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Auch Start-ups sollen bald Corona-Notkredite vom Bundesrat erhalten. (Video: Keystone-SDA)
Schweiz

Bundesrat stellt Start-ups 154 Millionen Franken in Aussicht

Auch Jungunternehmer sollen bald Corona-Notkredite erhalten. Bund und Kantone stellen Bürgschaften in Höhe von bis zu 154 Millionen Franken in Aussicht.

Bisher hatten Start-ups grosse Mühe, an Covid-19-Kredite zu kommen. Die Vergabepolitik von Hilfskrediten beruht auf den Umsätzen sowie den Lohnsummen. Das sind zwei Faktoren, die bei Start-ups meist tiefer ausfallen als bei bereits etablierten Firmen. Dies hat zur Folge, dass Darlehen entweder sehr tief ausfallen oder überhaupt nicht genehmigt werden.

Beispielsweise die grösstenteils im Kanton Zug beheimatete Blockchain-Szene steht laut dem Branchenverband aufgrund der Corona-Krise mit dem Rücken zur Wand. Gemäss einer Umfrage unter den Jungunternehmen sehen sich knapp 80 Prozent von Insolvenz bedroht.

Gleich lange Spiesse für alle

Nun will der Bund in Zusammenarbeit mit den Kantonen für gleiche Chancen zwischen etablierten Unternehmen und Neuunternehmen sorgen. Kurz: Innovative Start-ups sollen eine ergänzende Unterstützung des Bundes und der Kantone erhalten.

Jungunternehmen seien ein wichtiger Erfolgsfaktor der schweizerischen Wirtschaft, schreibt der Bundesrat in seiner Mitteilung. Sie sollen vor einer Corona-bedingten Insolvenz bewahrt werden.

Bewährtes Modell

Einige Kantone hatten in den vergangenen Wochen bereits ergänzende Massnahmen ergriffen. Diese reichen laut dem Bundesrat aber für viele Start-up-Unternehmen nicht, weil sich viele Investoren in der Corona-Krise zurückgezogen haben. Finanzierungsrunden seien dadurch verzögert oder sogar abgebrochen worden. Es bestehe weiterhin Handlungsbedarf.

Der Bundesrat erfindet das Rad nicht neu. Angesichts der hohen zeitlichen Dringlichkeit hat er beschlossen, das bereits bestehende Bürgschaftswesen für KMU für die Unterstützung von Start-ups zu nutzen. Dieser Ansatz könne ohne zeitaufwendige Gesetzesänderung umgesetzt werden, schreibt er.

Gemeinsame Lösung

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) wird bis Ende April in Absprache mit den interessierten Kantonen und den Bürgschaftsorganisationen die Details zum Verfahren klären. Festgelegt hat der Bundesrat den Grundsatz, dass der Bund für 65 Prozent und der jeweilige Kanton für die restlichen 35 Prozent eines Kredits bürgen.

Gesamthaft kann der Bund auf diesem Weg bis zu 100 Millionen Franken verbürgen. Gemeinsam mit den Kantonen können auf diese Weise Kredite von bis zu 154 Millionen Franken verbürgt werden.

Mehrstufiges Verfahren

Die Teilnahme der Kantone ist aber freiwillig. Es steht ihnen also frei, ob sie ihren Start-ups das Instrument der KMU-Bürgschaften zur Verfügung stellen wollen oder eine anderweitige Unterstützung für Jungunternehmer fortführen.

Bietet ein Kanton das Instrument an, können Start-ups bis am 31. August einen Bürgschaftsantrag an die zuständige kantonale Stelle richten. Diese kann bei der Beurteilung bei Bedarf auf ein von der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung (Innosuisse) zusammengestelltes Beratungsgremium zurückgreifen.

Stimmt diese dem Antrag zu, wird das Gesuch an eine vom Bund anerkannte Bürgschaftsorganisation weitergeleitet. Diese stellt die Bürgschaftsbestätigung aus, mit der Start-ups bei einer beliebigen Bank einen Kredit beantragen können.

Maurer verspricht baldiges Anlaufen

Die Hilfe für Start-up-Unternehmen soll laut Finanzminister Ueli Maurer schnell anlaufen. «Erste Gelder sollen Ende April fliessen.» Der Bund erwarte viele Anfragen – insbesondere von Unternehmen der Blockchain- und Fintech-Branche.

Die Hilfe für Jungunternehmer sei wichtig, sagte Maurer. Die Schweiz müsse ihren Standortvorteil verteidigen. Es gehe um Unternehmen, die momentan «den Schnauf etwas verloren haben», sagte Maurer. Sponsoren wendeten sich ab, die langfristige Finanzierung der Projekte fehle.

In dieser Phase müsse der Staat eingreifen, dass innovative, kreative Unternehmen nach der Krise noch präsent seien. Die Massnahmen könnten der Schweiz einen entscheidenden Vorteil verschaffen, damit sie in diesem Bereich weiter zur Weltspitze gehöre.

Funktionierendes Gesetz

Im Gegensatz zu anderen Unternehmen brauchen Start-ups laut Maurer kein Geld für zwei oder drei Monate. «Sie brauchen eine Finanzierungssicherheit über mehrere Jahre.» Deshalb greife der Bundesrat auch nicht zu Notrecht, sondern stelle die Lösung auf dem Bürgschaftswesen aus dem Jahr 2006 ab.

Das Modell baut auf eine enge Zusammenarbeit mit den Kantonen. Diese seien näher an der Wirtschaft dran und könnten die Unternehmen besser beurteilen. «Wir binden Leute ein, die etwas vom Geschäft verstehen», sagte Maurer.

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