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Der Telebasel News Beitrag vom 15. April 2020.
International

Österreich öffnet Geschäfte – Franzosen müssen sich noch gedulden

Einzelne Länder nehmen bereits erste Lockerungen der Massnahmen vor. Für Andere haben Sicherheit und Vorsicht Vorrang.

Der Weg zurück zur Normalität wird weltweit ein langer sein. Einige Länder, auch in unmittelbarer Nachbarschaft der Schweiz, wagen zaghafte Schritte raus aus dem Stillstand des Wirtschafts- und Alltagslebens. Ein aktueller Überblick:

Deutschland denkt über Lockerung nach

In Deutschland regte das Robert Koch-Institut (RKI) an, Schulen zuerst wieder für die höheren Jahrgänge zu öffnen. Es gehe dabei um die Annahme, dass Jugendliche Abstandsregeln besser einhalten könnten, sagte Präsident der deutschen Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten, Lothar Wieler, am Dienstag. Es gebe derzeit noch keine Hinweise darauf, dass die Coronavirus-Pandemie in Deutschland eingedämmt sei, betonte Wieler. Es sei aber gelungen, sie zu verlangsamen, vor allem durch das Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln.

Dennoch: Es besteht Uneinigkeit, denn Politiker und Expertenkreise empfehlen zum Teil gegenteilige Massnahmen. So sind die Bundesländer beispielsweise uneinig darüber, ob zuerst die Grundschulen oder Oberstufen wieder schrittweise geöffnet werden sollen. Nordrhein-Westfalen möchte alle Schulen ab dem 20. April gleichzeitig wieder öffnen. Unterrichten sollen dann Lehrer, die nicht über 60 oder nicht schwanger sind. Ab kommenden Mittwoch soll es dann Unterricht geben und zwar zuerst Abitur- und Mittelstufen, die ab dem 12. Mai in ihre Prüfungsphase übergehen.

Bis Dienstagvormittag waren in Deutschland mehr als 126’600 Infektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Mindestens 2’998 mit dem Erreger Sars-CoV-2 Infizierte sind den Angaben zufolge bislang bundesweit gestorben. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die neuesten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. In Deutschland gelten zurzeit umfassende Kontaktsperren für die Bürger, ausserdem sind unter anderem Restaurants, Theater, Kinos sowie Spielplätze und viele Geschäfte geschlossen.

Österreich öffnet Geschäfte wieder

Nach vierwöchiger Schliessung wegen der Corona-Krise haben in Österreich seit Dienstag wieder zahlreiche Geschäfte geöffnet. Von der Lockerung der Anti-Corona-Massnahmen profitierten kleine Läden mit weniger als 400 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie die Bau- und Gartenmärkte, vor denen sich vereinzelt lange Schlangen bildeten. Die Öffnungszeiten der Läden sind von 07:40 Uhr bis 19.00 Uhr beschränkt. Händler, die zu viele Kunden auf einmal hereinlassen, müssen mit bis zu 3’600 Euro Strafe rechnen.

Es gibt zugleich Auflagen. Alle Kunden und Mitarbeiter müssen einen Mundschutz tragen, der Mindestabstand von einem Meter ist einzuhalten und die Zahl der Kunden im Verkaufsraum wird begrenzt. Das Bedecken von Mund und Nase durch einen speziellen Schutz oder einen Schal wird in allen öffentlichen Verkehrsmitteln Pflicht. Die Ausgangsbeschränkungen bleiben im Prinzip bis Ende April in Kraft. In einer zweiten Stufe sollen vom 2. Mai an alle Geschäfte in Österreich wieder öffnen dürfen, dazu zählen auch die Friseure. Von Mitte Mai an könnten die Lokale und Restaurants folgen.

Österreich steht im internationalen Vergleich in der Corona-Krise aktuell gut da. Die Infektionszahlen sind eher niedrig, die Zahl der Genesenen dafür hoch. Ausserdem sind die Kapazitäten der Kliniken zur Behandlung auch schwerer Fälle der Lungenkrankheit Covid-19 bei weitem nicht ausgelastet.

