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Der Telebasel News Beitrag vom 2. April 2020.
Basel

Die Versorgung ist für Roche die grösste Herausforderung

Roche Schweiz Chef Jürg Erismann sagt im Interview, dass die Versorgung an erster Stelle steht – aber in diesen Zeiten logistisch nicht einfach umzusetzen sei.

Die ganze Welt hofft, dass das Corona-Virus möglichst schnell wieder verschwindet – die Hoffnungen dafür liegen bei Pharma-Firmen. Wie gross ist der Druck für Roche und die Mitarbeitenden?

 Jürg Erismann: Wir sind uns der Verantwortung natürlich bewusst und gehen dementsprechend damit um. Unsere Mitarbeitenden und Partner müssen momentan enorm viel Einsatz leisten. Im Endeffekt ist es aber auch eine Frage der Solidarität mit den Gesundheitsbehörden und der Gesellschaft, um dieser Krise entgegenwirken zu können. Nur so kommen wir aus dieser Situation wieder raus.

Welches ist die grösste Herausforderung für Roche, bezüglich der Corona-Krise?

 Jürg Erismann: Die Versorgung steht nach wie vor an erster Stelle. Denken Sie beispielsweise an Krebsmedikamente, die während dieser Zeit zu den Patienten gelangen müssen oder an die Diagnostika, also Krankheiten wie Diabetes, welche auf Tests angewiesen sind. Auf solchen Produkten liegt bei uns der Fokus. Wir sind gerade in dieser ausserordentlichen Situation, welche unsere logistische Arbeit erschwert. Es müssen neue Wege gefunden werden, damit die Waren weiterhin, wenn auch auf unterschiedlichen Wegen, ausgeliefert werden können.

Wie sieht aktuell die Arbeit aus bei Roche?

 Jürg Erismann: Wir sind stark auf die Versorgung von lebenswichtigen Medikamenten und Tests fokussiert – und zwar weltweit. Bei diesen Bemühungen nehmen die Schweizer Standorte in Basel und Kaiseraugst eine ausserordentlich wichtige Rolle ein. Wir haben hier die Produktionsstelle von wichtigen Medikamenten, führen aber auch immer noch eigene, kritische Forschungsarbeiten durch. Ausserdem muss der Standort am Leben erhalten werden. Wir haben eine funktionierende Infrastruktur, Feuerwehr, sowie den medizinischen Dienst und müssen selbstverständlich auch die Verpflegung am Standort selbst ermöglichen. Ich selber gehe von Zeit zu Zeit ins Büro und sehe, dass unsere Mitarbeiter mit einem positiven Mindset unterwegs sind und sich ihrer kritischen Rolle bewusst sind. Die Stimmung ist soweit gut und ich denke die Menschen, welche von Zuhause aus arbeiten, zeigen viel Mitgefühl denen gegenüber, die noch vor Ort arbeiten.

Wie viele Mitarbeitende befinden sich am Standort Basel im Home-Office und wie viele müssen noch im Werk oder Büro arbeiten?

 Jürg Erismann: Wir haben in Basel im Schnitt ungefähr 800 Mitarbeitende, welche noch vor Ort sind und in Kaiseraugst sind es etwa 600. Die überwiegende Mehrheit der Mitarbeitenden ist aber im Home-Office tätig. Das sind um die 9000.

Es gibt aktuell viele Sicherheitsvorschriften. Wie stellen Sie den in Ihrem Betrieb sicher?

 Jürg Erismann: Wir haben die Massnahmen vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) voll umgesetzt und stellen sicher, dass Social Distancing wirklich realisiert werden kann. Wir haben die Hygienemassnahmen implementiert und zwar nicht nur an der eigentlichen Arbeitstätigkeit, sondern bereits auf dem Arbeitsweg. Das heisst, wir ermöglichen unseren Mitarbeitern, dass sie vermehrt mit dem eigenen Auto zur Arbeit kommen können. Im Personalrestaurant und auf den Raucherplätzen ist Distanz gefragt.

Der Bund hat verschiedene Grenzübergänge geschlossen. Die Arbeitnehmer, die in der Schweiz arbeiten, können diese immer noch überqueren. Haben Mitarbeitende bei Roche Probleme zur Arbeit zu kommen?

 Jürg Erismann: Roche gilt als Unternehmen, welches kritisch für die Landesversorgung der Schweiz ist. Mit diesem Status haben unsere Mitarbeitenden die Möglichkeit, die Grenze zu passieren. Durch die verstärkten Kontrollen gibt es allerdings längere Wartezeiten und der Arbeitsweg dadurch auch länger. Besonders davon betroffen ist Frankreich. Wir versuchen dem entgegen zu wirken, in dem unsere Mitarbeitenden nicht zu Stosszeiten zur Arbeit kommen. Dort wo es nicht möglich ist, ist es effektiv so, dass sich der Arbeitsweg verlängert.

Auf was konzentrieren Sie sich aktuell in den Laboren? Werden spezielle Tests durchgeführt oder Medikamente produziert?

 Jürg Erismann: Wir haben in Basel natürlich lebenswichtige Medikamente. Bei denen läuft die Arbeit weiter und wir sind aktiv dran, die Kapazitäten nach Bedarf anzupassen. Die Arbeitsumgebung folgt speziellen Hygienemassnahmen, wie zum Beispiel Social Distancing. So können wir diesen Betrieb weiter aufrecht erhalten.

Roche hat bezüglich Actemra eine Studie gestartet und beobachtet die Wirkung vom Corona. Wie wichtig sind die Standorte in der Region für diese Studie?

 Jürg Erismann: Wir unterstützen die Studie mit vielen Teams, so dass diese überhaupt durchgeführt werden können. Einerseits mit Wissen und Kompetenz. Andererseits stellen wir sicher, dass genügend Medikamente für die Studie zur Verfügung stehen und dass die am richtigen Ort ankommen.

Novartis hat unter anderem mit der Bill Gates Fondation ein Konsortium gegründet, wo sie gemeinsam gegen das Corona-Virus forschen wollen. Roche ist momentan nicht dabei. Gibt es Pläne, sich dort zu beteiligen?

 Jürg Erismann: Wir haben weltweit viele Kooperationen mit unterschiedlichen Firmen und dem Gesundheitswesen. Wir haben keine Absicht dem beizutreten, sondern konzentrieren uns auf unsere eigene Innovationen. Wir sind mit unserem Invitro-Diagnostikergeschäft Weltmarktführer und da wird uns eine spezielle Rolle zugeteilt. Wir haben mit unserem Roche-Portfolio viele Moleküle, welche wir untersuchen und schauen dann, ob diese wirksam sein könnten.

Es stellt sich jetzt die Frage, ob eine intensivierte Zusammenarbeit mit Novartis in Bezug auf Corona und der örtlichen Nähe nicht sinnvoll wäre. Ausserdem ist Novartis ein wichtiger Aktionär von Roche. Ist keine Zusammenarbeit geplant?

 Jürg Erismann: Roche hat ihre Strategie diesbezüglich nicht geändert, sondern haltet an der bisherigen fest. Das bedeutet, dass wir zwar Kooperationen haben, diese aber auf Synergien basieren und nicht auf der Basis von Aktionariat.

Das ganze Zoom-Interview zum Nachschauen. (Video: Telebasel)

1 Kommentar

  1. Gutes Interview. Soweit ich informiert bin, ist Herr Erismann Standortleiter Basel/Kaiseraugst für die F. Hoffman-La Roche. Der Chef der Roche Pharma Schweiz – also verantwortlich für die schweizer Versorgung – jemand anderes.Report

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