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Das Interview mit Professor Andreas Brenner. (Video: Telebasel)
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Uni-Professor: «Massnahmen müssen virologisch gerechtfertigt sein»

Stimmen aus Wirtschaft und Politik fordern den vorzeitigen Exit. Dabei muss man abwägen zwischen wirtschaftlichen Schäden und dem Schutz von Menschenleben.

Der Bundesrat will mit den verordneten Massnahmen die Verbreitung des Coronavirus‘ eindämmen. Deswegen steht seit dem 16. März das öffentliche Leben still. Treffen von mehr als fünf Personen in der Öffentlichkeit sind verboten, die meisten Läden geschlossen. Die Folgen: Immer mehr Firmen melden Kurzarbeit an, Existenzen sind bedroht. 

Einige Stimmen aus Wirtschaft und Politik fordern deshalb den vorzeitigen Exit aus dem Lockdown. Am Mittwoch wurde bekannt: Der Bundesrat verlängert die Massnahmen, kündigt aber langsame Lockerungen an.

Offiziell zu möglichen Lockerungen äussern, wollten sich die Basler und Baselbieter Regierungen im Vorfeld noch nicht. «Jetzt ist es noch zu früh, etwas dazu zu sagen», sagt etwas die Regierung aus dem Baselbiet. Der Basel-Städtische Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin sagt auf Anfrage von Telebasel sogar: «Wir sind schliesslich keine Hellseher.»

Massnahmen müssen virologisch gerechtfertigt sein

Die Politik zögert mit den Entscheidungen und verlässt sich auf die Meinung der Experten und Virologen. Ein Zusammenhang der Massnahmen und Expertenmeinungen sollte aber gegeben sein, so Andreas Brenner, Professor für Philosophie an der Uni und der FHNW in Basel. «Wenn die Bevölkerung trotz ihrer Vereinzelung, in der wir gerade stecken, den Eindruck gewinnt, dass die Massnahmen nicht mehr virologisch gerechtfertigt sind, die Politik aber anderer Meinung ist und andere Entscheidungen trifft, ist das politisch natürlich sehr belastend bis langfristig wirklich verheerend.»

Die Frage, ob die wirtschaftlichen Schäden minimiert oder das Wohl der Menschen erhalten werden soll, sei nicht so einfach zu beantworten. Man müsse abwägen und in Geltung bringen, dass diese Entscheidungen ein enormes Gewicht haben und viele Menschen geschädigt und in Gefahr gebracht werden können. Grund: «Der Lockdown, der hier bereits viele Menschen hart trifft, der trifft bereits seit einer Weile die Ärmsten der Armen weltweit katastrophal. Dort werden zig Millionen, wenn nicht hundert Millionen Menschen in die absolute Armut stürzen», sagte der Philosophie-Professor zu Telebasel.

Interessen kollidieren

Bei der Frage um die Lockerung des Lockdowns kollidierten laut Andreas Brenner primär die ökologischen und gesundheitlichen Interessen. «Dazu kommt aber auch das soziale und kulturelle Interesse. Der Lockdown betrifft nicht alleine die Wirtschaft. Unser gesellschaftliches Leben ist ebenfalls lahmgelegt.»

Das gäbe der Debatte ein grösseres Gewicht als nur die ökonomische Sichtweise. Die Politik stünde nun vor der schweren Entscheidung, das Risiko einzuschätzen. «Bei der Risikoabwägung muss man die Risiken des gesellschaftlichen und ökonomischen Schadens abwägen.»

Durch die gelebte Isolation und die fehlenden sozialen Kontakte, erleben Menschen gerade eine aussergewöhnlichen Situation. Die Auseinandersetzung, beispielsweise auch über die Frage, wie die Politik mit dem Lockdown umgehen soll, fände gerade in einer totalen Vereinzelung statt. «Jeder hat darüber seine persönlichen Gedanken, die er dann seinen Kollegen und Bekannten mitteilt. Das ist aber nicht das Gleiche, wie wenn wir uns auf dem Marktplatz treffen und uns dort austauschen, sagt Andreas Brenner.»

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