(Bild: Keystone)
Schweiz

Über 16’000 bestätigte Fälle – Berset ruft zu Ausdauer auf

Die Zahl der in der Schweiz nachgewiesenen Covid-19-Infektionen ist innerhalb eines Tages um 701 auf 16'176 gestiegen. Die nächsten Wochen machen Berset sorgen.

Er sehe, dass man bei dem frühlingshaften Wetter Lust habe, sich draussen zu versammeln, sagte Berset am Dienstag bei einem Besuch in einem Drive-in-Testcenter in Luzern. Das gelte es aber unbedingt zu unterlassen. «Wir müssen Ausdauer zeigen», sagte der Bundesrat.

Gemäss einer Zählung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, die auf Meldungen der Kantone beruht, kamen bisher 427 Menschen wegen Covid-19 ums Leben. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) berichtete von 373 Todesfällen im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung in der Schweiz.

Insgesamt wurden demnach bisher rund 123’150 Tests auf das Virus durchgeführt. Der Anteil der positiv Getesteten belief sich auf 13 Prozent. Gemessen an der Anzahl Einwohner haben die Kantone Tessin und Waadt die meisten Fälle.

Berset besucht Drive-in-Testcenter

Damit die Schweiz in der Corona-Krise den Weg zurück zur Normalität finden kann, plädiert der Epidemiologe Marcel Salathé gemeinsam mit anderen Wissenschaftern für Covid-19-Tests schon bei leichten Symptomen. So könnte jeder einzelne neue Fall schnell identifiziert und schnell isoliert werden.

Ein Weg dahin könnten die Drive-in-Testcenter sein, wie der Kanton Luzern zur Zeit eines testet. Berset zeigte sich bei einem Besuch auf der Luzerner Allmend beeindruckt: So könne Material gespart und das Spital entlastet werden. In dem Zentrum können sich pro Tag 15 bis 20 mutmassliche Coronainfizierte auf das Virus testen lassen, ohne das Auto verlassen zu müssen.

Die Vielfalt der Lösungen, die in den Kantonen bei der Bewältigung der Coronakrise gefunden werde, sei eine grosse Eigenschaft der Schweiz, sagte Berset. Er betonte, dass der Bund auf eine gute Zusammenarbeit mit den Kantonen angewiesen sei. Und der Föderalismus und die Solidarität in der Schweiz funktioniere.

UZH testet alle Patienten

Entsprechend hat sich auch das Universitätsspital Zürich für einen eigenes Vorgehen entschieden: Ab Mittwoch sollen alle neuen stationären Patientinnen und Patienten auf Covid-19 getestet werden, selbst wenn diese keine Symptome zeigen und etwa wegen eines Unfalls eingeliefert werden. Ziel ist es, die Sicherheit für Mitarbeitende und andere Patienten zu erhöhen.

Noch weiter gehen will die SVP: Sie schlägt vor, dass sich besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen bis zur Eindämmung des Virus so weit wie möglich isolieren sollten. Daneben fordert die SVP die Einführung einer allgemeinen Tragepflicht von Schutzmasken, wo ein Kontakt zwischen Menschen stattfindet. Die nicht gefährdete Bevölkerung soll so wieder arbeiten dürfen.

Ausserdem sei der verstärkte Grenzschutz aufrechtzuerhalten. Einwanderer und Einreisende aus Risikogebieten seien ebenso abzuweisen wie Personen, die nicht zweifelsfrei nachweisen könnten, dass sie frei vom Coronavirus seien. Ankommende Schweizer müssten für eine gewisse Zeit in die Quarantäne.

30’500 Personen an Einreise gehindert

Doch auch so hat die Eidg. Zollverwaltung (EZV) bereits alle Hände voll zu tun. Sie habe in den vergangenen rund zwei Wochen über 30’000 Personen die Einreise in die Schweiz verweigert, sagte EZV-Direktor Christian Bock vor den Medien am Grenzübergang Boncourt JU.

Einige versuchten, über die grüne Grenze in die Schweiz zu gelangen, Absperrungen zu entfernen oder zu zerstören. Deshalb habe die EZV seit Anfang letzter Woche über 400 Bussen aussprechen müssen.

Aber auch auf den Warenverkehr habe die Krise Auswirkungen, sagte Bock weiter: So habe es in den vergangenen zwei Wochen 11 Prozent weniger Importe, 20 Prozent weniger Exporte und 13 Prozent weniger Transittransporte durch die Schweiz gegeben.

Unterstützung der Armee nötig

Im Unterschied zu einer Migrationskrise gebe es wegen der Corona-Pandemie nun Schengen-Grenzkontrollen entlang der gesamten Schweizer Grenze. Deswegen benötigten sie die Unterstützung der Armee, personell aber auch in der Luft. «Mehr Kontrollen gleich mehr Sicherheit», sagte Bock.

Eingesetzt würden zum einen Angehörige der Berufsmilitärpolizei an den geöffneten Grenzübergängen, erklärte der stellvertretende Armeechef, Korpskommandant Aldo Schellenberg. Sie unterstützten die zivilen Zollbeamten bei den Grenzkontrollen. An der grünen Grenze hingegen kämen Milizsoldaten zum Einsatz. Der Einsatz dauere typischerweise sechs Wochen, also doppelt so lange wie ein normaler Wiederholungskurs.

Gleichzeitig gab Schellenberg bekannt, dass die Schweizer Armee sämtliche Wiederholungskurse bis Ende Juni absagen werde. Ausgeschlossen seien jene WK,  «unmittelbar der Bewältigung» der Coronakrise dienten.

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