Die Foodstände in der Markthalle nehmen ab Montag ihren Betrieb wieder auf. (Archivbild: Keystone)
Basel

Gastrobetriebe ringen trotz Existenzängsten um Normalität

Gastrounternehmen müssen ab Montag öffnen, wenn sie den Anspruch auf Kurzarbeit nicht verlieren möchten. Trotz düsterer Aussichten ringen sie um Normalität.

Die Umsetzung der Corona-Schutzmassnahmen ist für Gastrobetriebe eine Herausforderung. Ab Anfang nächster Woche dürfen die Betriebe öffnen – müssen es sogar, wenn sie den Anspruch auf Kurzarbeit nicht verlieren wollen. Betriebswirtschaftlich mache die Öffnung bei Aussicht auf halbvolle Tische keinen Sinn, sagen Wirte.

Benjamin Hohlmann vom Café Frühling findet in einem Post in den Sozialen Medien deutliche Worte: «Einer Öffnung unter diesen Massgaben hätte niemals zugestimmt werden dürfen – zumal mit dem Zwang, öffnen zu müssen.» Er gehe davon aus, dass der Öffnungszwang «vielen Gastronomien den Todesstoss verpasst».

Der Geist der Gastronomie sei eben auch Begegnung, Freiraum, Offenheit, Anonymität im öffentlichen Raum, Authentizität in der Unverbindlichkeit und vor allem Freude und Vertrauen.

Ein System mit Lücken

Diesen Geist möchte auch die Markthalle Basel möglichst aufrechterhalten: «Soweit es geht, möchten wir in der Markthalle Normalität und Alltag ermöglichen», sagt Geschäftsführerin und SP-Politikerin Alexandra Dill. «Dass das Contact-Tracing doch nicht verpflichtend ist, ändert die Situation für uns und nimmt auch Druck.» Ursprünglich gehörte zu den Schutzmassnahmen, dass die persönlichen Daten aller Gäste aufgenommen werden müssen. Nach Protesten von Datenschützern erklärte der Bundesrat die Massnahme am Donnerstag als freiwillig.

Aktuell plane die Markthalle wie folgt: Wer ab Montag in der Markthalle essen wolle, könne ein seinem Tisch zugewiesenes Formular mit den persönlichen Daten ausfüllen. Dieses solle dann bei dem Foodstand, an dem man sein Essen abhole, in eine Box eingeworfen werden. Diese Box werde nur im Falle einer behördlichen Anordnung geöffnet, versichert Alexandra Dill. So könne aber bei Bedarf nachvollzogen werden, wer wo gesessen und gegessen hat.

Natürlich habe das System Lücken, räumt Dill ein: «Wie in jeder Beiz können wir nicht kontrollieren, wer wem auf dem WC begegnet».

Ohne Unterstützung chancenlos

Die ganze Corona-Situation sei für die ganze Branche ein Fiasko, sagt sie. Ein ihrer Meinung nach zentraler Punkt sei, welche Lösungen für Geschäftsmieten erarbeitet werden. «Wenn keine Lösung gefunden wird, müssen wir uns auf eine Welt mit sehr viel weniger gastronomischer Vielfalt einstellen.» Auch die Markthalle habe das Gespräch mit der Vermieterin gesucht.

Man müsse die Möglichkeit, selber etwas zu erwirtschaften, unbedingt nutzen – ohne flankierende Massnahmen sei das Unterfangen aber chancenlos. «Mietpreisreduktionen nur für den Zeitraum des Lockdowns werden nicht reichen. Die Branche wird länger brauchen, um wieder auf die Beine zu kommen.»

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