Noch haben viele Menschen zu viel Erspartes, um Sozialhilfe beziehen zu können. (Archivbild: Keystone)
Schweiz

Coronabedingte Zunahme von Sozialhilfefällen wird Mitte Jahr erwartet

Die meisten Kantone verzeichnen aktuell bei der Sozialhilfe keine coronabedingte Zunahme. Viele Betroffene würden aktuell noch von Erspartem leben.

Trotz Corona-Krise werden nach Angaben der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) derzeit in den meisten Kantonen kaum mehr Personen von der Sozialhilfe unterstützt. Ändern dürfte sich dies ab Mitte Jahr, wenn persönliche Reserven aufgebraucht sind.

«Wir können im Moment in den allermeisten Kantonen feststellen, dass die Zahl der von der Sozialhilfe unterstützten Personen im März auf dem gleichen Niveau oder knapp über dem Durchschnitt des Jahres 2019 liegt», sagte SKOS-Geschäftsführer Markus Kaufmann am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Die April-Zahlen würden derzeit noch gesammelt. Erste Zahlen zeigten aber auch in diesem Monat noch keine markante Zunahme der unterstützten Personen. Ab Juni führe die SKOS schweizweit ein eigenes Monitoring durch und werde damit künftig monatlich über Zahlen verfügen.

Effektive Hilfe und Anträge

Den markanten Anstieg der Sozialhilfe-Anträge im Kanton Genf als Folge der Corona-Krise bezeichnet Kaufmann als aussergewöhnlich. In Genf gingen in den vergangenen Wochen 1’700 neue Anträge auf Sozialhilfe ein. Üblich sind rund 400 pro Monat.

Laut einer im April publizierten Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat sich im März in den ersten beiden Wochen nach dem Lockdown die Zahl der Anträge für Sozialhilfe in der Deutschschweiz vervierfacht.

Die SKOS erfasst allerdings nicht die Anträge, sondern die Zahl der effektiv von der Sozialhilfe unterstützten Personen. Markus Kaufmann gibt zu bedenken, dass viele im März eingereichten Anträge nach der Einführung des Erwerbsersatzes wieder zurückgezogen worden sind.

Selbständigerwerbende in Not

Generell lasse sich feststellen, dass aktuell Massnahmen wie Kurzarbeit und Erwerbsersatz sehr gut wirkten. Sozialhilfe könne zudem erst beantragt werden, wenn das Vermögen weniger als 4’000 Franken betrage. «Wir gehen davon aus, dass viele Familien jetzt von ihren Reserven leben», sagte Markus Kaufmann.

Offen ist für den SKOS-Geschäftsführer, wie sich die Sozialhilfezahlen in den nächsten Monaten entwickeln werden.

Selbständigerwerbende seien beispielsweise von der Corona-Krise sehr stark betroffen. Mitte Mai laufe für diese der Erwerbsersatz aus. Viele von ihnen dürften einen Lohnausfall höchstens ein bis zwei Monate überbrücken können. «Wir rechnen deshalb mit einem deutlichen Anstieg ab Mitte Jahr», so Kaufmann.

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