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Der Telebasel News-Beitrag vom 23. April 2020.
Basel

Betrunken mit Vollgas durch die Stadt – Prozess gegen Raser

Ein Autofahrer verursachte im Jahr 2018 an der Austrasse einen Unfall mit zwei Verletzten. Nun steht er vor dem Basler Strafgericht.

Der Taxifahrer konnte in den frühen Morgenstunden nichts ahnen. Korrekt passierte er an der Austrasse die grüne Ampel. Plötzlich kam von der Schützenmattstrasse ein VW Golf angerast. Zwar bremste er noch ab, doch es war schon zu spät. Er kollidierte mit dem Taxi. Der verletzte Taxi-Chauffeur blieb monatelang arbeitsunfähig.

Schwerverletzter Taxi-Fahrgast

Noch schlimmer erging es seinem Fahrgast. Dieser musste schwerverletzt in die Intensivstation. Unter anderem erlitt er ein schweres Schädelhirntrauma und Hüftschmerzen. Womöglich wird er einen bleibenden gesundheitlichen Nachteil davontragen.

Die Insassen des Taxis wurden bei der Kollision verletzt. Das Taxi war nach dem Unfall schwer beschädigt. (Bild: Kantonspolizei Basel-Stadt)

Der Unfall geschah im Oktober 2018. Nun muss sich der Fahrer des gemieteten VW Golf vor dem Basler Strafgericht verantworten.

Es handelt sich um einen 37-jähriger Franzosen, der im Baselbiet wohnt. Mit einer Geschwindigkeit von schätzungsweise 100 km/h soll er durch die Schützenmattstrasse gerast sein, so die Anklageschrift. Erlaubt wäre dort bloss Tempo 50. Zudem wird er beschuldigt, die rote Ampel missachtet zu haben, was dann eben zur Kollision mit dem Taxi führte.

Der 37-Jährige Unfallfahrer muss sich nun vor Gericht verantworten. (Bild: Kantonspolizei Basel-Stadt)

Eventualvorsatz oder Fahrlässigkeit?

Der Franzose gab heute vor Gericht zu, alkoholisiert am Steuer gesessen zu haben. Jedoch stritt er vor Gericht ab, mit Tempo 100 gefahren zu sein und das Lichtsignal missachtet zu haben.

Die Ampel sei noch immer auf gelb gewesen, so der Beschuldigte. Allerdings zeigte ein als Zeuge vorgeladener Sachverständiger für Verkehrssteuerung das Gegenteil auf. Er zeigte auf, dass die Ampel zum Unfallzeitpunkt auf rot gestellt war.

Wie bei vielen Raser-Prozessen dreht auch hier alles um die Frage, ob hier ein Eventualvorsatz oder eine bewusste Fahrlässigkeit vorliegt. Oder zugespitzt formuliert: Nimmt ein den Tod anderer Menschen bewusst in Kauf oder handelt er aus Leichtsinn?

Verteidiger Alex Hediger zum Gerichtsfall. (Video: Telebasel)

StaWa spricht von Russischem Roulette

Die Staatsanwaltschaft sieht in diesem Fall den Straftatbestand der mehrfachen versuchten vorsätzlichen Tötung eindeutig erfüllt. Sie fordert daher eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und 9 Monaten Jahren sowie einen Landesverweis.

Staatsanwalt Tomislav Hazler sprach in seinem Plädoyer von Russischem Roulette. Der Fahrer habe es mit seinem Verhalten dem Zufall überlassen, ob andere Menschen zu Schaden kommen oder gar sterben könnten. Schliesslich gebe es keinen Grund, mit dieser Geschwindigkeit mitten durch die Stadt zu brausen.

Staatsanwalt Tomislav Hazler zum Gerichtsfall. (Video: Telebasel)

Der Verteidiger Alex Hediger forderte 12 Monate bedingt wegen mehrfacher fahrlässiger Körperverletzung. Dabei verwies er auf Bundesgerichtsurteile mit ähnlichen oder noch härteren Unfällen. Wie er erklärte, könne man einen solchen Fall nicht auf die gleiche Stufe stellen, wie zum Beispiel jemanden, der seinem Kumpel bei einer Keilerei ein Messer in den Bauch rammt. So sei bei diesem Unfall eher eine bewusste Fahrlässigkeit als ein Eventualvorsatz gegeben.

Über diese Frage hat nun das Gericht zu entscheiden. Die Unterschiede im Strafmass sind dabei erheblich. Die Urteilseröffnung ist für Freitag angesetzt.

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