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Als Pandora ihre Büchse öffnete

Fledermäuse, verschmutztes Wasser, Sprossen: Krankheiten können verschiedenste Ursprünge haben. Die Suche danach ist oft von Missverständnissen geprägt.

«Mysteriöses Virus in China entdeckt». Mit diesem Wortlaut drangen im Januar die ersten Nachrichten des Coronavirus nach Europa. Kurze Zeit später hat die neuartige Lungenkrankheit die Welt auf den Kopf gestellt. Unter Hochdruck wurde nach dem Ursprung der Krankheit gesucht.

Erst während die Corona-Welle über die ganze Welt rollte, konnte der Ursprung der Krankheit eingegrenzt werden. Das Virus stammt aus dem Tierreich: Es handelt sich wohl aus einer Kombination von Viren, die einerseits in Feldermäusen und anderseits in Schuppentieren bestehen.

Religion und Mythologie

Die Suche nach Krankheitsursachen ist dabei nicht neu: Sie beschäftigt die Menschheit seit Jahrtausenden. Schon bevor es mikroskopische Untersuchungen sowie chemische und biologische Tests gab, suchten die Menschen nach Antworten. Geliefert wurden diese auch mit mythologischen und religiösen Erzählungen.

In der Bibel treten Krankheiten als Strafe Gottes auf. Zu den zehn Plagen, die Gott über Ägypten einfallen lässt, zählen die Viehpest und Geschwüre, die Menschen befallen. In der griechischen Mythologie öffnet Pandora eine Büchse, die alle Übel – und damit auch Krankheiten – auf die Welt bringt. In der japanischen Kultur gibt es indes Seuchengötter. Sie verursachen die Krankheiten und Seuchen – können aber auch dagegen schützen.

Aberglaube

Auch Aberglauben spielt in der Suche nach dem Grund eine grosse Rolle. Im Mittelalter setzte sich die Vorstellung durch, dass Krankheiten von übernatürlichen Wesen wie Elfen oder Hexen ausgehen. Der Name «Hexenschuss» ist ein Überbleibsel aus dieser Zeit, in der Menschen glaubten, dass Krankheiten mittels eines Pfeilschusses der übernatürlichen Wesen übertragen werden.

Weltweit verbreitet ist auch das Konzept des «bösen Blicks». Bereits im alten Ägypten, aber auch im Orient, in westlichen Ländern, von Afrika über Indien bis China und bei den nordamerikanischen Indianern sowie in Südamerika herrschte der Glaube, dass vom Auge ein Zauber ausgehe, der auf andere Menschen grosse Wirkung haben und Krankheiten auslösen kann. Auch heute noch herrscht vielerorts die Auffassung, dass vom Auge ein Zauber ausgehe, der auf ein anderes Auge wirke und eine solche Macht habe, dass der, der ihn empfinde, sich ihm nicht entziehen könne. Hauptsächlich wird er für das Auftreten von Krankheitssymptomen verantwortlich gemacht.

Rassismus und Vorurteile

Nicht nur im Fall der Hexenverfolgungen wandelte sich die Angst vor Krankheit zur Hysterie. Aus der chinesischen Stadt Wuhan verbreitete sich die Krankheit über den ganzen Globus. Die Antworten auf die Frage, woher das Virus kommt, hatten nicht nur positive Folgen. Weltweit gab es rassistische Anfeindungen – vornehmlich auf Menschen mit asiatischem Aussehen. Verschiedene Berichte über Tötungen von Fledermäusen machten Schlagzeilen.

Besonders geprägt durch Hysterie war die Aids-Pandemie in den 1980er-Jahren. Die tödliche Krankheit löste eine weltweite Panik aus. Wie sie übertragen wird, war lange nicht klar. Viele Missverständnisse machten die Runde. «Durch Nahrungsmittel können die Viren nicht übertragen werden. Ohne Gefahr können ferner öffentliche Verkehrsmittel und Toiletten benutzt und Gaststätten, Spitäler und öffentliche Schwimmbäder besucht werden», entwarnte im Jahr 1985 der «Tagesanzeiger».

