Eine 20-Jährige steht nach ihrer Rückkehr aus dem IS-Gebiet vor Gericht. (Bild: Keystone)
International

Winterthurer IS-Rückkehrerin wehrt sich vor Obergericht gegen Therapie

Am Montag steht vor dem Zürcher Obergericht eine IS-Rückkehrerin, die im Jahr 2014 im Alter von 15 Jahren nach Syrien reiste. Sie will nicht in die Therapie.

Die junge Frau aus Winterthur reiste zusammen mit ihrem damals 16-jährigen Bruder ins Gebiet der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien. Der Bruder soll dort eine Koranschule besucht und die Logistik des IS unterstützt haben. Sie selber hat gemäss Anklage den Haushalt gemacht, kleine Kinder gehütet und etwas Englisch unterrichtet.

Zudem sollen beide Geschwister in intensivem Kontakt mit IS-Sympathisanten gestanden sein und versucht haben, Familie und Freunde aus der Schweiz zum Nachkommen überredet zu haben.

Beim Prozess vor dem Winterthurer Jugendgericht im vergangenen Jahr hatten die beiden fast jegliche Aussage verweigert und ihre Reise als harmlosen Hilfseinsatz für die Bevölkerung dargestellt.

Das Gericht verurteilte die beiden trotzdem wegen Verstosses gegen das IS-Verbot. Die junge Frau erhielt eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten, wobei sie während der Untersuchungszeit bereits neun Monate im Gefängnis sass.

Therapie gegen ihren Willen

Eine lange Gefängnisstrafe droht ihr also nicht. Sie zieht aber dennoch vor das Obergericht, weil sie die damals angeordnete Gesprächstherapie nicht absolvieren will. Sie zog inzwischen bis vor Bundesgericht, um einen sofortigen Therapie-Stopp zu erwirken, allerdings vergeblich. Die Lausanner Richter fanden, dass das Zürcher Obergericht zuerst den ganzen Fall neu verhandeln solle.

Ihr Verteidiger bezeichnete es gegenüber der «NZZ» einst als «Unsinn», jemanden zur Therapie zu zwingen, der nicht dazu bereit sei. Das erhöhe die Sicherheit garantiert nicht.

Weil die Beschuldigte bei ihrer Reise nach Syrien noch minderjährig war, gilt auch für diese Verhandlung das Jugendstrafrecht, obwohl sie mittlerweile volljährig ist.

Das bedeutet, dass auch akkreditierte Journalisten nicht bei allen Befragungsteilen im Saal sein dürfen. Das Gericht wird sein Urteil schriftlich und voraussichtlich zu einem späteren Zeitpunkt eröffnen.

Neues Strafverfahren gegen den Bruder

Anders als seine Schwester akzeptierte der ein Jahr ältere Bruder das erstinstanzliche Urteil des Winterthurer Gerichtes. Er erhielt elf Monate Freiheitsstrafe bedingt. Während der Untersuchungszeit sass er bereits zehn Monate im Gefängnis.

Von der Ideologie sagte er sich offenbar aber nicht los: Die Bundesanwaltschaft eröffnete bereits ein neues Strafverfahren gegen ihn, erneut wegen Verstosses gegen das IS-Verbot.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel