Basel

Überlebt Rotblau diese Corona-Krise?

Der FC Basel kann sich Edon Zhegrova nicht leisten. Die Unsicherheit beim FCB in Zeiten von Corona scheint weit grösser, als vom Verein proklamiert.

Es ist der 7. August 2002. Der FC Basel wirft den slowakischen Meister MSK Zilina aus der Qualifikation zur Champions League. Es soll der Startpunkt einer denkwürdigen Europacup-Kampagne für Rotblau darstellen.

Geht die Rechnung auf?

Heute – knapp 18 Jahre später – folgt der wohl denkwürdigste Moment in der Vereinsgeschichte der Slowaken: Der MSK Zilina muss, als erster Verein überhaupt, aufgrund der Corona-Krise Konkurs anmelden. Ein Präzedenzfall im europäischen Fussball. Und womöglich nicht der letzte Verein, der dem Virus zum Opfer fallen wird.

Zahlreiche Vereine in Europa – auch in der Schweiz bangen um ihre Zukunft. Im Wallis griff ab der ersten Minute die Panik um sich. Der Präsident entliess zahlreiche seiner altgedienten Profis auf Knopfdruck. Ohne Rücksicht auf Verluste oder rechtliche Konsequenzen. Auf den Geschäftsstellen wurde im Eiltempo Kurzarbeit für die Mitarbeiter beantragt. So auch beim FC Basel. Nur die Profis – die aktuell nicht trainieren können – garnieren offiziell weiterhin munter ihre horrenden Gehälter. Ob diese Rechnung am Ende aufgeht?

Ein Talent ohne Basler Zukunft

Denn der Schein mag trügen. Das Wegfallen von Zuschauereinnahmen, TV-Geldern und Sponsoring-Zuschüssen scheint auch an den Grossen der Schweizer Liga nicht spurlos vorbei zu gehen. Im Gegenteil. Daraus machen die Klub-Bosse auch keinen Hehl. Aber Unsicherheit trübt den Alltag. Von Planung kann im Fussball aktuell keine Rede mehr sein. Unruhe macht sich breit. Zeichen nach Aussen werden gesetzt. Heile Welt während der Krise wird vorgelebt. Highlights aus längst vergangenen, aber nie vergessenen Tagen werden den Fans serviert. Um vermutlich genau das zu überspielen, was insgeheim bereits Tatsache ist: Die Corona-Krise erschüttert Rotblau bis ins Mark.

Lobeshymne über Lobeshymne prasselten über Edon Zhegrova nach seinem Auftritt im Spitzenspiel gegen den BSC Young Boys nieder. Der kosovarische Youngster zerlegte den Meister im Alleingang in Einzelteile. Ein junger Mann für die aussergewöhnlichen Momente. Ein Youngster auf dem Weg sich in die Basler Herzen zu dribbeln. Ein Spektakel-Spieler. Ein Talent, dass man in Basel mit viel Aufwand weiterentwickelte. Viel Arbeit und Zeit hinein investierte. Und das man im Sommer wieder zu seinem Stammverein zurückkehren lassen wird. Die Kaufoption für den Spieler wurde nicht gezogen.

Solidarität statt Business

Der Unmut und das Unverständnis der Fans ob dieses Entscheids ist nachvollziehbar. Man kann ihnen keinen Vorwurf machen. Es ist nicht das erste Mal, dass man als Fan des FCB – was Kaderentscheidungen angeht – vom Regen in die Traufe kommt. Hatte man bis vor einem Jahr noch knapp fünf Millionen Franken in der Kasse für einen Spieler wie Dimitri Oberlin, hat man heute – in Zeiten von Corona – scheinbar keine 3,5 Millionen Franken mehr für einen Edon Zhegrova. Obwohl man das Eigengewächs namens Noah Okafor doch noch vor wenigen Monaten für ein Mehrfaches nach Salzburg verkaufen musste.

«In dieser Zeit der wirtschaftlichen Unsicherheit erachtet der Verwaltungsrat der FC Basel eine Investition in substanzieller Höhe für nicht opportun. Die unternehmerische Absicherung des Klubs und der Arbeitsplätze aller Mitarbeitenden steht aktuell im absoluten Fokus aller Anstrengungen des Verwaltungsrates», heisst es seitens FCB-CEO Roland Heri. Kurz gesagt: Die sportlichen Geschäfte des FCB weichen in Zeiten der Corona-Krise der Solidarität. Der Solidarität gegenüber den eigenen Mitarbeitern. Und nicht jener eines Profi-Fussballers – egal welchen Talents.

Hoffen statt Wissen

Anders gesagt: Der FCB muss den Gürtel enger schnallen. Die Corona-Krise trifft Rotblau finanziell hart. So hart wie zahlreiche andere Vereine auch in Europa. Und sehr viel härter als es die rotblaue Führungsriege jemals zugeben würde oder möchte. Muss der FCB-Fan nun Angst um das Überleben von Rotblau haben? Man weiss es nicht. Man kann es auch nicht erahnen. Man kann nur das Beste hoffen und weiter versuchen, Zeichen zu deuten.

2 Kommentare

  1. Nach jahrzehnte langem, gutem wirtschaften unter Häusler wird der FCB der letzte Superleagueverein sein der existenzielle Probleme bekommt. Vorher verschwindet die restliche Super- und ChallengeleagueReport

  2. Wenn es dem FCB finanziell schlecht geht, werden die Fans, wie schon einmal, eine Spendeaktion durchführen!

    Jedoch auch die Spieler und die Verwaltung müssen maßgebliche Lohnkürzungen in Kauf nehmen.Report

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