Franzosen hoffen auf den 11. Mai

Die Franzosen müssen noch rund vier Wochen mit den strengen Ausgangsbeschränkungen leben, die seit dem 17. März gelten. «Der 11. Mai wird der Beginn einer neuen Etappe sein», sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Montagabend in einer TV-Ansprache. Die Hoffnung komme zurück. «Aber nichts ist selbstverständlich.» Denn in der ostfranzösischen Region Grand Est oder im Grossraum Paris seien die Krankenhäuser weiter überlastet.

Macron warnte, ein Ende der Ausgangsbeschränkungen am 11. Mai sei nur möglich, wenn sich die Menschen weiter verantwortungsbewusst verhalten. Ab dann sollen Schulen und Kindergärten schrittweise wieder öffnen, die Hochschulen aber nicht vor dem Sommer. Restaurants, Cafés oder Hotels sollen vorerst geschlossen bleiben. Auch Senioren oder chronisch Kranke müssen dann weiterhin zu Hause bleiben.

Frankreich ist von der Pandemie hart getroffen – bis Montag zählte das Land 14’967 Todesfälle. Am fünften Tag in Folge ist die Zahl der Menschen, die auf der Intensivstation behandelt werden, leicht rückläufig. Die Behörden sprechen von einem «hohen Plateau».

Das «Journal du Dimanche» schrieb, dass sogar eine Verlängerung der Ausgangsbeschränkung bis Mitte oder Ende Mai möglich sei. Die Regelungen gelten in Frankreich seit dem 17. März. Das Haus dürfen die Menschen nur für notwendige Dinge wie Einkaufen verlassen, Spazieren gehen oder Sport ist nur eine Stunde pro Tag im Umkreis von einem Kilometer zur Wohnung erlaubt.

Italien zählt weniger Todesfälle

Einen Hoffnungsschimmer gab es aus Italien, wo am Ostermontag 566 Corona-Tote binnen 24 Stunden registriert wurden, etwas mehr als am Vortag, aber weniger als in der schwersten Phase der Pandemie, als fast 1’000 Tote an einem Tag zu beklagen waren.

Insgesamt starben in dem Land seit Februar 20’465 Menschen im Zusammenhang mit der Covid-19-Krankheit, wie der Zivilschutz mitteilte. Die Gesamtzahl der Infizierten stieg moderat auf 159’516 Fälle (plus gut 3’000). In Italien gilt ein strenges Massnahmenpaket im Kampf gegen die Corona-Krise mit Ausgangsverboten und Betriebsschliessungen noch bis zum 3. Mai. Diverse Experten rechnen sogar damit, dass Schulen erst nach den Sommerferien, also im September geöffnet werden können.

Spanier gehen wieder an die Arbeit

Seit Dienstag dürfen die Spanier landesweit erstmals seit rund zwei Wochen wieder arbeiten, der sogenannte Winterschlaf, mit dem die linke Regierung den Kampf gegen die Corona-Pandemie intensiviert hatte, ist vorbei. Bereits am Montag war dies in Madrid und jenen Regionen der Fall, in denen Ostermontag kein Feiertag ist.

Allerdings gilt die strenge Ausgangssperre weiter bis mindestens Mitternacht am 25. April. Privat dürfen die Menschen seit Mitte März nur zum Einkaufen und in Sonderfällen vor die Tür. Ministerpräsident Pedro Sánchez sagte am Sonntag: «Wir sind nicht einmal am Beginn einer zweiten Phase. Erste Lockerungen wird es frühestens in zwei Wochen geben. Und die werden schrittweise und vorsichtig sein.»

Die positive Tendenz im Kampf gegen das Virus hielt derweil auch über Ostern an. Mit knapp 3’500 Neuinfektionen binnen 24 Stunden wurde am Montag die niedrigste Zahl seit dem 20. März verzeichnet. Spanien hat nun insgesamt rund 170’000 Infizierte.

Dänemark beginnt Lockerungen im Bildungssektor

Ab Mittwoch öffnen Kinderkrippen, Kindergärten sowie die Schulen für Kinder bis zur fünften Klasse wieder. Damit will die dänische Regierung zunächst die Eltern entlasten, die sich bislang neben der Arbeit auch noch um ihre jüngeren Kinder kümmern mussten. Von einer «ersten vorsichtigen Phase» der Öffnung sprach Ministerpräsidentin Mette Frederiksen.

