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Der Telebasel Talk vom 6. Mai 2020.
Basel

Journalistinnen fordern: «Mehr Macht den Medienfrauen»

Wie geht es Journalistinnen in Schweizer Medien? Antworten liefern die beiden Basler Medienfrauen Nora Bader und Andrea Fopp in ihrem Buch «Frau Macht Medien».

Die Zahlen, die Nora Bader (Telebasel) und Andrea Fopp (Bajour) in ihrem Buch «Frau Macht Medien» aufführen, sprechen eine deutliche Sprache: Frauen sind in den hiesigen Redaktionen, gerade in den Bereichen Politik und Wirtschaft, deutlich schlechter vertreten als Männer. Im Vergleich mit ihren männlichen Kollegen verdienen sie im Durchschnitt 700 Franken weniger im Monat. Drei von vier Chefposten sind mit Männern besetzt.

Mangelnde Vielfalt in den Medien

Das Fazit der Autorinnen: Die Medienbranche ist eine Männerwelt. Das bewerten Bader und Fopp als schlecht – auch wegen der mangelhaften Vielfalt der Realitätsbilder, die die Medien deswegen übermitteln. Oft fehle die weibliche Sicht. Beispiel: Die alleinerziehende Mutter weiss über die Lebenslage von Schicksalsgenossinnen sicher besser Bescheid, als kinderlose Männer. Folglich wird sie als Journalistin zum Thema auch andere Fragen stellen und andere Ergebnisse erzielen.

Seilschaften, Gönnerhaftigkeit, Sexismus

Wieso ist Journalismus vielerorts (noch?) eine Männerbranche? Das Buch ist weniger eine Strukturanalyse als eine Sammlung verschiedener Stimmen, die die Lage unterschiedlich beurteilen. Interviews mit 15 Kolleginnen (unter anderen Patrizia Laeri, Margrit Sprecher, Steffi Buchli, Judith Wittwer oder Katharina Fontana) haben Bader und Fopp publiziert (es gab auch Rückzüge). Da ist die Rede von Männerseilschaften, gönnerhaften Ratschlägen, unprofessionellen Beförderungsgründen, Sexismus, der Doppelbelastung der Frau mit der Kindererziehung oder Lohndiskriminierung.

Aber auch von gegenseitiger Wertschätzung ohne Geschlechterkampf, Durchsetzungserfolgen, Gegenstrategien. Und davon, dass Frauen sich schneller in die «weichen» Ressorts (Gesellschaft, Kultur etc.) abdrängen liessen.

Hätte Andrea Fopp den Chefposten nicht annehmen müssen?

Dabei macht Autorin Andrea Fopp auch ihr persönliches Beispiel transparent. Sie hätte Bajour-Chefredaktorin werden können, lehnte aber ab. Sie wolle schreiben. Vor allem aber: «Ich bin keine Anker-Persönlichkeit. Wer Chefin ist, muss ständig ansprechbar sein, das Team unterstützen, auch mal antreiben. Man ist ständig im Kontakt und im Austausch. Das entspricht mir nicht.» Ihre Kollegin Nora Bader findet, generell müssten Frauen solche Chancen unbedingt annehmen. Nur schon aus politischen Gründen.

Was meinen Sie?

Im Talk Nora Bader und Andrea Fopp zu ihrem Buch «Frau Macht Medien» (Zytglogge Verlag), Mittwoch, 6. Mai 2020, 18.45 Uhr.

2 Kommentare

  1. Forderungen wie „Mehr Macht für Journalistinnen“ oder „Mehr Macht für Frauen in der Politik“ werden halt oft von der Realität eingeholt, auch wenn dies viele Leute nicht erkennen wollen. Das Beispiel von Andrea Fopp zeigt dies eindrücklich.Report

  2. Es hilft nur eins: Ärmel hochkrempeln und loslegen.
    Mag ich / mag ich nicht – das bringt uns Frauen nicht weiter.
    Anpacken, durchbeissen, kämpfen.
    Mein Tipp für alle Frauen in der Medien- und Kommunikatiosbranche.Report

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