Martin Dürr stand wegen eines fragwürdigen Facebook-Posts in harscher Kritik. (Bild: Facebook/Martin Duerr)
Basel

Nach fragwürdigem Trump-Post – Basler Pfarrer (61) macht Rückzieher

Martin Dürr rief in einem Facebook-Post zum Mord an Donald Trump auf. Nun macht der Basler Pfarrer einen Rückzieher und entschuldigt sich.

Der Basler Pfarrer Martin Dürr sorgte mit einem Facebook-Post an Ostern für viel Kritik. Darin bezeichnete der 61-Jährige den US-Präsidenten Donald Trump wegen der vielen Corona-Toten als Tyrannen.

Weiter schrieb Martin Dürr: «Wie kann es sein, dass sie einen pathologischen Lügner und Narzissten wählten und ihn weiterhin anbeten, als wäre er Gott? Wann ist der Moment gekommen, einen faschistischen Diktator umzubringen?»

Der Co-Leiter des Pfarramts für Industrie und Wirtschaft BS/BL relativierte seine Aussagen zwar später in seinem Facebook-Post: «Natürlich zögere ich, zum Tyrannenmord aufzurufen». Doch nur mit einem Umsturz sei in den USA eine noch viel grössere Katastrophe zu verhindern.

Die «Basler Zeitung» berichtete am Sonntag darüber. Der «BaZ»-Journalist Daniel Wahl bezeichnete Dürrs Post in einem Kommentar als Aufruf zum Mord. Weiter schrieb Wahl, der US-Präsident habe mit dem Einreisestopp für Chinesen in der Corona-Krise das einzig Richtige getan.

Vergleich zwischen Naziregime und Trump-Wählern

In seinem Post zog Martin Dürr zudem einen Vergleich zwischen dem Naziregime und den Wählern Donald Trumps. «Was ist ein Glaube wert, wenn die grosse Mehrheit der Kirchen unter dem Namen ‹Deutsche Christen› einen Eid auf den Führer schwört; in vollem Bewusstsein, dass dieser gottähnlich verehrte Führer rassistische, antisemitische, menschenverachtende Pläne hatte und ausführte?», stand in dem Post.

Daniel Wahl kritisierte auch diese Aussage aufs Äusserste. Er nannte dies eine Relativierung des Holocausts. Ein Nutzer in der Kommentar-Spalte feuerte gegen den Pfarrer. «Welch krankem Hirn entspringt der Aufruf, einen gewählten Präsidenten umzubringen?»

Martin Dürr entschuldigt sich

Dieser Kommentar sei aber nicht der einzige negative Nachricht an Dürr gewesen: «Seit der Artikel gestern Abend online publiziert wurde, bekam ich unzählige Hassmails», erzählt der Pfarrer in einem Interview mit «Bajour» am Dienstag.

Im Bajour-Interview erklärt Martin Dürr seinen Text und präzisiert: «Ich selber will den Mord nicht als valable Option zur Diskussion stellen, sondern diskutieren, ab wann Ungehorsam gegen die Machthaber zwingend wird. Und mit Ungehorsam meine ich nicht Mord, sondern gewaltlosen Widerstand».

Auch gegenüber dem «Blick» sagt der Pfarrer: «Es ging mir in meinem Text nie darum, zum Mord an einem Menschen aufzurufen. Dass dies so verstanden wurde, bedauere ich sehr».

Inzwischen hat Martin Dürr den Post sowie alle weiteren Posts für die Öffentlichkeit verborgen. Der Pfarrer hat sich zudem für den Vergleich des Naziregimes mit den Trump-Wählern entschuldigt, er sei völlig verfehlt. «Diesen Facebook-Post würde ich so ganz sicher nicht mehr schreiben», betont Martin Dürr gegenüber dem «Blick».

13 Kommentare

  1. Und so ein Mensch wagt sich vor eine Gemeinde zu stehen, das Wort Jesu zu verkünden. Selbst tief im Innersten voller Rachegelüste. Nichts von Vergebung oder liebe deinen Nächsten und all die frommen Sprüche die so gern geäussert werden, aber selbst unfähig sich nach den fundamentalen Glaubensrichtlinien zu benehmen. Es entfremdet mich so ein Mensch als Pfarrer unter uns zu haben! Dieses verhalten entspricht einem sehr tiefen, destruktiven Charakter. Sorry aber bitte lasst so etwas nicht auf unsere Gesellschaft los, denn sie sucht und braucht gerade in der momentanen Zeit verlässliche Leit- und Vorbilder und eine Glaubensverkündung die auf den Werten unserer reifen Zivilisation basiert. Und erstaunlicherweise schweigen die verantwortlichen einmal mehr und sind somit Teil des Problems!Report

