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Der Telebasel News Beitrag vom 3. April 2020.
Basel

Novartis bekommt Zulassung für potentielles Corona-Medikament

Die Novartis bekam am Donnerstag die Zulassung für ein potentielles Corona-Medikament. Novartis Schweiz-Chef Matthias Leuenberger im Interview.

Herr Leuenberger, wie sieht die Situation aktuell bei der Novartis aus?

Matthias Leuenberger: Ich war gestern mal wieder auf dem Campus. Normalerweise mache ich ja ebenfalls Home Office, deswegen sehe ich auch so aus. Ich war schon länger nicht mehr beim Friseur (lacht).

Es ist sehr einsam auf dem Campus, da 80 Prozent unserer Mitarbeitenden Home Office machen. Wir haben normalerweise über 5’000 Mitarbeitende, die täglich auf dem Campus sind. Manchmal sind es mehr, manchmal weniger. Arbeitsplätze gibt es noch deutlich mehr. Jetzt führen wir einen sehr reduzierten Betrieb mit ungefähr 800 Mitarbeitenden vor Ort.

Wie kann der Betrieb mit so wenig Mitarbeitenden gewährleistet werden?

Matthias Leuenberger: Wir haben mehrere Standorte in der Schweiz. Einer der Wichtigsten neben Basel ist die Produktion in Stein. Sie können sich vorstellen: Wir sind ein systemrelevanter Betrieb. Wir müssen also weiterhin Medikamente produzieren, die auch gerade jetzt in Krisenzeiten gebraucht werden.

Das ganze Interview mit Schweiz-Chef Matthias Leuenberger. (Video: Telebasel)

Darauf haben wir aktuell das Hauptaugenmerk gelegt, so dass die Produktion weiterlaufen kann. Im Bereich Forschung und Entwicklung können wir uns ebenfalls keine Pause leisten. Es gibt auch dort vor Ort Mitarbeitende, die weiterhin im Einsatz sind.

Apropos Medikamente: Welche stellen Sie aktuell her, und hat sich die Produktion durch das Coronavirus verändert?

Matthias Leuenberger: So schnell lässt sich das nicht ändern. Sie müssen sich vorstellen, dass die ganze pharmazeutische Produktion sehr komplex verläuft. Es hängen Lizenzen und Bewilligungen dran. Das kann man nicht von einem Tag auf den anderen umstellen. Ich gehe aber später darauf ein, welche Medikamente wir am Testen sind und was wir bezüglich des Coronavirus‘ machen.

Welche Medikamente testen Sie wegen des Coronavirus‘?

Matthias Leuenberger: Wie Sie vielleicht mitbekommen haben, haben wir vor wenigen Wochen angekündigt, dass wir 130 Millionen Dosen einer Substanz mit dem sperrigen Namen Hydroxychloroquine spenden.

Das ist eine Substanz, die in den 30er Jahren entwickelt worden ist, respektive in den 50er Jahren gegen Malaria und andere Autoimmunkrankheiten verwendet wurde. Nun haben wir herausgefunden, dass diese Substanz auch gegen das Virus wirkt. Dies konnten wir bisher noch nicht mit klinischen Daten bestätigen, aber es gibt sehr konkrete Behandlungserfolge, weswegen wir diese Substanz weiterhin testen.

Ein kleiner Primeur für Telebasel: Wir haben in der Schweiz gerade erst gestern die Zulassung von Swiss Medic erhalten. Wir haben genug Dosen, damit diese in die Schweiz importieren und via Armee-Apotheke an die Krankenhäuser verteilt werden können. Diese Dosen können bei der Behandlung von Corona-Patienten eingesetzt werden.

Die klinischen Daten fehlen noch. Wetten Sie da nicht etwas auf die Ergebnisse? Wirklich sagen, kann man es ja noch nicht.

Matthias Leuenberger: Es gibt eine Evidenz, weil das Medikament bereits mehrfach an Patienten getestet wurde, die schwer an Corona erkrankt sind. Bei diesen Patienten hat es gewirkt.

Es ist schwierig, diese Frage bereits jetzt definitiv zu beantworten. Es wird bestimmt auch Patienten geben, bei denen das Medikament nicht wirkt. Momentan ist es aber trotzdem eine der Substanzen, auf die die Wissenschaft und Krankenhäuser grosse Hoffnungen setzen. Solange wir keine andere Lösung haben, ist dies durchaus eine gute Option.

Wie viele Dosen wurden in die Schweiz importiert?

Matthias Leuenberger: Das ist noch nicht ganz klar. Wir haben auf jeden Fall genug Dosen, um alle Fälle in der Schweiz zu behandeln. Sollte es noch mehr brauchen, können wir noch mehr importieren.

Wie ist Ihnen das gelungen?

Matthias Leuenberger: Durch die gute Zusammenarbeit mit Swiss Medic, mit dem Bundesamt für Gesundheit und der Armee-Apotheke. Diese Kanäle spielen sehr gut zusammen. Das hat gut geklappt und ist etwas, was ich Ihnen heute kommunizieren kann.

Sie haben erwähnt, dass Sie unter anderem mit der Bill & Melinda Gates Foundation und anderen ein Konglomerat gründen, in dem Sie gemeinsam forschen und gegen das Coronavirus kämpfen. Wie kommen Sie voran?

Matthias Leuenberger: Das ist nicht wirklich ein Konglomerat. Das ist an für sich eine Initiative der Bill & Melinda Gates Foundation. Unter diesem Dach haben sich ein Duzend Pharmafirmen zusammen getan. Unser CEO Vasant Narasimhan ist dort sogar der Co-Vorsitzender der ganzen Initiative.

Jetzt geht es darum, dass alle Pharmafirmen ihre Molekül-Datenbanken öffnen und versuchen rauszufinden, welche Substanzen allenfalls sonst noch Wirkung zeigen könnten im Einsatz gegen das Coronavirus. Wir selber haben auch noch eine Substanz, die wir am testen sind und von der wir wissen, dass sie eine gewisse Wirkung hat.

Dann gibt es ja auch noch Produkte von Roche und vielen anderen. Sie sehen also, da tut sich einiges. Die Pharmafirmen weltweit wissen natürlich, wie viel Erwartungen und Druck auf ihnen lasten. Deswegen schliessen wir uns auch weltweit zusammen, um hoffentlich etwas zu finden, das Wirkung zeigt.

Sie sagen es bereits: Die Erwartungen an die Pharmaindustrie sind gross – auch bei uns in der Region. Wie stark spüren Sie und Ihre Mitarbeitenden den Druck?

Matthias Leuenberger: Die Erwartungshaltung ist wirklich gross – zu Recht! Wir stehen in der Pflicht, möglichst schnell geeignete Substanzen zu finden. Ich denke, dass all die Kandidaten, welche ich bereits erwähnt habe oder die in der Evaluation sind, durchgetestet werden müssen. Wenn wir durch die Zusammenarbeit noch weitere finden und die dann auch wirken, hoffe ich, dass wir in den nächsten Monaten wissen, welche Therapie wirkt. Wir spüren den Druck, aber er ist gerechtfertigt. Wir stehen in der Pflicht, etwas dagegen zu unternehmen.

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