Alle weiteren Massnahmen wurden hingegen um vier Wochen verlängert: Die dänischen Grenzen, auch die nach Deutschland, bleiben vorläufig bis zum 10. Mai dicht. Gleiches gilt für Restaurants, Cafés, Kneipen sowie Theater und weitere Freizeiteinrichtungen. Versammlungen mit mehr als zehn Personen sind weiter verboten, Grossveranstaltungen bis Ende August untersagt.

Grossbritannien noch nicht über den Berg

Von einem «düsteren Tag» sprach der britische Gesundheitsminister Matt Hancock. Die Corona-Todeszahlen hatten am Wochenende die 10’000er-Marke übersprungen. Experten rechnen mit einer hohen Dunkelziffer, da vor allem viele Opfer in Seniorenheimen noch nicht erfasst sind. Viele Experten fürchten, dass das Gesundheitssystem der Krise nicht standhalten werde und Grossbritannien schon bald das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land in Europa sein könnte.

Aber zumindest der an Covid-19 erkrankte Premierminister Boris Johnson hat seine schwere Erkrankung überstanden. Er konnte das Krankenhaus verlassen und erholt sich auf dem Landsitz Chequers. Der staatliche Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) habe sein Leben gerettet, twitterte der 55-Jährige. Es wird erwartet, dass er erst in einigen Wochen die Regierungsgeschäfte wieder übernehmen kann. Derzeit wird er von Aussenminister Dominic Raab vertreten.

USA wollen Wirtschaft bald wieder hochfahren

Das öffentliche Leben in den USA steht wegen der Krise in weiten Teilen still, was der Wirtschaft extrem zu schaffen macht. Ursprünglich hatte Donald Trump eine Rückkehr zur Normalität schon für diese Tage, zu Ostern, in Aussicht gestellt. Aber dann traf die Covid-19-Pandemie die USA mit voller Wucht, täglich gibt es seither traurige Rekorde.

Trump will die Wirtschaft rasch wieder zum Laufen bringen und voraussichtlich am Dienstag ein Expertengremium vorstellen, das über den Zeitplan für eine Lockerung der geltenden Beschränkungen beraten soll.

Da der Präsident sich schon massive Kritik der oppositionellen Demokraten und der Medien eingehandelt hatte, die Corona-Gefahr lange verharmlost und das Steuer erst viel zu spät herumgerissen zu haben, warnt Fauci seinen Chef jetzt vor übereilten Schritten in die andere Richtung: Möglicherweise könnte der Prozess einer vorsichtigen Öffnung «zumindest auf gewisse Weise» im kommenden Monat beginnen.

Mehr als 10’000 Corona-Tote in New York

Im besonders heftig von der Corona-Pandemie getroffenen US-Bundesstaat New York sind inzwischen mehr als 10’000 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus gestorben, US-weit sind es mehr als 23’000. Die Gesamtzahl der Todesopfer in dem nordöstlichen Bundesstaat mit rund 19 Millionen Einwohnern liege nun bei 10’065, teilte Gouverneur Andrew Cuomo am Montag mit.

Zwischen Sonntag und Montag seien noch einmal 671 dazugekommen, weniger als in den Tagen zuvor. «Die Zahl ist praktisch flach, aber auf einem schrecklichen Level von Schmerz, Trauer und Sorge.» «Ich glaube, man kann sagen, dass das Schlimmste vorbei ist», sagte Cuomo – betonte aber, dass das nur gelte, wenn sich die Menschen in New York weiter an die strengen Ausgangsbeschränkungen hielten.

Bestehen bleibt vorerst der US-Einreisestopp für Ausländer aus Europa. Italien und Spanien gehe es in der Corona-Krise noch immer nicht gut und Frankreich habe gerade erst Massnahmen zur Eindämmung des Virus verlängert, sagte US-Präsident Donald Trump am Montagabend im Weissen Haus. Der Einreisestopp bleibe in Kraft, bis es den Ländern besser gehe. Sobald dies der Fall sei, wolle man den Einreisestopp «sehr schnell» beenden, machte Trump deutlich.

1 Kommentar

  1. Und die Schweiz? Ich würde es schon mal gut finden wenn wenigstens die Schule öffnet. Sonst müssen sie schlimmstenfalls wiederholen. Wenigstens ab 4 Klasse. Oder 1 Tag für jede Klasse in der Woche dann können die Kinder besser nachfragen wenn Sie nicht draus kommen und verstehen besser. Und sie kommen aus der Einsamkeit. Mit Schutz und Abstand.Report

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