Schutz via Tracking? Momentan forschen mehrere Länder an einem technologischen Schutz vor dem Coronavirus. (Symbolbild: Keystone)
International

Tracking-Apps könnten bald vor Coronavirus schützen

Mittels Tracking auf dem Smartphone könnte die Bevölkerung in Zukunft besser vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt werden. Acht Länder forschen.

Forscher und Entwickler aus acht Ländern entwickeln an technischen Grundlagen für den Betrieb möglicher Tracking-Apps auf Smartphones, darunter die Schweiz. Ziel ist ein datenschutzkonformer und gezielter Schutz vor dem Coronavirus.

Die Forschungen finden im Rahmen der Pan-European Privacy Preserving Proximity Tracing-Initiative (PEPP-PT) statt. Wie die PEPP-PT am Mittwoch mitteilte, entwickelten die Beteiligten ein System, das mit anonymisierten Daten arbeitet.

An den Forschungen beteiligt ist der Epidemiologe Marcel Salathé von der ETH Lausanne. Da Infizierte bereits ansteckend seien bevor sie erste Symptome spürten, müssten sämtliche Personen, mit denen der Patient Kontakt gehabt habe, aufgespürt werden können, sagte Salathé am Dienstag in einem Interview mit der NZZ.

Als Covid-19-Patient sei man ein Funke, der leicht zu einem Waldbrand führen könne, sagte Salathé in dem Interview. Deshalb dürfe kein einziger Fall vernachlässigt werden.

Die Initiatoren sehen ihr Konzept «in voller Übereinstimmung mit der europäischen Datenschutzgrundverordnung». Wenn mehr als 60 Prozent der Bevölkerung eine solche App nutzten, sei ein Erfolg gesichert, halten sie fest.

Warnung via Smartphone

Tracking-Apps werden als Mittel für eine zielgerichtetere Isolierung zum Schutz vor dem Coronavirus diskutiert, vor allem nach etwaigen Lockerungen von Ausgangsbeschränkungen. Apps sollen ihre Benutzer warnen, wenn sie Kontakt zu Infizierten hatten. Die Betroffenen könnten sich dann umgehend zu Hause isolieren sowie einen Test auf Ansteckung in die Wege leiten.

Das vom PEPP-PT vorgestellte System nutzt dabei die auf Smartphones installierte Bluetooth-Datenübertragungstechnik, um festzustellen, welche anderen Handys sich über eine für eine Infektion relevante Zeit hinweg in entsprechender Nähe befanden.

Alle Smartphones erhalten dabei eine temporäre ID, also eine nichtssagende Erkennungsnummer. Diese lässt keine Rückschlüsse auf die Besitzer oder deren Aktivitäten zu. Jedes Smartphone speichert verschlüsselte Listen mit den ID’s der Geräte, die die epidemiologisch relevanten Annäherungskriterien erfüllen.

Erst wenn der Besitzer eines Handys von einer Infektion erfährt, wird über einen ebenfalls verschlüsselten Prozess mit einer vertrauenswürdigen offiziellen Stelle – etwa eine Behörde – das weitere Verfahren in Gang gesetzt. Diese verschickt eine TAN, mit der das Handy die ID-Listen entschlüsselt und die darin vermerkten Smartphones kontaktiert, die dann entsprechende Warnungen anzeigen.

ETH Lausanne beteiligt

Die PEPP-PT, an der neben dem Berliner Fraunhofer-Institut unter anderem die Technischen Universitäten Dresden und Berlin, das französische Institut national de recherche en informatique et en automatique, die ETH Lausanne sowie der Telekommunikationskonzern Vodafone beteiligt sind, stellt die Abwicklungsplattformen bereit.

Diese sollen Programmierer nutzen, um konkrete Apps nach einheitlichen Standards zu entwickeln, die europaweit miteinander harmonisieren. In Singapur, Südkorea und China sind Programme im Einsatz, die mit automatisierten Hinweisen auf dem Smartphone die Besitzer warnen, dass sie in Kontakt mit Infizierten gekommen sind.

Deutsche Bundeswehr hilft

Bei der Entwicklung der Technologie für Tracking-Apps hilft die deutsche Bundeswehr mit. Rund 50 Soldaten simulierten in einer Kaserne in Berlin in Schutzkleidung das Zusammentreffen von Menschen, wie das Verteidigungsministerium in Berlin mitteilte.

Die Testzyklen dienen der Feinabstimmung, etwa mit Blick auf die genauen Entfernungen und Annäherungszeiten. Die Arbeiten an der Plattform sollen nach Angaben von PEPP-PT-Mitorganisator Hans-Christian Boos vom beteiligten deutschen IT-Unternehmens Arago Ende der kommenden Woche abgeschlossen sein.

Dann soll das System frei zugänglich gemacht werden, damit es Entwickler nutzen können.

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