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Der Telebasel News Beitrag vom 5. April 2020.
Schweiz

Drei Szenarien, wie die Corona-Krise verlaufen könnte

Die Menschen möchten wieder zurück zur Normalität. Mithilfe eines Modells eines Basler Forschungsteams spielt Telebasel drei Szenarien in der Schweiz durch.

Wie viele Tage oder Wochen soll der Lockdown noch weitergehen? Wann ist dieser Corona-Spuk endlich vorbei? Das fragen sich momentan nicht nur die Menschen zuhause, sondern auch die Wirtschaft.

Wie lange dieser Lockdown geht, hängt vor allem davon ab, wie konsequent er umgesetzt wird. Zu diesem Schluss kommen verschiedene Forscher. So auch das Team von Richard Neher von der Uni Basel. Dieses erstellte ein Pandemie-Modell, welches zwar mit diversen Unsicherheiten behaftet ist, aber trotzdem einen Überblick verschaffen soll.

Mithilfe dieses Modells spielt Telebasel drei mögliche Szenarien in der Schweiz durch:

Szenario 1: Keine Massnahmen

Im ersten Szenario werden gar keine Massnahmen ergriffen.

Szenario 1: Keine Massnahmen. (Grafik: Telebasel)

Laut dem Modell würden wir ohne Massnahmen bereits im Mai den Höhepunkt der Zahl der Infizierten erreichen. Gleich 45’000 Menschen in der Schweiz wären gleichzeitig schwer erkrankt, aber nur 1’400 von ihnen hätten einen Platz auf den Intensivstationen.

Bei dieser Berechnung könnten 100’000 Menschen innert wenigen Monaten an den Folgen des Coronavirus‘ sterben. Aber schon im Sommer hätten in der Schweiz über sieben Millionen Menschen das Virus überstanden.

Szenario 2: Moderate Massnahmen

Im zweiten Szenario sind die ergriffenen Massnahmen moderat. Das bedeutet, dass die Übertragungsrate vom 1. März bis zum 1. Mai um zirka einen Drittel sinkt und dann auf diesem Wert bleibt.

Szenario 2: Moderate Massnahmen. (Grafik: Telebasel)

Mit dieser Berechnung verschiebt sich der Höhepunkt der Zahl der Infizierten auf Ende Mai. Dann wären gleichzeitig etwa 250’000 Menschen infiziert – 15’000 davon schwer erkrankt. Es gäbe also zehnmal mehr schwer Erkrankte als verfügbare Plätze auf den Intensivstationen.

Laut dieser Simulation würde es dann zu über 60’000 Todesopfer kommen. Im Juli wären dann knapp fünf Millionen Infizierte wieder gesund.

Szenario 3: Restriktive Massnahmen

Im dritten Szenario werden restriktive Massnahmen ergriffen.

Szenario 3: Restriktive Massnahmen. (Grafik: Telebasel)

Schon gegen Ende April zeigt die Simulation einen Rückgang der Infizierten an. Der Höhepunkt der Zahl der Infizierten würde erst in einem Jahr mit über 100’000 erreicht werden – über 7’000 davon wären schwer erkrankt. Also auch deutlich mehr als vorhandene Plätze auf den Intensivstationen.

Bis Ende Dezember aber würde die Anzahl der schwer Erkrankten unter den 1’400 Intensivbetten bleiben. Das würde bedeuten, dass man mehr Zeit hätte, um die nötigen Vorkehrungen einzuleiten. Dann könnte man allen Menschen, welche intensiv-medizinische Behandlung bräuchten, helfen.

Bis in einem Jahr hätte man laut dieser Simulation über 30’000 Todesfälle zu beklagen. Immer noch erschreckend, dennoch um einiges weniger als bei den anderen beiden Szenarien.

Berset tendiert zu drittem Szenario

Aber dieses dritte Szenario birgt auch einen gravierenden Nachteil: Es würde sehr lange dauern, bis sich die Situation wieder entspannt. Weder im Januar 2021 noch im März 2021 wäre es soweit. Und während der ganzen Zeit müssten die Schutzmassnahmen beibehalten werden.

Trotzdem stehen die Anzeichen so, dass es eher in die Richtung des dritten Szenarios geht. Denn der Bundesrat Alain Berset sagte in der «Sonntagszeitung»: «Im Moment scheint es illusorisch, dass wir auf den 20. April viel ändern können. Erst wenn die Zahlen der Infizierten und der Spitaleintritte eindeutig sinken, können wir an Lockerungen denken.»

Die Forscher wissen noch nicht genug

Die Aussicht auf ein halbes oder ganzes Jahr Lockdown wird viele Menschen erschrecken, aber es muss nicht so kommen. Die Forscher wissen nämlich noch nicht genug über das Virus und seine Verbreitung, um eine verlässliche Aussage treffen zu können.

Trotzdem: Viele Forscher sind sich einig, dass es eine lange Abwehrschlacht sein wird, um wiederholte Ausbrüche zu verhindern. Oder wie es der Virologe Christian Drosten ausdrückte: «Der Kampf gegen das Virus ist kein Sprint, sondern ein Marathon.»

Medikamente sind entscheidend

Entscheidend für den Verlauf der Pandemie ist die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen das Coronavirus. An den Forschern hängt also viel Hoffnung. Wenn die Forscher einen breit verfügbaren Wirkstoff herausbringen, könnten die Corona-Massnahmen wahrscheinlich rasch gelockert werden.

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