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Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) warnte am Samstag davor, medizinische Notfälle aus Angst vor einer Ansteckung im Krankenhaus nicht behandeln zu lassen. (Video: Keystone-SDA)
Schweiz

Schweizer gehen aus Angst vor Corona nicht in Notaufnahme

Die Angst hält zurück: Wegen der grassierenden Coronavirus-Pandemie bleiben offenbar Menschen selbst mit medizinischen Notfällen vermehrt zuhause.

Laut Rettungsdienstlern würden derzeit rund ein Drittel weniger Patienten in den Schweizer Notfallstationen eintreffen als vor der Pandemie.

Die Schweizerische Gesellschaft für Notfall- und Rettungsmedizin (SGNOR) warnte am Samstag in einer Mitteilung, dass Zuwarten bei ernsthaften Notfällen zu Langzeitschäden führen könne. Trotz der Pandemie gebe es in den Rettungsdiensten und auf den Notfallstationen in der Schweiz derzeit genügend Kapazitäten.

Gemäss den Spezialisten für klinische Notfall- und Rettungsmedizin bleiben insbesondere unter anderem vermehrt Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten den Notfallstationen fern.

Die Menschen hätten Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken, sagte SGNOR-Copräsident Aristomenis Exadaktylos auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Zudem wollten sie das Gesundheitssystem nicht zusätzlich belasten. Dies würden Patienten berichten, die sich mit «verschleppten Notfällen» später doch noch an die Rettungsleute wenden würden.

Angst vor Ansteckung

Die Notfall- und Rettungsmediziner erklärten, dass Menschen mit Brustschmerzen, Atemnot, Lähmungen oder allgemeiner Schwäche nicht zögern sollten, die Notfall-Einrichtungen aufzusuchen oder den Rettungsdienst zu rufen. Verspätetes Behandeln von Herzinfarkten oder Knochenbrüchen könne sich fatal auswirken.

Der Aufruf sei keine Arbeitsbeschaffungsmassnahme, sagte Exadaktylos weiter. Die Arbeit gehe den Rettungsmedizinern in der Zeit der Corona-Krise nicht aus. «Wir machen uns aber Sorgen, dass gewisse Patienten körperlich und seelisch nicht ausreichend versorgt werden.»

Der Verband Fragile Suisse, der Hirnverletzte unterstützt, hatte bereits am Freitag mitgeteilt, dass seit dem Ausbruch der Coronavirus-Krise weniger Opfer von Hirnschlägen ins Spital gehen würden. Die Besuche in den wichtigsten Schweizer Behandlungszentren seien seit Mitte März durchschnittlich um rund 21 Prozent zurückgegangen. Dabei gebe es keinen Grund anzunehmen, dass landesweit aktuell weniger Personen einen Schlaganfall erleiden würden als in den Wochen vor der Abriegelung.

Kein Zögern bei Kindern

Wegen der Coronavirus-Pandemie ruft der Bundesrat die Bevölkerung auf, zuhause zu bleiben. Damit soll die Zahl der Neuinfektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 reduziert werden. Unter anderem sind Versammlungen von mehr als fünf Personen verboten. Zudem sollen die Menschen zwei Meter Abstand zueinander halten.

Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) warnte am Samstag vor den Bundeshausmedien davor, Notfälle aus Angst vor einer Ansteckung nicht behandeln zu lassen. Auch Kinderkliniken sollten nicht gemieden werden. Wenn ein Kind krank sei, brauche es Hilfe. Zudem seien Babys und Kleinkinder am wenigsten von schweren Coronafolgen betroffen.

Aus diesem Grund riet Koch auch davon ab, Impfungen für Kinder zu verschieben. Diese seien notwendig und könnten ohne Probleme weiterhin durchgeführt werden.

1 Kommentar

  1. Meine Kinder waren krank aber der Kinderarzt wollte uns nicht sehen. Er hatte nur fern diagnose gemacht und Schmerzmittel gegeben nur weil angst hatte das sie Corona hatten. Zum Teil nehmen sie nicht mal das Telefon ab. Zum glück hatten wir wia teldok hilfe über das wochenendeReport

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