nur vereinzelt sind Kinder noch nicht zur Schule gegangen. Zu diesem Schluss kommen sowohl Dagmar Rösler, als auch Minder und die Westschweizer Lehrergewerkschaft SER (Syndicat des Enseignants Romands).

SER-Präsident Samuel Rohrbach schätzt zudem, dass etwa zwei bis drei Prozent der Lehrer weiter zu Hause arbeiteten, weil sie einer Risikogruppe angehörten. Sie können in diesem Fall Arbeiten übernehmen, wie Vor- und Nachbereitungen oder Korrekturen.

Wenn Eltern ihre Kinder zu Hause behalten, sollten Bedenken und Ängste ernst genommen und nicht sanktioniert werden, sagte Rösler. Es werde jedoch viel getan, um das Vertrauen der Eltern in die Schule zu stärken, darunter auch das tägliche Reinigen von Oberflächen, Klinken und Geländern. An vielen Orten dürften zudem neben der Schulleitung, den Lehrpersonen, den Kindern und den Putzteams keine weiteren Personen das Areal betreten.

Notfallkonzepte

Für den Fall, dass Ansteckungen mit dem Coronavirus wieder zunehmen, hat jeder Kanton aufgrund der Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit ein Schutzkonzept erarbeitet. Sollten gehäufte Corona-Fälle an Schulen auftreten, müsse eine Quarantäne umgesetzt werden, sagte Dagmar Rösler.

Thomas Minder hofft, dass es bei einer erneuten Zunahme von Ansteckungen mit dem Coronavirus nicht noch einmal zu einer flächendeckenden Schulschliessung kommen wird. Mit geeigneten Tracking-Massnahmen dürfte es nach seiner Einschätzung möglich sein, im Notfall Schulen in einzelnen Gebieten zu schliessen, in denen zahlreiche Corona-Fälle auftreten.

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