Die Anzahl Neuinfizierter im Tessin nehme laut Kantonsarzt Giorgio Merlani konstant ab. (Symbolbild: Keystone)
Schweiz

Kurve der Neuinfektionen im Tessin beginnt abzusinken

Erstmals seit Mitte März verzeichnet das Tessin während drei Tagen in Folge weniger als hundert Neuinfektionen. Die Zahl der Neuinfizierten nimmt ab.

Kantonsarzt Giorgio Merlani wertet dies als Zeichen, dass der Südkanton das Gröbste überstanden hat. Die Anzahl Neuinfizierter im Tessin nehme konstant ab, sagte Giorgio Merlani an einer Medienkonferenz am Montagnachmittag. Laut dem Kantonsarzt befanden sich zu diesem Zeitpunkt 285 an Covid-19 erkrankte Personen in Spitalpflege, davon 72 auf den Intensivstationen. 62 von ihnen müssten künstlich beatmet werden, sagte Merlani.

350 Personen hätten bis Montagmittag aus den Tessiner Spitälern entlassen werden können. Damit sei die Gruppe der Entlassenen grösser als jene der Hospitalisierten. Diese Entwicklung bringe ihn dazu, der Bevölkerung danken zu wollen, sagte Merlani. Danken dafür, dass die Tessinerinnen und Tessiner die verhängten Massnahmen so gewissenhaft umgesetzt hätten. «Alle zusammen haben wir es geschafft, dass die Kurve nun abzuflachen beginnt.»

Andererseits wisse er, dass das Virus noch in der Bevölkerung präsent sei. «Dass die Kurve am Sinken ist, heisst nicht, dass das Problem gelöst ist», resümierte Merlani. Würde man heute die Massnahmen aufheben, käme das Virus zurück.

Geordneter und langsamer Ausstieg nötig

Nun gelte es, den richtigen Weg zu finden, um die Massnahmen geordnet und langsam anzupassen. Auch das müsse gemeinsam geschehen. «Wir haben in anderen Ländern gesehen, was passiert, wenn die Massnahmen allzu schnell gelockert werden.» Das Wichtigste sei, dass die Spitäler auch künftig in der Lage seien, schwer Erkrankte gut zu betreuen. Um das garantieren zu können, müssten die Neuinfektionen weiter sinken.

Bildungsdirektor Manuele Bertoli zog nach drei Wochen geschlossener Schulen eine erste Bilanz. Die Lehrpersonen hätten ihren Unterricht auf Distanz mit viel Phantasie gestaltet, resümierte Bertoli. Die Bilanz nach 21 Tagen Fernunterricht falle sehr gut aus.

Wie in der übrigen Schweiz werde auch im Tessin das Schuljahr voll angerechnet, hielt der Bildungsdirektor fest. Die Noten blieben auf dem Stand vom 13. März. Nach welchen Regeln Schülerinnen und Schüler befördert würden, werde erst im Mai festgelegt. Neue Weisungen folgten im April.

Dank an die Tessiner Bevölkerung

Auch Paolo Ferrari, Leiter des Tessiner Spitalverbandes EOC, dankte der Tessiner Bevölkerung. Diese hätte die Regeln des «social distancing» sehr gewissenhaft befolgt.

Ferrari dankte zudem dem Tessiner Regierungsrat. Dessen «drastische Massnahmen» habe den Spitälern geholfen, die Schwerkranken zu betreuen. Zu guter Letzt dankte Ferrari allen, die in den beiden Covid-19-Referenzspitälern arbeiten.

«Tessin ist nicht verschont worden»

Das Tessin sei von der Pandemie hart getroffen worden, sagte Ferrari. Im Vergleich mit der Gesamtschweiz hätte das Tessin deutlich mehr Infizierte, nämlich rund 7200 pro Million Einwohner. In der Gesamtschweiz seien etwas mehr als 2500 pro Million Einwohner infiziert. «Das Tessin ist nicht verschont worden», hielt Ferrari fest.

Seit Ende Februar hätten die Spitäler täglich daran gearbeitet, die Kapazitäten der Intensivstationen zu vergrössern. Dies sei ihnen gelungen. Heute verfüge das Tessin über 26 freie Betten für andere schwere Krankheiten wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Krebs. «Auch während der Coronavirus-Pandemie brauchen wir noch Plätze, um andere Krankheiten zu behandeln», sagte Ferrari.

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