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Der Telebasel News-Beitrag vom 12. Mai 2020.
Region

Wegen Corona grassiert die Angst vor OPs

Mittlerweile dürfen wieder alle Operationen durchgeführt werden. Das Problem: Viele Patienten haben wegen des Coronavirus' Angst, ein Spital zu betreten.

Für fast sieben Wochen mussten alle Operationen, bei denen es sich nicht um einen Notfall handelte, verschoben werden. Die Corona-Epidemie liess sie nicht zu. Seit nun zwei Wochen dürfen in den Spitälern auch elektive Eingriffe wieder vorgenommen werden. Also solche Operationen, die zeitlich aufgeschoben werden können. Doch für viele Kliniken ist noch kein Alltag in Sicht. Denn die Angst vor Corona geht um: Viele Patienten haben Angst, sich im Spital anzustecken.

Voraussetzung ist ein negativer Corona-Test

Dabei gelten in den Spitälern klare Schutzmassnahmen: Wer beispielsweise die Hirslandenklinik Birshof in Münchenstein besucht, muss zuerst die Hände desinfizieren und einen Mundschutz fassen. Anschliessend wird bei der Person noch die Temperatur gemessen und sie wird nach ihrem allgemeinen Wohlbefinden gefragt. Personen, die operiert werden, müssen einen negativen Corona-Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Trotz dieser Vorkehrungen ist die Unsicherheit bei den Patienten aber gross. Die Direktorin der Privatklinik in Münchenstein, Beatriz Greuter, spricht von rund 70 Prozent der Auslastung, die wieder erreicht wurde. Doch während des Lockdowns mussten 500 Eingriffe verschoben werden. 120 dieser 500 Eingriffe sind nach wie vor auf unbestimmte Zeit vorschoben.

Das ist nicht ganz unproblematisch, wie Beatriz Greuter sagt: «Sie haben beispielsweise eine Verletzung am Finger, denken, das sei etwas Kleines und dann warten Sie zu lange. Dann ist das Gelenk vielleicht schon verkalkt oder so schwer geschädigt, dass man nach dieser Operation eine grössere Operation und eine längere Ergotherapie braucht».

Der Respekt ist gross – aber auch der Leidensdruck

Anders sieht die Situation in der Merian Iselin Klinik aus. CEO Stephan Fricker bestätigt, dass bei den Patienten viel Respekt vor dem Virus vorhanden ist, aber auch ihr Leidensdruck sei nicht zu unterschätzen. Die Merian Iselin Klinik ist bei der Belegung der OP-Säle wieder voll ausgelastet. Trotz sieben Millionen Franken, die nicht eingenommen wurden während des Lockdowns, bleibt der CEO optimistisch: «Ich bin ehrlich gesagt ein Berufsoptimist und denke, dass wir das bis zum Jahresende mindestens teilweise kompensieren können, wenn keine zweite Welle kommt».

Die Folgen einer zweiten Welle, inklusive eines erneuten Lockdowns, wären aber kaum abschätzbar, wie CEO Fricker sagt. Zwar ist man auf alle Fälle vorbereitet. Ein gesamter Stock könne innerhalb von zwei Tagen in eine Corona-Station umgebaut werden.

Stephan Fricker hofft aber, dass dieser Fall nicht eintreten wird. Wer die dann fälligen Mehrkosten übernehmen würde, ist noch nicht klar. Der Bund? Der Kanton? Oder die Versicherer?  Fricker, wie gesagt ein Optimist, sieht dies aber nicht als die drängendste Frage. Denn es sei «das Gebot der Stunde, dass man nicht zuerst aufs Geld schaut, sondern die Aktivitäten in den Vordergrund rückt, die möglichst vielen Menschen helfen».

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