  2. Das gibt schon zu denken.. eigentlich erwartet man von einer Person mit diesem Beruf und diesem Amt eine gewisses Niveau, eine Vorbildfunktion und dass sie die Grundwerte einer zivilisierten Gesellschaft vorlebt.
    Ich denke dass ich einen weiteren Schritt näher zum Kirchenaustritt gekommen bin….
    Weil irgendwann ist die Summe aller Fehlleistungen unentschuldbar.
    Es zeigt wiederholt dass die Kirche nicht in der Lage ist ihre eigentlich Aufgabe zu erfüllen.Report

  3. Schade Herr Pfarrer. Hab mal gedacht, es gibt einen Pfarrer mit Rückgrat. Sie hatten vollkommen recht, Politiker sind die grössten Verbrecher, aber sie haben die Lizenz dazu. Dumm gelaufenReport

  4. Ich hab den kompletten text von herrn dürr gelesen. Nur auszüge daraus zu zitieren ist schlicht nicht fair und reine boulvardpresse. Dies hat rein gar nichts mit journalismus zu tun. Sowas nennt sich hetzerei.Report

  5. Ein öffentlicher Aufruf zur Ermordung des US Präsidenten ist und bleibt ein verbrecherischer Akt, in der Schweiz wohl ein Offizialdelikt. Der Post von Dürr beinhaltet ganz klar einen solchen Aufruf und lässt sich nur schwerlich relativieren, meines Erachtens kann dieser nicht glaubwürdig als nichtig erachtet werden. Unentschuldbar ausser bei Nichtzurechnungsfähigkeit. Deshalb habe ich diesen Pfarrer Dürr den US amerikanischen Amtsstellen gemeldet, inkl. US Embassy in Bern, Homeland Security und Security Service White House. Meines Erachtens kann und muss dieser Aufruf zur Ermordung des US Präsidenten als verschwörerischer Akt zu einem Gewaltverbrechen verstanden werden, was dadurch die Klassifizierung des Act of Terror mit sich bringen muss und wohl wird.Report

  6. Unfassbar, und das aus dem Mund eines Gläubigen. Dieser Pfarrer muss für seine Aussagen angezeigt werden. Ich bin kein Trump Fan aber im Gegensatz zu Obama hat D. Trump keinen einzigen Krieg begonnen. Obama wurde sogar noch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, schräger gehts ja wohl nicht mehr. Diese Welt wird immer eigenartiger.Report

  7. Daniel Wahl schreibt, Trump habe mit seinen Einreisestopp das einzig richtige getan. Ich frage mich, ob er sowohl von all den Versäumnissen davor und dem ganzen katastrophalen Umgang mit der Krise seither nichts mitbekommen hat. Oder ob er das lieber nicht erwähnt, weil so die Verzweiflung von Menschen wie Herrn Dürr verständlich wäre. Im dritten Reich gab es Pfarrer, die Bomben segneten und solche die Wiederstand leisteten. Heute gibt es Pfarrer die vor Trump’s Verbrechen gegen die Menschen und die Umwelt die Augen verschliessen und solche die empört und entsetzt darüber sind.
    Was ist ihnen lieber?Report

  8. Als Berufskollege von Martin Dürr will ich meinem Unverständnis Ausdruck geben. Wie kann ein Pfarrer solche unüberlegten, unpassenden Kommentare und verkappte Aufrufe abgeben und sich dann noch indirekt und fälschlicherweise auf Bonhoeffer berufen? Das ist nicht zuletzt auch ein Missbrauch der bonhoefferschen Gedanken. Martin Dürr hat sich damit disqualifiziert. Auch wenn er sich jetzt aus selbstschützerischen Gründen entschuldigt. Geschrieben ist geschrieben.
    Ich selbst verabscheue Trump auch. Aber absichtlich, systematisch Menschen umbringen, das tut er nicht. Ich vermisse hingegen Dürrs Stimme bezüglich Herrschern von Ländern und Völkern, die wirklich Schlächter sind oder ein Volk und Land völlig ruinieren. Dort könnte man allenfalls tatsächlich über „Eliminierung“ nachdenken.Report

  9. Der Artikel von Herrn Dürr war ungeschickt geschrieben, aber kein Aufruf zum Mord. Die Rechtskonservative BAZ Journalist aus der Pfingsgemeide der den Artikel über Ihn geschrieben hat, begeht mit dem was er täglich schreibt oder weglässt deutlich größere Verbrechen gegen die Menschheit, als der Facebookpost eines ungeschickten Pfarrers.
    Die Diskussion über Wiederstand und die Toleranz der Intoleranz ist grundlegend für eine gesunde Demokratie.Report

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