Was dennoch blieb, waren die Vorurteile gegenüber Menschen, die Aids haben. Der Erreger galt als einer, der vor allem Homosexuelle und Drogenabhängige betrifft – in der Folge hatten beide Gruppen mit noch mehr gesellschaftlicher Ächtung zu kämpfen. Betroffene litten lange Jahre unter der Stigmatisierung, die dieses weitere Vorurteil mit sich brachte. Mittlerweile wurde viel Aufklärungsarbeit im Zusammenhang mit der Krankheit gleistet. Woher die Krankheit ursprünglich kam, bleibt währenddessen nicht ganz geklärt.

Bauern kämpfen mit EHEC-Folgen

2011 gab es vornehmlich in Deutschland und Frankreich einen Ausbruch der Darmkrankheit EHEC. Die seit den 1980er-Jahren bekannte Krankheit nahm hier einen besonders schweren Verlauf – auch bei Kindern und Schwangeren. 50 Menschen starben. Die Suche nach der Ursache startete. Verschiedene Lebensmittel schafften es auf die Verdächtigenliste: Gurken, Tomaten und Salat sollten in Deutschland nicht mehr roh verzerrt werden. Später folgte ein Importverbot für Gurken aus Spanien.

Schliesslich waren es Sprossen, die den Krankheitserreger übertrugen. Für die finanziellen Ausfälle der Bauern wurden 227 Millionen Euro festgelegt. 16 davon wurden schliesslich ausgezahlt.

Katzen als Pest-Übeltäter vermutet

Die ursprüngliche Übertragungen für ältere bekannte Krankheiten sind derweil bekannt: Fäkalienverunreinigtes Trinkwasser bei der Cholera, Wildtiere bei Ebola oder Rattenflöhe bei der Pest. Dennoch gab es auch hier zu Beginn Missverständnisse. So wurden beispielsweise in London erst die Katzen als Pest-Überträger vermutet. Obwohl auch Katzen die Flöhe, welche die Krankheit tragen, haben können, hatte diese Annahme katastrophale Folgen: In der Hysterie wurden alle Katzen getötet. Die natürlichen Feinde der Ratten verschwanden und die Ratten konnten sich umso mehr vermehren.

Auch die Behandlung der Krankheit war geprägt von Missverständnissen. Als eine gängige Heilungsmethode galt neben Kräutern der Aderlass. Andere Kranke wiederum bekamen Brechmittel oder Einläufe. Heute weiss man, dass diese Methoden die Patienten eher noch weiter schwächten, als sie zu heilen.

Die Behandlungen wurden angewendet, weil die Menschen früher an die sogenannte «Säftelehre» glaubten. Diese besagte, dass der Mensch aus vier Säften besteht: Blut, gelbe Galle, schwarze Galle und Schleim. Ein Ungleichgewicht der Säfte führte laut dieser Theorie zur Krankheit.

Fortschritt durch Entdeckung der Viren

Erst in der Neuzeit wurden Krankheit vermehrt als Störung eines Organismus, der aus bestimmten chemischen Elementen besteht, begriffen. Damit änderte sich auch das Verständnis der Ursache von Krankheiten. 1676 wurden die Bakterien entdeckt, Anfang des 20. Jahrhunderts folgte die Entdeckung der Viren, was neue Behandlungsmöglichkeiten ermöglichte.

Wie bei vielen Viren gilt auch beim Coronavirus: Ein Heilmittel gibt es nicht. Die Behandlung beschränkt sich auf die Linderung der Symptome. Fieberhaft suchen die Behörden nach einem Impfstoff. Erste Impfungen könnte es bereits Ende des Jahres geben.

0 Kommentare

  1. „Das Virus stamm aus dem Tierreich“ – Diese Behauptung hat soviel Aussagekraft wie: „Wasser ist nass“, „Am Himmel scheint die Sonne“
    Danke für diesen fundierten Beitrag – nicht typisch Telebasel, wohl aber typisch MassenmedienReport

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