(Symbolbild: Keystone)
Schweiz

Krise trifft sozial schwache Menschen doppelt

Die Corona-Krise trifft diejenigen Menschen am stärksten, die bereits zuvor mit Armut und sozialem Ausschluss konfrontiert waren.

28 Betroffenenorganisationen und Organisationen der Armutsbekämpfung und -prävention fordern daher Massnahmen um existenzielle Bedürfnisse würdevoll sicherzustellen. Die gegenwärtige Situation werfe ein Schlaglicht auf bestehende Ungleichheiten und bringe noch deutlicher zum Vorschein, was für viele Menschen in der Schweiz eine dauerhafte Krise sei, heisst es in einer Medienmitteilung vom Montag.

Unterzeichnet wurde sie unter anderem vom Berufsverband Soziale Arbeit Schweiz, Emmaus Schweiz, IG-Sozialhilfe, Kirchliche Gassenarbeit Bern, S.Egidio Suisse, Surprise und dem Schweizerischen Arbeiterhilfswerk. Koordiniert wird der gemeinsame Auftritt von ATD Vierte Welt Schweiz.

Die gegenwärtige Situation unterstreiche «die Notwendigkeit, die Erfahrung und das Wissen armutsbetroffener Menschen vollwertig miteinzubeziehen, um wirksame, existenzsichernde und würdevolle Antworten für alle zu finden», stellen die Organisationen fest. In der permanenten Krisensituation der Armut hätten diese gelernt, sich um andere zu kümmern. Sie seien auch in der aktuellen Situation bereit, diejenigen zu unterstützen, die noch stärker betroffen seien als sie selber.

Temporärer Erlass von Strom- und Telefonkosten

Konkret fordern die verschiedenen Organisationen beispielsweise Angebote an würdevollen Aufenthalts- und Übernachtungsmöglichkeiten und öffentlich zugängliche sanitäre Anlagen für Menschen ohne festen Wohnsitz. Für Menschen, die den Strom nicht bezahlen können, sollten gesperrte Stromanschlüsse freigeschaltet und Stromkosten temporär erlassen werden.

Ausserdem sollten bei Corona-Fällen für Menschen und Familien mit tiefen Einkommen die Krankenkassen die Arzt- und Behandlungskosten vollumfänglich übernehmen. Ferner sollten jetzt für alleinerziehende Mütter Anlaufstellen bereit gestellt werden und Frauenhäuser zusätzliche Unterstützung erhalten.

Nach Ansicht der Organisationen sollten jetzt Schulkinder, deren Eltern nicht die nötigen Mittel haben, sie zu Hause bei Schularbeiten zu begleiten, zusätzliche Unterstützung erhalten. Für Menschen, die von der Sozialhilfe unterstützt werden, sollte zudem jetzt landesweit temporär auf den generellen Zwang Arbeitsbemühungen vorzuweisen, verzichtet werden.

Auch die Kommunikationsmöglichkeiten sollten für einkommensschwache Personen sichergestellt werden. Die Sperrung von Telefonanschlüssen sollte daher aufgehoben werden und die Gebühren für Telefon und mobiles Internet temporär erlassen werden.

Neben diesen konkreten kurzfristigen Massnahmen, rufen die Organisationen dazu auf, langfristig und unter Miteinbezug des Wissens armutserfahrener Menschen solidarisch zu denken und zu handeln.

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