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Der Telebasel News-Beitrag vom 2. April 2020.
Basel

Aufwachraum wird in der Corona-Krise zum Beatmungsplatz

Öffentliche und private Kliniken wollen gemeinsam mehr Beatmungsplätze sicherstellen. Dies bedeutet, dass zum Beispiel auch das Claraspital umgekrempelt wird.

Normalerweise ist es ein Aufwachraum. Nun aber stehen hier gleich mehrere Beatmungsgeräte nebeneinander. Wie viele Schweizer Kliniken rüstet sich nun auch das Claraspital für einen möglichen Ansturm auf die Intensivstationen.

«Die Spitäler vervielfachen ihre Kapazitäten – mit etwa drei- bis viermal so vielen Beatmungsplätzen wie normalerweise», sagt Cyril Rosenthaler, Leiter Operative Klinik im Claraspital. Die genaue Zahl der neu bereitgestellten Beatmungsplätze möchte er nicht an die grosse Glocke hängen. Schliesslich wolle man keinen Wettbewerb zwischen den Spitälern befördern. Viel mehr gehe es jetzt darum, sich in Absprache mit anderen Kliniken auf die Folgen der Pandemie vorzubereiten.

Kommen nämlich mehr Corona-Notfallpatienten, so werde es eng in der Intensivstation des Claraspitals. Daher wurde etwa dieser Aufwachraum umfunktioniert. Die Beatmungsgeräte stammen teils aus dem eigenen Bestand, teils vom Bund. Bis jetzt ist der neu geschaffene Raum noch nicht zum Einsatz gekommen. Schliesslich wurden auch die Beatmungsplätze in der Intensivstation erhöht.

Beatmungsplätze könnten sich rasch füllen

«Dass es zu einer Situation wie in Italien kommt, befürchte ich nicht unmittelbar – da sind wir vorbereitet», sagt Cyril Rosenthaler. Dennoch müssten sich auch hier die Spitäler auf den Ernstfall vorbereiten.

Ein wichtiger Punkt sei etwa, dass die Beatmungsplätze nicht so schnell wieder frei werden. «Diejenigen, die hierher kommen, werden nicht innerhalb von 24 Stunden gesund sein – da braucht es unter Umständen Beatmungen von acht bis zwölf Tagen», so Rosenthaler. «Das heisst, dass sich die Intensivstationen so langsam auffüllen.»

Ein anderer Punkt ist, dass in der ganzen Corona-Krise auch «normale» Notfallpatienten betreut oder gar beatmet werden müssen. Diese dürfen dann nicht mit den Infizierten in Kontakt kommen. Somit müssten sich die Spitäler auch für prekäre Szenarien rüsten, um nicht vor ähnlichen Problemen wie in anderen Ländern zu stehen.

Zusammenarbeit zwischen Spitälern gefordert

Das Beispiel aus dem einstigen Aufwachraum im Claraspital zeigt, dass momentan quer durch die Basler Krankenhäuser kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Das Basler Gesundheitsdepartement (GD) hat nämlich Mitte März angesichts der ausserordentlichen Lage ein Versorgungskonzept erstellt. Ziel ist es, die Intensivpflegebetten und Beatmungsplätze aufzustocken. Bei dieser Verbundslösung soll das Unispital zusammen mit den Privatkliniken an einem Strick ziehen.

Die Idee ist, dass sich die Krankenhäuser so koordinieren, dass diese Infrastruktur aufgestockt werden kann. Wie GD-Sprecherin Anne Tschudin auf Anfrage von Telebasel schreibt, seien die Beteiligung sowohl von öffentlichen wie auch von privaten Spitälern und die Bereitschaft dazu vorhanden.

Nach der bundesrätlichen Verordnung mussten einige Kliniken ihre planbaren Eingriffe zurückfahren. Auch diese Spitäler seien etwa bereit gewesen, ihr Anästhesie-Personal den anderen Häusern zum Aufbau von Beatmungskapazitäten zur Verfügung zu stellen.

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